Ab wann geht Schwärmerei zu weit?

Da ist der Deutschlehrer mit den leuchtend blauen Augen, der immer so süß lächelt. Die Referendarin in Mathe mit dem hübschen Gesicht und der coolen Art. Oder der junge Sportlehrer mit den muskulösen Armen. Junge Lehrer sind für Schüler nicht immer nur die, die ihnen Noten geben. 

Sie sind Mentoren oder Vorbilder und manchmal auch mehr. Man kann sich schon mal in den Referendar Ende 20 oder die hübsche Lehrerin verknallen. Das ist nicht nur in "Fack Ju Göhte" so. 

Wie gehen junge Lehrer damit um, wenn sie merken, dass Schüler sie nicht nur in ihrem Beruf gut finden? Wie bewahren sie Autorität, wenn Schüler zu weit gehen? 

Wir haben mit Berufsanfängern über verzwickte Situationen gesprochen. Sie erzählen hier, wie sie mit Komplimenten umgehen und wann Schüler ihnen zu nah kamen. 

Betroffene zu finden, ist leicht – viele haben solche Erfahrungen gemacht. Andererseits sprechen die meisten nur anonym darüber. Keine der Personen wollte mit echtem Namen auftreten – aus Rücksicht auf die Schule und Schüler, einerseits. Andererseits, weil sie Sorge haben, dass ihre Methoden hinterfragt werden.

Anna, 30 – Lehrerin in Hamburg: "Das sind pubertierende Jungs."

Einmal kam ich als Vertretung in eine Oberstufenklasse. Einige Jungs pfiffen und sagten Sätze wie: "Willst du neben mir sitzen?" Ich war 24, sah aber schon immer jünger aus. Da dachte ich zum ersten Mal: "Fuck. Jetzt muss ich auch noch vor denen stehen." Ich war völlig überfordert. Es war neu für mich, vor einer Klasse zu stehen und ich war aufgeregt. Das brachte mich echt aus dem Konzept.

Das Herz schlägt für Mathe? Wohl eher für die Lehrerin...(Bild: Julian Stratenschulte/dpa )

Mittlerweile kann ich problemlos über solche Situationen lachen. Letztens zum Beispiel hat mich ein Junge aus der neunten Klasse die ganze Zeit angeguckt. Irgendwann habe ich ihn gefragt, was los sei und seine Antwort war nur: "Nichts. Sie sehen einfach so gut aus."

Ein anderes Mal wollte ich einem Schüler sein Handy wegnehmen. Die sind bei uns auf dem Gang nicht erlaubt. Als ich ihm sagte: "Kann ich jetzt bitte dein Handy haben", kam zurück: "Aber nur, wenn Sie Ihre Nummer einspeichern." So einfache Macho-Sprüche kann ich ab. 

Das sind pubertierende Jungs, die manchmal nicht merken, dass sie über die Stränge schlagen.

Ich wundere mich in solchen Momenten am ehesten darüber, dass es den Schülern selbst nicht unangenehm ist. Manchmal fühle ich mich auch geschmeichelt. Von den Mädchen in der Schule kommt oft: "Sie sind aber schön." Jeder hört solche Komplimente gerne.

Nur einmal ist mir etwas Fieses passiert.

Es war Freitagabend und mein Handy klingelte – Nummer anonym. Erst sagte jemand nur: "Hier ist Helmut", und: "Hallo, hallo." Und dann: "Darf ich Sie ficken bitte? Darf ich Sie bitte irgendwann mal ficken? Ich will Sie richtig kaputtmachen." Dadurch, dass er mich gesiezt hat, wusste ich: Das ist ein Schüler. 

Ich war nicht verunsichert, aber genervt. Leider konnte ich nicht rausfinden, wer es war. Sonst hätte es echt Ärger gegeben. Komplimente lasse ich mir ja machen, aber das ging gar nicht.

Ich dachte: Das kommt davon, wenn man seine Handynummer rausgibt. Na klar, das ist nicht erlaubt, aber es gibt Situationen, in denen geht es nicht anders. Auf Klassenfahrten zum Beispiel. Alle machen das. Zum Glück gibt es jetzt die App "Studipost". Mit der kann man ohne Nummer kommunizieren. Die probiere ich jetzt aus. 

Alex, 30 – Lehrer in Bayern: "Man sollte Abstand halten."

Ich unterrichte hauptsächlich achte Klassen und bin noch im Referendariat. Die Schüler sind zwischen 13 und 15 Jahre alt. Es gibt ein, zwei Mädels, die immer mal wieder Dinge sagen wie: "Sie sehen heute aber gut aus", oder: "Ihre blauen Augen passen heute sehr gut zu meinem Shirt." Das ist für mich aber keine große Sache.

