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Entscheidet das der Erwachsene oder das Kind?

Auf dem Foto mit eineinhalb Millionen Likes sind zwei Menschen nackt: eine Frau und ein kleines Mädchen. Die Frau kniet vor einer Wanne, in der das Kind gerade badet, es ist nass, und es ist nackt. Die Frau verdeckt ihre freiliegende Brust mit einer Hand – und küsst das Mädchen auf den Mund.

Eine Situation, so intim, dass wir sie hier nicht zeigen möchten.

Es sind Rihanna und ihre Nichte Majesty, die auf dem Bild zu sehen sind, das Rihanna auf Instagram hochgeladen hat.

Seit ihrer Geburt vor zwei Jahren taucht Majesty immer mal wieder in Rihannas Account auf. Was die Bilder zeigen: Rihanna und Majesty beim Nägellackieren, Autofahren, Shoppen, bei Filmpremieren. Irgendjemand hat Majesty auch schon einen eigenen Account gebastelt, majesty_fenty, der jedes Foto von ihr sammelt.

Rihanna und ihre Nichte auf Instagram – wie viel Kind ist noch normal? Zum Klicken:
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Dass Erwachsene ein Kind vor die Kamera schieben, um die Likes anzukurbeln, ist nichts Neues, jeder kennt die Beckhams oder Kardashians dieser Welt. Die Diskussion darüber, dass große Menschen für die Kleinen entscheiden, was man von ihnen im Internet sieht, gibt es seit einiger Zeit.

Im September verklagte eine Frau aus Österreich ihre Eltern, weil diese während ihrer Kindheit Fotos von ihr auf Facebook zeigten (Deutsche Welle). Vor einigen Monaten mahnte die Polizei Hagen Mütter und Väter auf Facebook: "Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co. zu posten!"

Diese Fotos seien dem Kind in ein paar Jahren "endlos peinlich", es werde irgendwann damit gemobbt oder "pädophil veranlagte Menschen veröffentlichen sie an anderer Stelle".

August 2014: Beyoncé, Jay-Z – und Blue Ivy(Bild: Getty Images)
Eine bedrohliche Vorstellung, und trotzdem: Kinderbilder kommen im Netz gut an.

Kim Kardashian zeigt ihre Kinder auf Snapchat, mal mit gerade gekämmtem Haar, mal kurz nach dem Anziehen. Beyoncé präsentiert ihre Tochter auf Instagram beim Spazierengehen mit Hund, beim Urlauben in Paris. Die Bloggerin Naomi Davis nimmt ihre Follower mit bis in die Schlafecke ihrer Kinder – besonders, wenn der kleine Conrad nur mit einer Windel bekleidet ist, gibt es viele Herzen.

Februar 2014: Kim, Kanye – und North(Bild: Getty Images)

Deutsche Bloggerinnen wie Nike van Dinther laden auf Instragram ebenfalls an den heimischen Küchentisch ein, ganz nah ran darf der Follower an den Gesichtsausdruck des eigenen Kindes. So lässt sich van Dinthers Sohn Lio beim Essen, beim innigen Schmusen mit der Mutter und beim Baden im Planschbecken betrachten.

Wem gehört dieser Moment – wem vermacht man diesen Moment? Wessen Erlaubnis zählt, wenn es darum geht, ein Bild der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Auf all den Eltern-Kinder-Fotos ist dasselbe zu sehen: Meistens Mütter, manchmal auch Väter, posen mit ihren Kindern oder lassen ihre Kinder alleine posen. Alltagssituationen zum Durchklicken – und innige Momente, die man im ganz Privaten einer Familie verorten würde. Kuscheln. Streicheln. Wickeln. Wiegen.

Und, auch das ist immer dasselbe: Vermutlich weiß das Kind nie, dass sein Bild in die Timelines zigtausender Fremder gespült wird. Dass jetzt jeder weiß, wie es aussieht, wenn es eine Möhre mümmelt, am Schnulli kaut oder eine neue Strickmütze ausführt.

Dezember 2015: Rihanna – und Majesty(Bild: Getty Images)
Sollte das Netz ein kinderfreier Raum sein – oder sollte es nur Bilder von Kindern geben, die keine Intimimät zeigen? Und wer entscheidet das?

Mit ihrem aktuellen Babybild geht Rihanna noch ein Stück weiter: Jetzt ist es offenbar auch stylish, nackte Kinder zu zeigen.

Wer dieses Foto sehen kann: Fans. Studenten. Mütter. Opas. Cousinen. Berufstätige. Einsame. Feministen. Kapitalisten. Genervte. Laute. Leise. Jeder.

Rihanna kann sich freuen. Über die Likes, über den Kuss, der nicht nur ihr gefällt, sondern der auch viele andere entzückt. Und vielleicht auch über die vielen lieben Kommentare neben dem Foto.


Mehr als 12.000 Menschen haben was dazu sagen. Darunter auch dieser: "Rih, das Mädchen wird vielleicht sauer auf dich, wenn sie sieht, dass du den Leuten zeigst, wie sie nackt aussieht. Respektier das Kind doch, bitte!!!"


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Mannequin-Challenge: Warum plötzlich alle zu Puppen mutieren
Endlich mal wieder ein neuer Internet-Hype!

Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man sich durch die Timelines scrollt. Da tauchen plötzlich lauter Videos auf, in denen Menschen einen auf reglose Schaufensterpuppe machen.

Der "Schaufensterpuppen-Wettbewerb" kommt aus den USA. Genauer: aus den Highschools Floridas, wo uns Schüler und Sportteams zeigen, dass man mit Standbildern alles Cooleres anstellen kann.