Etwa 30- 50 Mal schon. Warum macht er das?

Ganz wie die Mama, aber die Augen vom Papa? Bei Babys wird gern verglichen, welchem Elternteil sie ähnlicher sehen. Was aber, wenn nur ein Elternteil biologisch mit dem Kind verwandt ist? Dann sind die Kinder vielleicht per Samenspende entstanden. Die Augen könnten dann von Philipp* stammen.

Er besucht regelmäßig eine Samenbank, um sein Sperma abzugeben. Seit zwei Jahren macht er das, insgesamt bereits 30 bis 50 Mal.

Dafür bekommt er nur eine Aufwandsentschädigung – und ganz schön viel Verantwortung. Denn in Deutschland sind Samenspender für die Empfängereltern zwar zunächst anonym. Aber seit 2015 haben Kinder theoretisch ab Geburt das Recht, die Identität des Spenders zu erfahren. (SPIEGEL ONLINE)

Wie funktioniert eine Samenspende?

Potentielle Spender müssen meist zwischen 18 und 40 Jahre alt sein. Wenn sie nicht privat spenden, wenden sie sich an eine Samenbank.

Die Samenbank macht einen Gesundheitscheck mit ihnen. Sie untersuchen familiäre Krankheitsbilder, machen einen Ganzkörpercheck, eine Blutuntersuchung und untersuchen die Qualität des Spermas. Denn nur bei einer bestimmten Spermienzahl übersteht es das einfrieren und auftauen.

Über den Zeitraum von mindestens einem Jahr kommen die Spender etwa alle zwei Wochen zum Spenden. Ein Samenspender bekommt in Deutschland meist weniger als 100 Euro. Sperma für einen Befruchtungsversuch kostet für die Empfänger ab 500 Euro. Das ist von Samenbank zu Samenbank unterschiedlich.

In Philipps Samenbank sind über 1000 Spender registriert. Auch aus dem europäischen Ausland. Dort wird auch ein Persönlichkeitsprofil und ein Audiointerview erstellt. Auf dieser Basis können sich Empfänger für oder gegen Philipps Profil entscheiden

Wer für sein zweites Kind denselben biologischen Vater möchte, kann sich das Sperma reservieren lassen. Kinder, die durch Spende entstanden sind, dürfen die Identität des biologischen Vaters erfahren. Sie haben aber keinen Anspruch auf Unterhalt.

Wir haben Philipp gefragt, wie er damit umgeht – und was seine Freundin dazu sagt.

Warum machst du das?

Ich würde mich selbst als Idealisten beschreiben. Mir ist es wichtig, Dinge zu tun, die ich für richtig und wichtig halte. Ich spende schon andere Dinge: Blut zu Beispiel.

Die konkrete Idee kam, als ich neben dem Studium in einem Kinderheim gearbeitet habe.

Zwei Jahre habe ich dort Kinder allen Alters aufwachsen sehen. Der Jüngste war eineinhalb, die Älteste 16. Ich dachte: Mensch, ich habe zu diesen Kids, mit denen ich nicht verwandt bin und die ich nur ein paarmal die Woche sehe, eine intensivere Beziehung als zu meiner Schwester.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich dachte: Wie groß ist eigentlich diese biologische Komponente? Was bedeutet soziale Vaterschaft im Vergleich zu biologischer?

Ich glaube, dass man ein Kind nicht weniger liebt, nur weil man nicht mit ihm verwandt ist. Und ich dachte: Es ist toll, dass es Spender gibt, die selbstlos Familien ermöglichen.

Dann habe ich mich informiert und den Prozess durchlaufen, den man vor einer Samenspende absolvieren muss.

Wie war dein "erstes Mal"?

Ein bisschen seltsam. Ich hatte mir das so vorgestellt, wie man es aus Filmen kennt: Dass ich da in ein Gebäude gehe, das aussieht wie ein Krankenhaus. Mit schlecht gelaunten Krankenschwestern und Pflegern, die mich in einen Raum schicken, wo so ein paar klebrige Magazine rumliegen. Das ist überhaupt nicht so.

