Wieso alles online machen?

Meine Freundin hatte neulich einen Wunsch. Sie wollte mal was ausprobieren in Sachen Sadomaso.

Okay. Ein Fesselset musste her. Doch diese typischen Sexshops mit halbnackten Mannequins im Schaufenster finde ich peinlich.

Ich erinnerte mich an einen Onlineshop, der in den vergangenen Jahren überall extrem auffällig mit Plakaten geworben hatte. Denen sah man gar nicht an, dass Sexspielzeug für manche Paare was Neues ist, eher wirkten die Bilder angenehm unaufgeregt – als sei es das Schönste und Romantischste der Welt, im Bett ab und zu mal einen knallbunten Apparat anzuwenden.

Mir sagte diese Werbung zu. Umso erfreuter war ich, als ich das Büro der Firma im Hinterhof meines eigenen Büros entdeckte. Was für ein Zufall!

In einer Mittagspause ging ich mal vorbei. Man empfing mich dort zwar freundlich, die Belegschaft war aber auch merklich verwundert.

Mimik: "Äh, was machen Sie denn hier?"

Dies war schließlich kein Geschäft, sondern eben der Sitz eines Onlinehändlers.

Ich machte mir nichts draus und verfolgte zwischen all den arbeitenden Kollegen mein Ziel: mich informieren, was sich am besten eignet für Leute, die mal Sadomaso ausprobieren wollten. Klingt peinlich – in dem Moment dachte ich aber noch, solche Fragen seien diese Mitarbeiter durchaus gewöhnt.

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

"Was suchen Sie denn genau?", kam aus einer Ecke.

Ich wurde etwas kleinlaut. Sollte ich jetzt echt antworten, dass ich mich für Fesseln interessiere? Ich fasste den schnellen Entschluss, mich thematisch langsam hochzuarbeiten – und fragte erst mal nach einem ganz normalen Dildo.

"Ich suche einen Vibrator", flüsterte ich. "Für meine Freundin."

Die Frau aus der Ecke zeigte mir tatsächlich einige Modelle, erklärte mir die Vor- und Nachteile. "Dieser hier hat mehrere Motoren und vibriert in verschiedenen Richtungen."

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In seiner ersten Kolumne beschreibt er, wie lachen uns beim Sex näher bringt. Die ganzen Text lest ihr hier.
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Ich sagte nichts mehr, starrte nur noch fasziniert auf die Auslage. "Oder du nimmst gleich diesen hier, das ist der beste Vibrator den wir haben", sagte die Frau.

Ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte, warum ich eigentlich gekommen war.

"Haben Sie, äh, auch etwas, naja, zum Fesseln da? Für Anfänger?"

Die Augen der Verkäuferin leuchteten.

"Oh ja", rief sie. Und leitete mich wieder zum Kuriositäten-Schrank in der Ecke. Dort stand ein kleines Päckchen, das sie mir mit Augenzwinkern in die Hand drückte: "Viel Spaß."

Ein "Bondage Restraint Set" also. Eine Peitsche, Hand- und Fußfesseln.

Zu Hause angekommen las ich die Online-Bewertungen. Sie waren durchweg positiv. Die einzige Sorge der Kommentatoren: Wird das Paket neutral verpackt? Könne man das Fesselset auch ins Büro liefern lassen? Und: Tut die Peitsche nicht zu sehr weh? Gut zu wissen, dass hier Anfänger wie ich unterwegs sind.

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Meine Freundin und ich saßen vor dem neuen Fesselset und starrten es an wie Höhlenmenschen, die das erste Mal Feuer sehen.

Keiner von uns hatte eine Ahnung, wie man das Spielzeug benutzt.

Ich baute auf. Ein Seil unter die Matratze, daran fixiert man die Fesseln. Meiner Freundin verband ich die Augen mit der mitgelieferten Augenbinde. Dass die stark nach Plastik roch, löste bei ihr einen spontanen Niesanfall aus.

Auf dem Bett legte ich ihr so leidenschaftlich wie möglich die Fesseln an. Die erste machte noch Spaß, aber es waren ja immerhin vier. Das dauerte. Warten ist unsexy.

Als meine Freundin dann endlich gefesselt war, ging es los.

Ich streichelte sie mit dem Puschel der Peitsche, das fand sie nicht schlecht. Dann holte ich ein paar Mal mit der Peitsche aus, ganz leicht. Tat ihr nicht weh – ich fand es albern.

Beim Sex war es dann eher unpraktisch, dass einer gefesselt war. Es machte meine Freundin zu einem unbeweglichen Brett, was uns beiden nicht gefiel. Wir fühlten uns einfach nicht. Ein Stellungswechsel dauerte zehn Minuten: Fesseln ab, Fesseln an... Wir gaben auf und machten ohne weiter.

Uns wurde schnell bewusst, wie wichtig Bedienungsanleitungen sind. Es war, als hätte man uns ein Monopoly-Spiel ohne Regeln hingestellt.

Wir nahmen uns vor, das nächste Mal einen Gang zurückzuschalten, uns besser zu informieren und mit etwas einfacherem zu beginnen. Braucht noch jemand bequem zu tragende Fessel und eine Peitsche, die nicht weh tut?


Streaming

Es gibt jetzt ein feministisches Rating für Kinofilme

Das sogenannte F-Rating hat der Online-Filmdienst IMDb eingeführt. So sollen Filme hervorgehoben werden, die von Frauen produziert wurden oder Frauen in besonderer Weise hervorheben. Konkret muss ein Film für ein F-Rating eine der folgenden drei Kriterien erfüllen:

1. Wurde das Drehbuch von einer Frau geschrieben?

2. Hat eine Frau Regie geführt?

3. Spielt eine Frau die Hauptrolle?

Werden alle drei Fragen bejaht, gibt es ein "Triple F"-Rating. So ist das zum Beispiel bei dem Film "Frozen".