Bild: Robert Kugler
Robert Kugler erzählt von seiner Reise mit Bella.

Anfang 2015 erhielt der Amerikaner Robert Kugler die Hiobsbotschaft: Sein Hund Bella würde in drei bis sechs Monaten an Knochenkrebs sterben, sagte der Tierarzt. Auch die Amputation des kranken Beines könne ihr nicht mehr helfen. Doch statt sie einschläfern zu lassen, ließ Kugler Bella operieren und nahm sie mit auf einen Roadtrip durch die Vereinigten Staaten.

Sie besuchten die Niagarafälle, reisten durch Washington, Kentucky, Georgia und Florida. Kugler und Bella wanderten und badeten, schliefen in der Natur oder in ihrem Auto. Nun trotzt die dreibeinige Hündin schon seit 14 Monaten der Diagnose. Viele Medien, auch bento, berichteten über das Duo, Kugler selbst dokumentiert seine Reise auf Instagram. Seine Bilder kommen gut an, mittlerweile hat er knapp 100.000 Fans.

Wir haben mit ihm über die Reise, Bellas Gesundheit und sein nächstes Ziel gesprochen.

Viele Menschen haben uns nach unserem ersten Beitrag angeschrieben und sich beschwert, weil sie meinen, die Reise könne nicht gut für einen kranken Hund sein. Bella solle vor allem Ruhe bekommen, auch weil sie große Schmerzen haben muss. Was sagen Sie dazu?

Wenn wir einfach zu Hause geblieben wären, wäre sie wahrscheinlich schon nicht mehr hier.
Ich kann die Sorge der Menschen verstehen. Aber: Bella bekam die Diagnose, dass sie nur noch drei bis sechs Monaten zu leben habe. Seitdem sind 14 Monate vergangen, fast 15 sogar. Die Tierärzte ermutigen mich inzwischen, weiterzumachen – weil das, was ich tue, offensichtlich wirkt. Wenn wir einfach zu Hause geblieben wären, wäre sie wahrscheinlich schon nicht mehr hier.

Trotzdem mache ich mir natürlich Gedanken und achte darauf, dass sie sich nicht überanstrengt. Ich passe gut auf sie auf und beobachte sie. Sie bekommt viel Ruhe und wir sind oft beim Tierarzt. Sie bringt mir immer meine Autoschlüssel, damit fordert sie mich zur Weiterfahrt auf. Solange sie das tut und ihr Schwanz wedelt, werden wir weiterreisen. Ehrlich gesagt hält sie mich ganz schön auf Trab.

Was war das Schönste, das Sie und Bella gemeinsam erlebt haben?

Eine Stunde lang haben wir nur in die Ferne geschaut.
Die Momente, in denen wir zu zweit wandern oder den Sonnenaufgang angucken. Wir haben auch schon am Meer während des Sonnenaufgangs mit dem Ball gespielt.

Es gibt dieses Bild von uns: Wir sitzen auf der Spitze eines Berges in den Adirondack Mountains auf einer Klippe. Eine Stunde lang haben wir nur in die Ferne geschaut. Sogar ein Nickerchen haben wir da oben gemacht. Mehr Stille und Frieden kann man nicht erleben.
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Sie haben in der US-Armee gedient und wurden verwundet. Ist die Reise nicht nur eine Therapie für Bella, sondern auch für Sie?

Ich habe zuerst viel mit anderen Veteranen gearbeitet und versucht, meine eigenen schlechten Erfahrungen und Erinnerungen dadurch zu verarbeiten. Anderen Veteranen wollte ich so eine Stütze zu sein. Trotzdem hatte ich Probleme, meinen Weg zurück in die Normalität zu finden. Deshalb bin ich aus allen leitenden Positionen in den Veteranen-Organisationen ausgetreten und ging weg, um meine eigene Geschichte zu schreiben. Und ja, das hier ist sie.

Mir ist jetzt vor allem wichtig, mich nicht ablenken zu lassen und ein Leben voller Liebe und Respekt zu führen.

Ist das ständige Reisen nicht teuer?

Meine Kleidung kaufe ich im Sozialladen, als Snacks nehme ich nur Müsliriegel mit.
Naja, ich bekomme eine kleine Rente als Kriegsversehrter, das ist zwar nicht viel, aber es reicht. Außerdem nehme ich hier und da ein wenig Geld ein durch den Verkauf meiner Fotos. Ich bin kein Profi, aber einige Menschen freuen sich über meine Bilder und haben sie an ihre Wand gehängt.

Trotzdem leben wir momentan ein sehr einfaches Leben. Meine Kleidung kaufe ich im Sozialladen, als Snacks nehme ich selbst nur Müsliriegel mit. Aber ganz ehrlich: Ich bin gesegnet mit den besten Freunden auf der ganzen Welt, die mir und Bella oft einen Platz zum Schlafen und ein leckeres Essen anbieten.

Haben Sie Ratschläge für andere Menschen, deren Tiere sterbenskrank sind?

Man sollte sich nicht darauf konzentrieren, das Leben des Tieres so lang wie möglich zu machen, sondern so schön wie möglich. Wir alle kommen, wir alle gehen. Aber nicht viele von uns bekommen wirklich die Chance, ein mutiges und freies Leben zu führen.

Was werden Sie tun, wenn der traurige Tag kommt und Bella von Ihnen geht? Gehen Sie dann einfach zurück zur Arbeit?

Ich glaube, dass ich etwas Gutes für die Welt getan habe.
Das hier ist alles der Beginn von etwas Großem und ich werde auch weiterhin versuchen, irgendwie dem Fluss des Lebens zu folgen. Ich werde oft gefragt, was denn mit meiner Arbeit sei, weil es so scheint, als würde ich überhaupt nichts tun. Aber ich habe alles, was ich im vergangenen Jahr erlebt habe, für ein Magazin aufgeschrieben und dokumentiert. Manche sagen mir sogar nach, ich würde mir niemals eine Auszeit gönnen.

Bezahlung ist eine eigenartige Art, um Arbeit zu definieren. Glauben Sie mir, ich habe fast ununterbrochen gearbeitet. Denn meine Arbeit ist einfach ein Teil meines Lebens. Und es scheint, als hätte sich das ausgezahlt. Zwar nicht durch besonders viel Geld – aber ich glaube, dass ich etwas Gutes für die Welt getan habe.

Also war die Reise mehr als nur eine Auszeit vom Leben?

Das hier ist nicht einfach nur ein "Bucket-List"-Ding, das ich gerne vor meinem Tod noch abgehakt hätte. Mir geht es hier darum, mich selbst kennenzulernen, die Welt zu erkunden, das Leben voll auszukosten und ein Abenteuer zu erleben, das sich zu erzählen lohnt. Und wenn man mit so einer Geschichte ein wenig Licht in die sonst so traurige Nachrichtenlandschaft bringen kann, habe ich da auch nichts dagegen.


Haha

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