Geht man in den Spenderaum, ist auf der rechten Seite ein kleines Waschbecken. Geradeaus ein Bidet.

Ich glaube, weil Männer unterschiedliche Bedürfnisse haben, sich nach der Samenspende wieder frisch zu machen.

Und dann ist da ein Spiegel: Wofür der da ist, kann man sich vorstellen.

Aber es gibt keine Pornozeitschriften?

Nein, aber auf einem Fernseher laufen Pornos – da war ich richtig überrascht. Weil die Räumlichkeiten alle einen schicken, gepflegten, anständigen Charakter haben. Dann habe ich den Fernseher angemacht, da liefen Schmuddelpornos. Ich fand das merkwürdig und hab den Fernseher beim ersten Mal auch ausgelassen.

Beim nächsten Mal habe ich ihn angemacht. Da muss man aufpassen: Manchmal hat der Spender davor die Lautstärke aufgedreht, das ist dann peinlich. Wenn die das bis ins Labor hören. Und ich mache immer die Fernbedienung hinterher sauber.

Dauert es länger, als zu Hause, bis du kommst?

Ich weiß nicht, ob ich da repräsentativ bin.

Diese Dosen sind etwa so groß wie ein Espressoglas.

Dann soll man seine Samenspende abgeben und denkt: Um Himmels willen, das sieht ja total lächerlich aus, wenn ich fertig bin.

Das hat mich ein bisschen unter Druck gesetzt. Ich dachte: Vielleicht geben andere Männer viel mehr Samen ab, und man kann mit meiner Probe gar nichts anfangen.

Als ich darüber hinweg war, hat es so lange gedauert wie zu Hause auch. Aber es ist nicht schön, sondern funktional. Das macht einen erheblichen Unterschied.

Wie oft hast du das schon gemacht?

Kann ich gar nicht sagen. Zwischen 30 und 50 Mal? Am Anfang wöchentlich. Da ist die Idee, den Vorrat an Sperma aufzustocken. Dann verlängert sich der Abstand. Inzwischen etwa jeden Monat. Da war meine Freundin auch ganz froh. 

Man darf vor so einer Spende ja immer ein paar Tage keinen Sex haben.

Was sagt deine Freundin dazu, dass du das machst?

Ich wollte das früh in der Beziehung ansprechen. Ich habe erklärt, wie es sie beeinflusst: Also dass ich Sexpause machen muss. Und langfristig: Wie für mich die Beziehung zu einem durch Spende entstandenen Kind aussehen würde. Dass ich nur Spender bin, kein Vater. Seitdem war das nie wieder ein Thema.

Ich würde auch nicht mit dem Spenden aufhören, wenn ich selbst Vater würde.

Weißt du, ob schon Kinder durch deine Spende entstanden sind?

Nein. Das erfahre ich vielleicht in zehn Jahren, wenn das Telefon klingelt. Ich weiß gar nicht, ob man erst als volljähriger Mensch seine Herkunft erfahren kann. Und die Eltern gehen unterschiedlich damit um: Manche Kinder erfahren das nie.

Stellst du dir manchmal vor, wie das sein wird?

Ja. Ich hab da schon drüber nachgedacht. Aber nicht so viel, wie ich am Anfang dachte. Ich glaube, das könnte ein unglaublich intensives Gespräch sein, und finde das spannend. Aber ich bin nicht aufgeregt oder auf eine negative Art nervös.

Nicht alle Familien gehen gut mit ihren Kindern um. Als Sozialarbeiter weißt du das ja. Was, wenn so eine Familie mit deiner Spende ein Kind bekommt?

Natürlich wäre es gut, wenn nur Eltern ein Kind kriegen, die auch für sein Wohl sorgen können. Dass sie dem Kind keine Werte vermitteln, die ich nicht selbst vertrete. Aber einen Elternführerschein gibt es zum Glück nicht. Ich kritisiere auch die Auswahlkriterien, die es für die Spenderfamilien gibt.

Der Erhalt einer Samenspende ist zum Beispiel an bestimmte Einkommensgrenzen genüpft. Eltern, die Grundsicherung beziehen, können das nicht in Angriff nehmen.

Ich finde das schwierig, das so pauschal zu sagen: Dass jemand, der arm ist, nicht genügend für ein Kind sorgen kann.

Ich finde, das ist eine seltsame Beschneidung der Rechte derer, die keine Kinder bekommen können. Das stört mich.

Weiß deine Familie, dass du das machst?

Nein. Ein Teil meiner Freunde weiß es. Und meine Freundin.

Es gibt ja nicht viel Geld für eine Samenspende. Ärgert dich das?

Ich bekomme pro Spende  65 Euro. Und wenn sie freigegeben wurde, noch einmal 20 Euro. Ich sehe das nicht als Bezahlung, sondern als Aufwandsentschädigung.

Aber die Samenbank ist ja ein Unternehmen. Die verdienen viel Geld damit.

Ja, die Gewinnspanne zwischen dem, was man als Spender bekommt und dem, was die Samenbank verdient ist ziemlich hoch. Ich würde sagen, dass das die Stellschraube ist, an der gedreht werden müsste, nicht das Geld für die Spender. Also ich würde den Menschen, die das in Anspruch nehmen, sagen: Schließt euch mal zusammen, damit ihr nicht mehr so viel dafür bezahlen müsst.

Willst du selbst mal Kinder?

Jetzt gerade kommt das Thema Kinderkriegen auf. Ich dachte eigentlich, ich bleibe davon verschont: Aber man sieht ja überall welche rumlaufen. Wenn ich selbst Vater werde, möchte ich das tun, weil das Kind Selbstzweck ist. Nicht, weil es mich glücklich macht, oder ich mich als Vater präsentieren will. Oder damit mein Stammbaum noch hundert Jahre weitergeht.

Ich will einen Menschen großziehen, der glücklich ist und gut mit seinen Mitmenschen umgeht.

*Name geändet

bento per WhatsApp oder Telegram



Food

Diese Supermärkte bieten auch krummes Obst und Gemüse an
Bei Kaufland beginnt jetzt ein dreimonatiger Test in Süddeutschland.

Wer sein Obst und Gemüse im Supermarkt kauft, der ist es gewohnt, perfekt geformte Gurken und gerade Karotten in den Einkaufswagen zu legen – Früchte mit optischen Mängeln werden zuvor aussortiert oder von Bauern gar nicht erst an den Handel weitergegeben, weil sie keine Abnehmer finden. 

Bereits jetzt haben einzelne Supermärkte trotzdem krummes Obst und Gemüse im Angebot, die Kette Kaufland will es jetzt auch großflächig verkaufen: Seit vergangenem Montag gibt es daher in vielen süddeutschen Filialen "die etwas Anderen" im Regal – zu einem deutlich günstigeren Preis.

Wo gibt es das krumme Gemüse?

Das Angebot startet testweise in 240 Märkten in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Südhessen und im Saarland. Zunächst soll es Äpfel, Karotten und Kartoffeln geben. Nach "erfolgreicher Testphase" soll das Angebot aber deutschlandweit ausgeweitet werden, schreibt Kaufland in einer Pressemitteilung. Dann sollen auch weitere Obst- und Gemüsesorten mit Schönheitsfehlern verkauft werden. 

Wie sieht es bei anderen Supermärkten aus?

Auch bei Rewe und Penny gibt es krummes Obst und Gemüse – das Angebot soll aber im Januar auslaufen. Im September hatten sich die Ketten dazu entschieden, um Bauern zu unterstützen, die unter der anhaltenden Dürre litten und deshalb weniger Erträge erbrachten. (RP Online)

Bio-Produkte gibt es bereits bei verschiedenen Ketten vermehrt auch mit Schönheitsfehlern, darunter Aldi Nord und Penny – hier sogar ohne Preisnachlass. (GEO)