Bild: Alexandra Brucker

Zu dick, zu dünn, zu krumm, zu glatt, zu lockig... Der kritische Blick in den Spiegel wird oft mit Frauen assoziiert. Aber auch das Bild des idealen Männerkörpers ändert sich ständig:

Bodybuilder-Muskeln oder Rockstar-Drogenchic? Dad-Bod oder "Triangle-Shape"?

Wie geht man mit den Channing Tatums und Brad Pitts um, die einen in HD und Hochglanz mit ihren wohlgeformten Bi-, Tri- und Multizepsen verhöhnen?

Wir haben vier Männer gefragt, was sie für ihren Körper tun - und was sie an anderen Männern attraktiv finden.

Paul, 22, studiert Physik

Paul studiert in Heidelberg Physik und ist in Hamburg auf der Durchreise. Noch ein Abstecher ins Museum, ein bisschen am Isebek-Kanal sitzen, dann geht es für ihn weiter nach Schweden. Heute hat ihm sein Onkel das Sakko geschenkt, das er gerade trägt. Er hadert bereits den ganzen Tag damit, ob ihm das edle Teil steht oder nicht. 

(Bild: Alexandra Brucker)

I

ch nehme erst seit ein oder zwei  Jahren wahr, dass Männer überhaupt attraktiv sein können. Davor habe ich das nur bei Frauen gesehen. Ich könnte jetzt alle Klischees der männlichen Attraktivität aufzählen: muskulös, stark, sportlich -  da habe natürlich auch ich ganz klare Rollenbilder im Kopf. 

Über meinen eigenen Körper denke ich nicht viel nach. Das Einzige, was mich manchmal an ihm stört: Ich bekomme wahnsinnig schnell einen Sonnenbrand. Phasenweise treibe ich Sport, um einen attraktiven Körper zu haben. 

Und selbst? Willst du wissen, wie durchschnittlich dein Sportverhalten ist? Dann mach unseren Test:

Vor meinem Studium habe ich sehr viele Sportarten ausprobiert:  Fußball, Basketball, Tennis, Yoga, alles Mögliche. 

Seitdem ist nur das Laufen geblieben. Auf diese gleiche Art achte ich phasenweise auch auf meine Ernährung. Manchmal  bin ich gegen Zucker. Dann ernähre ich mich nur noch von Tofu, Gemüse oder Müsli. Es gibt wiederum Phasen, in denen mir das total egal ist.

Niklas, 18, arbeitet als Azubi im Einzelhandel

Es klingelt, zwei junge Mädchen haben den Laden betreten. Niklas läuft nach vorne, ein breites Lächeln auf den Lippen. Hockeyschuhe in Größe 39? Der 18-jährige weiß Rat und holt fix verschiedene Modelle von der Wand. Dort hängen auch Hockeyschläger, Hockeyschutz, Hockeybälle und Hockeytaschen. Welches Niklas Lieblingssportart ist, können wir uns irgendwie schon denken...

(Bild: Alexandra Brucker)

F

ür meinen Körper mache ich vor allem Sport: Ich spiele Hockey, seit ich sechs bin. Dieser Sport deckt bei mir alles ab. Ich habe viermal die Woche Training. Das ist nicht viel. Es gibt teilweise Leute, die spielen achtmal die Woche. Und dazu kommen eben noch die Spiele. Das nimmt schon viel Zeit in Anspruch.

Eigentlich achte ich gar nicht auf meine Ernährung. Das sieht man ja auch. Klar ziehe ich mir natürlich nicht jeden Tag ein Schnitzel rein und esse auch ab und an Salat. Ich esse auch nicht eine Tüte Süßigkeiten nach der anderen, bis ich Diabetes habe. Da denke ich dann schon über meinen Körper nach. 

Aber der Gedanke ist dabei eher:  Braucht mein Körper das gerade oder ist es zu viel für mich? Aber ich zähle keine Kalorien oder so. 

Das betrifft genauso mein Aussehen: Ich eifere keinen Stars nach. 

Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, was ich an Männern attraktiv finde. 

Bei mir selbst frage ich mich eher: Sehe ich ungepflegt oder gepflegt aus? 

