Bild: Matheus Ferrero / Unsplash
Sechs Menschen erzählen.

Schlechter Sex ist oft peinlich, meistens unangenehm und manchmal richtig verstörend. Und jeder hatte ihn schon mal. 

Diese Erkenntnis hat die Kurzgeschichte "Cat Person" hervorgebracht. Darin geht es um eine zwar einvernehmliche aber trotzdem unangenehme sexuelle Begegnung, die bei sehr vielen Menschen Gefühle auslöst (bento) – entweder weil sie schon ähnliche Erlebnisse hatten, oder weil sie die beschriebenen Erlebnisse gar nicht nachvollziehen können. 

In der fiktiven Kurzgeschichte fühlt sich die Hauptfigur Margot  einerseits zu ihrem Gegenüber hingezogen, andererseits fühlt sie sich in seiner Gegenwart auch nicht immer wohl. Zwischen diesen Gefühlen schwankt sie hin und her, entscheidet sich aber am Ende dafür, mit ihrem Date nach Hause zu gehen und mit ihm zu schlafen. 

Doch dort kippt ihre Gefühlslage leider komplett: Sie hat gar keine Lust mehr auf Sex mit ihm, fühlt sich aber gleichzeitig auch komisch bei dem Gedanken, einfach alles abzubrechen. Also macht sie einfach mit. 

Die Geschichte beschreibt dabei sehr detailliert Margots Gefühle – und darin finden sich offenbar viele Menschen wieder:

Was aus vielen der Kommentare deutlich wird: 

Schlechter Sex macht keinen Spaß und hinterlässt einen manchmal traurig, einsam oder voller Scham. 

Und: Auch aus anfänglich gutem Sex kann manchmal schlechter Sex werden. Wann die Stimmung sich dreht, wie lange alle Beteiligten Spaß haben, ob eine außergewöhnliche Fantasie sich erfüllt oder unangenehm wird und wie man mit der Situation umgeht, all das ist höchst individuell.

Gerade deshalb kann es helfen, darüber zu sprechen – und zu sehen, dass es anderen schon mal genau so ging. Denn keiner ist damit allein. Wir haben einige Leute gefragt, was ihre schlechtesten Sex-Erlebnisse waren und wie sie in der Situation damit umgegangen sind.

Achtung

In diesem Text beschreiben Menschen sehr explizit ihre sexuellen Erfahrungen. Dabei geht es auch um Grenzen, darum, wann sie überschritten werden und wann man sich gewünscht hätte, sie deutlicher zu kommunizieren.  

Hier sind ihre Geschichten:
„Es war extrem verstörend.“
Felix
Felix*, 33: 

"Mein krassestes Erlebnis ist noch gar nicht lange her: Da habe ich mich mit einem Paar übers Internet zum Sex verabredet. Ich hatte sowas schon öfter gemacht, kannte diese Leute aber noch nicht. Wir haben uns in einem Gay-Saunaclub verabredet, wo man einzelne Räume mieten kann. Schon während wir uns noch unterhalten haben, fand ich die beiden irgendwie merkwürdig, doch es war mir unangenehm, einfach wieder zu gehen. Also bin ich mit in den Raum gegangen. Sobald die Tür zuging, verfiel die Frau in eine Art Trance und schrie nur noch flehend 'Bitte, bitte!'. 

Die ganze Zeit! 

Sie wollte dann richtig hart genommen werden, ich sollte ihr auch meinen Penis tief in den Mund rammen. Darauf stehe ich ohnehin nicht so, aber am schlimmsten war dieses flehende Schreien.

Die ganze Situation war extrem verstörend. Trotzdem habe ich es nicht abgebrochen. Ich dachte: Einfach durchziehen, gleich ist es vorbei. In der Situation selbst habe ich Scham empfunden, jetzt sehe ich es nur noch als ein Erlebnis, das ich lieber nicht gehabt hätte.

Das war natürlich ein sehr außergewöhnlicher Fall. Generell ist schlechter Sex für mich immer dann, wenn die Kommunikation zwischen den Partnern nicht funktioniert. Wenn einer von beiden beispielsweise nicht sagt, was er mag und was nicht. Ich hatte schon ein paar Mal die 'Seestern'-Situation – also dass eine Frau einfach da lag, Arme und Beine von sich gestreckt und sich gar nicht mehr bewegt hat. Das törnt mich sofort ab, weil ich auch gar nicht weiß, ob sie gerade Spaß hat oder nicht."

