Was ist typisch für einen Jungen? Fußball spielen? Mutig sein? Sich mit Lego und Autos auskennen? Und wenn das so ist, was ist dann typisch für Mädchen? Mit Puppen spielen? Sich schminken? Zöpfe?

Diese Fragen wurden in einem Ethik-Test in einer Grundschule in Sachsen-Anhalt gestellt. Und Kinder, die sie nicht stereotyp beantworteten, bekamen Punktabzug. Das legt ein Foto nahe, dass sich derzeit auf Facebook teilt.

Auf dem Foto ist ein Test zu sehen: Kinder sollten "typische" Mädchensachen rot und die entsprechenden Jungssachen blau umkreisen. 

Ethik Unterricht in einer 4. Klasse in Sachsen-Anhalt. Ich finde das ist skandalös. Geschlechterstereotype nicht zu...

Posted by Sandra Goldschmidt on Mittwoch, 24. Januar 2018


Grundschülern Klischees über Jungen und Mädchen beizubringen, wäre schon fragwürdig genug – der Aufreger im Bild ist jedoch, dass das Wort "mutig" mit rot, der Mädchenfarbe, umkringelt war. Und das als Fehler gewertet wurde.

Die Nutzerin Sandra Goldschmidt hat das Bild geteilt. Gegenüber bento bestätigt sie, es direkt von einer befreundeten Mutter bekommen zu haben. In den Kommentaren postete eine andere Frau ebenfalls einen Test, bei dem es sich um den gleichen handeln soll. Ihr Kind hatte ihn demnach mit heim gebracht. Dort wurde unter anderem als falsch bewertet, dass Mädchen kurze Haare haben können.

Ist das Foto wirklich echt?

Ja. Das bestätigt der Sprecher des Bildungsministeriums von Sachsen-Anhalt, Stefan Thurmann, bento auf Nachfrage. Der Test wurde demnach in einer 4. Klasse in einer Schule im Burgenlandkreis geschrieben. Um die Kollegin zu schützen, will Thurmann die konkrete Schule nicht nennen.

Am Freitag hätten sich Lehrerin, Schulleitung und die Eltern zum Gespräch getroffen und seien sich einig geworden, sagt Thurmann. Die Lehrerin sei sehr engagiert – die Sache sei einfach "nicht ganz rund gelaufen". 

Sandra Goldschmidt, die das Bild auf Facebook gepostet hat, sagt, laut der Mutter habe es sich zunächst um eine Hausaufgabe gehandelt, später wurde die Arbeit bewertet. "Ich finde das ist skandalös", schreibt sie, "Geschlechterstereotype nicht zu diskutieren und analysieren, sondern zu zementieren und dann auch noch mit richtig oder falsch zu bewerten."

Gleichberechtigung gehört in Sachsen-Anhalt zum Lehrplan. Laut dem Lehrplan sollen Viertklässler in der Lage sein "zwischen biologischem und sozialem Geschlecht [zu] unterscheiden" und die unterschiedlichen "Rollenverhalten" von Frauen und Männern wahrnehmen. Gleichzeitig soll die "Gleichstellung von Frau und Mann als Ziel" verstanden werden. 

Laut Thurmann hat die Lehrerin die Aufgabe nicht absichtlich falsch dargestellt, sondern sie lediglich "verkürzt". Anstatt sie in einem Leistungstest unterzubringen, hätte die Aufgabe mit den Schülern gemeinsam diskutiert werden sollen – "denn eigentlich geht es um Selbstreflexion."

Die Frage mit den "typischen" Mädchen und Jungen ist im Lehrmaterial zu finden:
(Bild: Screenshot bento)

 So sollen die Schüler die Eigenschaften grün und blau, statt rot und blau einkreisen. Und in einem zweiten Schritt schauen, ob es Begriffe gibt, die für beide Geschlechter passen. 

Die Ursprungsidee war also: Anstatt Geschlechterklischees zu zementieren, sollten diese hinterfragt werden.

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Weil die AfD eingezogen ist, hat jemand das Grundgesetz im Fahrstuhl aufgehängt
Artikel 3, um genau zu sein.

Alle Menschen sind gleich. Das ist die einfache Aussage von Art. 3 des deutschen Grundgesetztes. Es ist eine Aussage, die sich vor allem an Rassisten wendet. Genauer heißt es:

"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."