Klassiker: Du musst einen Vortrag halten oder sitzt im Vorstellungsgespräch – und dir versagen die Nerven. Dein Herz rast, die Stimme stockt, das Blut schießt dir ins Gesicht, es ist der Horror! Melina Royer, 29, kennt das aus eigener Erfahrung.

Sie sagt über sich, dass sie extrem schüchtern ist. Und hat ein Buch darüber geschrieben: "Verstecken gilt nicht!"

Darin geht es um viele Situationen ihres Lebens, in denen ihr der Mut fehlte. Als sie sich nicht traute, in Geschäften Verkäufer anzusprechen oder nur telefonierte, wenn niemand anderes zuhörte. 

Auf ihrem Blog "Vanilla Mind" erzählte sie daraufhin offen von ihrer Schüchternheit. In ihrem Buch geht sie nun einen Schritt weiter – und beschreibt, wie sie diese Charaktereigenschaft vollständig ablegte.

(Bild: kailash Verlag)
Wir haben Melina gefragt: Wie hat deine Schüchternheit dein Leben beeinflusst?

Melina: Damals war vieles, was für andere normal war, Horror für mich. Ich schämte mich für alles, was ich vor anderen machen musste.

Ich hatte zum Beispiel Angst, zur Schule zu gehen, weil ich nicht gut in Mathe war und große Panik davor hatte, von meinem Lehrer bloßgestellt zu werden. 

Ich blieb zu Hause, weil ich mich wie gelähmt fühlte und bekam noch schlechtere Noten. Meine Angst wurde so übermächtig, dass ich wenige Monate vor dem Abitur die Schule abbrach.

Der Selbsthass war groß, ich kam mit mir nicht mehr zurecht. Und stellte fest, dass ich was ändern muss.

Autorin Melina Royer.(Bild: Lea Sander)

Wie hast du das angestellt?

Nach dem Schulabbruch habe ich gedacht, so etwas macht doch nur jemand, der total krank ist. Also suchte ich mir professionelle Hilfe. 

Nach dem zweiten oder dritten Besuch beim Psychiater ging ich dann mit einem Rezept für ein Antidepressivum aus der Praxis, damit ich morgens nicht so antriebsschwach war. Das war nicht die Hilfe, die ich mir erhofft hatte.

Ich beendete die Behandlung und fing an, Kommunikationsratgeber zu lesen. Die gaben mir das Gefühl: Ich bin kein Außerirdischer. Je mehr ich las, desto leichter fiel es mir, mich jemandem anzuvertrauen.

"Verstecken gilt nicht!"

Melinas Buch "Verstecken gilt nicht!" Wie man als Schüchterner die Welt erobert" ist im Kailash Verlag erschienen und als Taschenbuch sowie als E-Book verfügbar. Erste Tipps findet ihr auch auf ihrem Blog "Vanilla Mind". Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, erhält bento eine Provision. 

Und was hilft nun konkret gegen Schüchternheit?

Bewegung und Sport: Jeder noch so kleine sportliche Erfolg schenkt mehr Selbstvertrauen und stärkt für den Alltag. Das heißt, beim Sport trainiert man nicht nur körperliche, sondern vor allem auch mentale Stärke. 

Ich liebe das Gefühl, vom Laufen zu kommen und zu merken, wie der ganze Stress des Tages von mir abfällt und ich wieder mehr Distanz zu meinen ganzen Alltagssorgen bekomme.

Sprache: Wie wir mit uns selbst reden, ist entscheidend dafür, wie wir uns fühlen. Es ist wichtig, sich selbst gut zuzureden und sich zum Beispiel zu sagen: "Diese Herausforderung ist eine Chance, zu wachsen, und ich werde sie meistern." Man muss sich selbst gut beobachten und bewusst gegen negative Gedanken angehen. 

Unterstützung suchen: Jeder braucht Menschen, die sagen: "Versuch es noch mal, bald wirst du sicherer". Je mehr ich mich öffne, desto stärker fällt mir auf, dass mein Umfeld nicht halb so negativ über mich denkt wie ich. Dieser Realitätsabgleich tut gut.

Und wie gehst du so auf deinen Freundeskreis zu? Welcher Typ Freund bist du? Mach das Quiz:

Wie können Freunde oder Familienangehörige am besten helfen?

Einfach mal unter vier Augen mit demjenigen, der schüchtern ist, sprechen. Vor allem, wenn man jemanden zu etwas anspornen will, funktioniert das selten in einer großen Gruppe. Das macht alles nur schlimmer. 

Sein Selbstvertrauen kann jeder trainieren, sagt Melina Royer.(Bild: Timon Royer)

Was ist das Wichtigste, das Schüchterne aus deinem Buch mitnehmen können?

Es geht nicht darum, sich zu verstellen und zu allem Ja zu sagen. Man sollte sich selbst die Frage stellen: "Ist mein aktueller Zustand für mich tragbar oder muss ich etwas ändern, um meine Ziele zu erreichen?"

Außerdem ist es wichtig, Misserfolge nicht nur zuzulassen, sondern auch daran zu wachsen. Mal hinzufallen ist notwendig. Und wir sollten uns dafür nicht schämen.


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