Letztens wurde ich auch gefragt, ob ich mal Bilder aus meinem Urlaub zeigen könnte, aber bitte mit mir drauf und oben ohne. Und beim Erste-Hilfe-Kurs hat eine Schülerin gesagt, sie würde die Mund-zu-Mund-Beatmung gerne mit mir üben. Vor der ganzen Klasse. Das fand ich schon krass.

Ich habe ihr dir dann gesagt, dass sie sich zusammenreißen soll und ich so ein Verhalten nicht toleriere. Da wurde sie ganz rot und hat beschämt zu Boden geguckt. 

Das sind heikle Situationen. Man sollte als Lehrer vorsichtig sein und klaren Abstand zu den Schülerinnen halten.

Man sollte zum Beispiel nicht mit einer Schülerin in einem Klassenzimmer alleine sein, ohne dass zumindest die Tür offen ist. Sie könnte ja ihrer Mama erzählen, dass der Lehrer sie betatscht.

Und wie willst du da das Gegenteil beweisen? Solche Vorwürfe wirst du nicht mehr los – auch wenn sie nicht stimmen. Dieser Gefahr bin ich mir aber bewusst und gehe immer klar auf Distanz, speziell zu Schülerinnen.

Es gibt nur einen Grund, solche Sprüche manchmal zu tolerieren: Gerade die Mädchen geben sich mehr Mühe im Unterricht, wenn du ihnen gefällst.

Lena, 28 – Lehrerin in Nordrhein-Westfalen: "Ich sehe mich als Vorbild."

Ich werde häufig von Schülern angemacht. Einmal klebte an meinem Auto ein Zettel mit einer Nummer und den Worten: "Ruf mich an", ein anderes Mal schrieb ein Schüler seine Nummer an die Tafel, als ich kurz draußen war.

Es kommt auch oft vor, dass mir Komplimente gemacht werden. Sätze wie: "Sie sehen heute aber wieder gut aus", sind keine Seltenheit.

Manchmal fühle ich mich geschmeichelt. Mir wird von jungen Männern gesagt, dass ich gut aussehe. Darüber kann ich mich doch freuen. Mehr aber auch nicht. Ich bin mir meiner Position als Lehrerin und der Verantwortung schon bewusst.

Ab und zu schlagen die Schüler aber auch über die Stränge. Einmal wurde mir gesagt, die Dusche in der Jungs-Umkleide sei kaputt. Als ich nachschaute, war es leider schon zu spät. Auf einmal machten sie die Tür zu und das Licht aus. Und dann kam aus der dunklen Ecke: "Jetzt sind wir endlich mal allein." Da bin ich sofort raus aus dem Raum. Das war schon sehr unangenehm. 

Klar würde ich auf solche Situationen gerne verzichten. Meistens lasse ich sie auf sich beruhen, weil ich keine Lust auf die Konsequenzen habe. 

Zwar bekämen die Jungs eine Bestrafung, aber auch mein Unterricht und Verhalten würde geprüft werden. Das wäre nur zusätzlicher Stress – und keinem damit geholfen.

Es bringt mich auch nicht aus dem Konzept oder beeinflusst meinen Unterricht. Manchmal sogar ganz im Gegenteil. Gefühlt sind 80 Prozent meiner Schüler in mich verknallt. Die wollen mir also imponieren und benehmen sich in meiner Gegenwart sehr gut. Heißt: Sie geben sich Mühe im Unterricht – und bekommen dann von mir gute Noten.

Ich sehe mich als Vorbild. Für viele Schüler und Schülerinnen sind Lehrer immer noch spießig und langweilig. Durch mich können sie sehen, dass Lehrer auch cool sein können.

Das ist in meinen Augen auch eine wichtige Botschaft. Gerade für die Mädchen in meinen Klassen. Ich bin eine junge Frau, die studiert hat und selbstbewusst durchs Leben geht. Auch wenn Männer mal nicht respektvoll mit mir umgehen. Mit so einem Verhalten kann ich ihnen etwas für ihr eigenes Leben mitgeben. Das ist in meinen Augen viel mehr wert, als die Jungs für dämliches Verhalten immer zu bestrafen.


Gerechtigkeit

Erst lästern, dann Bussi: So hat Trump Merkel in Washington empfangen
Die Bundeskanzlerin hat sehr typisch reagiert.

Mehrere Tage lang hat US-Präsident Donald Trump seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron in Washington hofiert (bento). Am Freitag kam nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vorbei – allerdings nur zu einem kurzen Arbeitsbesuch.

Trump hatte im Vorfeld über Merkel gelästert, als sie im Weißen Haus ankam, war sie dann plötzlich eine "außergewöhnliche Frau".

Gleich vor mehreren Delegierten soll Trump in den vergangenen Tagen gesagt haben, dass er sich nicht auf Merkel freue. Die Beziehung sei zu eisig. (Washington Post)