Ich mache mir zum Beispiel eine Frisur, die ich mag oder die praktisch ist. Aber ich schaue mir nicht jemanden an und sage: "Ich möchte aussehen wie der". 

An mir selbst mag ich vor allem meine Körpergröße. Ich bin froh, nicht zu klein zu sein. Ich bin kein Riese, aber ab und an muss ich dann doch in älteren Häusern und niedrigen Räumen den Kopf einziehen. 

John Alexander, 35, arbeitet als Hafenarbeiter

John hat gerade einen Freund aus Venedig abgeholt. Auf dem Nach-Hause-Weg unterhalten sich die beiden auf der Straße auf Italienisch. Dort fangen wir die beiden Männer ab. Die beiden sind tiefenentspannt, John lacht viel. Sein Tattoo inklusive Totenkopf bedeckt seinen ganzen Oberarm. Bei der Frage, ob er seinen Körper mag, muss der Hafenarbeiter nicht lange nachdenken.

(Bild: Alexandra Brucker)

E

igentlich denke ich nur über meinen Körper nach, wenn ich Schmerzen habe. Zum Beispiel wenn sich Muskelkater bemerkbar macht oder ich mir etwas gezerrt habe. Dann frage ich mich: Woher kommt das jetzt plötzlich? Wieso und wo genau habe ich Schmerzen?

Als Hafenarbeiter muss ich schon ein wenig auf meine Ernährung achten. Bei meinem Job bewege ich mich nämlich ganz schön viel. Dafür muss ich kräftig bleiben. Deshalb fahre ich Rad und trainiere ein bis zweimal die Woche im Fitnessstudio. 

Trotzdem bin ich beim Essen nicht überpingelig. Hauptsache, meine Ernährung bringt meinem Körper etwas -  also vor allem Proteine.

Ich vergleiche  mich mit niemandem. Mit meinem Körper bin ich vollkommen zufrieden und mag daran alles. 

Nur meine Füße finde ich nicht besonders toll, die sind zu klein. 

Einen guten, definierten Körper finde ich bei Männern schön. Nicht zu dick oder zu stark, sondern eben die ganz normale Größe.

Johannes, 24, studiert Internationales Wirtschaftsingenieurwesen  und kandidiert für die Bundestagswahl

Er sitzt auf einer Bank im Park und klappt gerade seinen Laptop auf. Dafür, dass Johannes an seiner Masterarbeit schreibt und zeitgleich für die Grünen bei der Bundestagswahl kandidiert, sieht er ziemlich relaxed aus. In der Politik beschäftigen ihn vor allem der Frieden und der Umweltschutz. Mit dem Thema „Körper“ überraschen wir ihn.

(Bild: Alexandra Brucker)

I

ch mag das Gefühl, wenn sich der Körper nicht so schwer und träge anfühlt. Dass er sich so anfühlt, als ob er jederzeit lossprinten könnte und irgendwie nicht an der Stelle kleben bleibt. Platt gesagt: ein Gefühl von Fitness, auch Kraft. Das ist angenehm.  

Ein gutes Körpergefühl hat für mich also viel mehr damit zu tun, dass ich mich gut fühle, als dass ich mich nach Idealbildern orientiere oder danach, was andere Menschen von mir denken könnten. Unbewusst vergleiche ich mich vielleicht schon mit meinem persönlichen Bekanntenkreis, aber mir ist das wirklich nicht so wichtig.

An Männern  finde ich eine gute, einigermaßen muskulöse Figur attraktiv - aber die sollte auch nicht zu übertrieben sein. 

Extreme Bodybuilder Muskulaturen finde ich einfach nur noch peinlich. 

Andererseits ist es natürlich schon gutaussehend, wenn Menschen sportlich sind und nicht den ganzen Tag auf der Coach herumliegen.

In meinem Alltag versuche ich, mich gesund zu ernähren,  Zucker zu vermeiden, nach Möglichkeit viel Gemüse zu essen und selbst zu kochen. Außerdem gehe ich etwa zweimal die Woche ins Fitnessstudio, laufe ab und zu und fahre fast täglich Fahrrad.


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214 Tage nach seiner Amtseinführung schwenkt Trump jedoch um. In einer Rede an die Nation verkündete der Präsident, das Engagement im Krisenstaat stattdessen zu verstärken.