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„Ich bin viel zu nett und möchte nicht als langweilige Zicke dastehen. “
Nele
Nele, 28:

"Am schlimmsten war es auf meiner Weltreise. Ich muss 21 oder 22 gewesen sein und hatte etwas mit einem Typen aus einem Hostel. Er drückte meinen Kopf einfach nach unten und stopfte mir seinen Schwanz in den Rachen. Das war schrecklich. Seitdem nehme ich den Penis bei einem One-Night-Stand nicht mehr in den Mund. Ein anderer versuchte mich zu würgen. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm egal war, ob es mir gefiel oder nicht. Denn er hörte nicht auf, obwohl ich seine Hand immer wieder von meinem Hals wegzog.

Leider sage ich viel zu selten, was mich stört. Ich bin viel zu nett und möchte nicht als langweilige Zicke dastehen. Auch wenn ich beim Sex immer denke: 'Mensch Nele, du darfst jetzt auf jeden Fall etwas sagen.' Ich weiß nicht warum, aber ich mache es einfach nicht. Deshalb schäme ich mich jedes Mal. Ich sehe mich als emanzipierte und selbstbewusste Frau. Genau deswegen müsste ich eigentlich sagen, was mich stört. Es ärgert mich, dass ich mir in solchen Situationen nicht treu bleibe.    

Ich bin in dieser Situation aber nicht alleine. Meinen Freundinnen geht es ähnlich. Keine sagt sofort: 'Stopp, das will ich nicht.' 

Ob der Sex gut oder schlecht ist, ist für mich schon früh klar. Sobald ich das Gefühl habe, dass er nicht das Individuum Nele in mir sieht, habe ich keine Lust mehr. Wenn einer die Egoschiene fahren und nur rammeln möchte, hat der andere keinen Spaß. Ich vergleiche das immer mit einem Tanzkurs. Wenn einer Cha-Cha-Cha und der andere Rumba tanzen möchte, klappt das nicht. So ist es auch beim Sex."

(Bild: Sarah Diniz Outeiro / Unsplash)
„Als sie sich auszog, gefiel sie mir gar nicht mehr.“
Malte
Malte*, 32:

"Ich erinnere mich vor allem an eine Situation, die sehr unangenehm war. Sie lief etwa so ab: Ich habe das Mädel im Club getroffen und fand sie scharf. Ich wollte mit ihr schlafen und nahm sie mit zu mir. 

Doch als sie sich auszog, gefiel mir ihr Körper gar nicht. 

Das klingt total gemein, aber ich fand sie einfach überhaupt nicht attraktiv. Ihr Körper war leider gar nicht mein Ding. Aber das konnte und wollte ich ihr nicht sagen. Einerseits, weil ich mich nicht durch einen Rückzieher blamieren wollte. Und andererseits, weil ich ihr nicht wehtun wollte. Wie verletzend wäre es denn für sie, so etwas zu hören – und dann auch noch in einem solch intimen Moment! 

Ich habe also einfach weitergemacht und am nächsten Morgen so getan, als ob ich schlafe, bis sie gegangen ist. Nicht besonders nett, aber so war es halt." 

„Als alles vorbei war, musste ich weinen.“
Susanne
Susanne*, 30: 

"Wir haben uns im Urlaub kennengelernt, gingen zusammen tanzen, flirteten und knutschten rum. Als wir ins Hostel zurückkamen sagte er: 'Tanz für mich, so wie im Club'. Ich wollte nicht, doch er hat immer weiter darauf bestanden und irgendwann habe ich es einfach gemacht. 

Aber der Sex danach war genau so: Er hat mich umhergeschmissen und rumgewirbelt. Er hat mich in jede erdenkliche Stellung gezogen und gezerrt und der Akt selbst war ein einziges Rumgestochere. Ich hatte davon gar nichts. Am schlimmsten war, dass auch noch das Kondom geplatzt ist und er nur sagte: 'Oh, ich kann dir aber nicht versprechen, dass ich ganz gesund bin.'

Als alles vorbei war, musste ich weinen, weil ich mich benutzt gefühlt habe – und mich gleichzeitig geschämt habe, dass ich nichts dagegen gesagt habe. Als er mich heulen sah, hat er nur gesagt: 'Sorry, dass ich nicht so ein Playboy bin, wie du dachtest.' Was soll sowas? Diese Geschichte hat mich noch lange beschäftigt. Ich habe einen HIV-Test machen lassen und es war alles in Ordnung. Aber diese Art, damit umzugehen, hat mich sehr schockiert.

Ich glaube, es ist oft das Problem von jungen Mädchen, dass sie beim Sex gefallen wollen. Aber es muss um beide gehen und das habe ich erst später so richtig realisiert." 

In unserer Sex-Kolumne erzählen wechselnde Autoren von ihren Erlebnissen im Bett:
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„Ich konnte es nicht ansprechen, weil ich ihm nicht wehtun wollte.“
Lena
Lena*, 30: 

"Den schlechtesten Sex hatte ich mit 19 Jahren. Es war mit meinem damaligen Freund. Wir waren noch nicht lange zusammen und es war das erste Mal, dass wir miteinander schliefen. Eigentlich hat er auch alles richtig gemacht. 

Es gab nur ein Problem: Er hat extrem geschwitzt. Und damit meine ich nicht die normale Art zu schwitzen. Er war über mir und es lief wie ein Wasserfall von seinem Kopf auf mich herab. Es war so schlimm, dass er sich die ganze Zeit mit einem Handtuch nebenbei abtrocknete. Der Sex hat gefühlt ewig gedauert und ich konnte einfach kein bisschen Lust mehr aufbringen. 

Es war ganz schrecklich – auch wenn er natürlich überhaupt nichts dafür konnte! Aber ich konnte es auch nicht ansprechen, weil ich ihm nicht wehtun wollte. Also habe ich einfach gehofft, dass es bald vorbei ist. 

Danach haben wir uns (aus anderen Gründen) recht bald wieder getrennt, also hatte sich das Thema damit auch wieder erledigt. Erzählt habe ich die Geschichte erst später mal in einer Runde mit Freunden, ohne seinen Namen zu erwähnen."

„Sind wir bei mir, bitte ich sie höflich zu gehen. “
Tim
Tim*, 26:

"Sobald ich merke, dass sie mir etwas vorspielt oder sich nicht fallen lassen kann, habe ich keine Lust mehr. Mir geht es um ein Miteinander. Ich möchte das Gefühl haben, dass sie den Sex genießt und mich geil findet. Wenn das nicht der Fall ist, sage ich klar meine Meinung.     

Vor allem bei One-Night-Stands. Eine spielte mir einen Orgasmus vor, eine andere lag wie ein totes Opossum da. Das krasseste Erlebnis war aber, als eine Frau ihren Strap-On rausholte und mit den Worten 'den schieb ich dir bis zum Anschlag rein' auf mich springen wollte. Das war mir zu viel und ging gar nicht.  

In solchen Situationen beende ich die Begegnung dann sofort, erklärte, dass es so nicht funktioniert, ziehe mich an und fahre nach Hause. Sind wir bei mir, bitte ich sie höflich zu gehen. Das kommt nicht immer gut an. Die meisten sind enttäuscht und verwirrt. Eine ist aber mal total ausgerastet. Sie brüllte die ganze Zeit: 'Du fickst mich jetzt!', und schlug auf mich ein.  

Schlecht geht es mir nach solchen Situationen nicht. Bei One-Night-Stands verspüre ich keinen Leistungsdruck. Ich kann so was gut von meinem Ego trennen. Ganz anders ist es in Beziehungen. Auch da hatte ich schon schlechten Sex. Wenn das dann Thema wird, ist es echt unangenehm, führt aber meistens zu einer besseren Lösung.  

Der Fehler liegt aber natürlich nicht immer bei den Frauen.  

Auch mir wurde in einer Beziehung schon gesagt, dass sie nicht zufrieden sei. Eine Ex-Freundin teilte mir einmal klar mit, was ihr nicht gefiel. Da war ich erst Mal geschockt und verletzt. Keiner hört gerne, dass er schlecht im Bett ist. Mit der Zeit konnte ich aber immer besser damit umgehen und mein männliches Ego runterschlucken. 

Dass man darüber reden sollte, zeigt sich auch in meiner jetzigen Beziehung. Am Anfang hatten wir beide keinen Spaß. Gefühlsmäßig ging es aber über eine Affäre hinaus und ich sprach das Thema schließlich an. Ich hatte einfach das Gefühl, dass sie auch keinen Spaß hatte. Ich konnte die Dinge nicht auf sich beruhen lassen. Ein Glück. Mittlerweile ist der Sex wesentlich besser geworden.   

Mit dieser Vorgehensweise stehe ich in meinem Freundeskreis aber überwiegend alleine da. Den meisten Jungs geht es nur darum, noch krassere und bessere Geschichten auf Lager zu haben."

*Diese Personen heißen eigentlich anders, für diesen Text möchten sie aber lieber anonym bleiben. 


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BKA stuft Hälfte der islamistischen Gefährder als nicht so gefährlich ein

In Deutschland stehen aktuell 720 Personen unter besonderer Beobachtung. Denn ihnen trauen die Sicherheitsbehörden einen Terroranschlag zu. Doch womöglich ist diese Zahl viel zu hoch. Das zeigt ein Analyse-System, das das Bundeskriminalamt (BKA) seit Kurzem einsetzt. 

Demnach soll rund die Hälfte der islamistischen Gefährder doch nicht so gefährlich sein, wie zunächst angenommen. Die andere Hälfte gelte jedoch als hochgefährlich, berichtet der Rechercheverbund aus Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR.