Bild: Screenshots & Montage: bento
Schminke für 3 Uhr morgens?

Millionen Muslime aus aller Welt begehen gerade den Fastenmonat Ramadan. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dürfen sie nichts essen und trinken, das gilt als Zeichen innerer Einkehr.

In vielen arabischen Ländern ist der Ramadan aber dennoch kein besinnlicher Monat – vielmehr treffen sich junge Muslime zu Partys, im Fernsehen laufen neue, aufwendig produzierte Serien und es gibt jede Menge Geschenke für die Kinder.

Die Kosmetikfirma MAC wolle nun vom Ramadan-Business ein bisschen profitieren –  was deutlich schief ging.

Der typische Tagesablauf im Ramadan sieht bei fastenden Muslimen ungefähr so aus: Vor Sonnenaufgang wird beim Sahūr, im Englischen Suhoor genannt, um etwa 3 Uhr morgens eine Mahlzeit zu sich genommen, anschließend wird dann über den Tag komplett auf Essen und Trinken verzichtet. Erst nach Sonnenaufgang beim Iftar wird das Fasten gebrochen.

Und was sollte beim Sahūr um 3 Uhr morgens vor der ersten Schale Müsli am besten sitzen? Na, das perfekte Glamour-Make-up natürlich! Das zumindest dachte sich der Make-Up-Konzern M.A.C, als er ein Tutorial mit der Beschreibung "Get ready for a glamorous Suhoor look in a few easy steps!" postete.

Auf Instagram teilte MAC das Schmink-Tutorial, mit dem Muslima lernen können, wie sie zu Sahur richtig "glamourös" Make-up auftragen können. Um schlaftrunken besonders gut geschminkt ihr Müsli zu löffeln. 

So sieht das Tutorial aus:

Klar, dass es nicht lange dauerte, bis sich im Netz die ersten Muslime lustig machten. 

Viele teilen ihre Witze unter dem Hashtag MySuhoorLook – also "Mein Sahur-Aussehen". Manche machen sich einfach darüber lustig, dass man angeblich "glamouröses Make-up" braucht, um in Jogginghosen am Frühstückstisch zu sitzen. Andere regten sich aber auch auf, wieso ein Fastenmonat mit Schminke in Verbindung gebracht wird. 

Und einige zeigten einfach nur Selfies, auf denen sie aussehen, wie man morgens um 3 Uhr ohne Essen halt aussieht: ziemlich fertig.

So veralbern Muslime die missglückte Schmink-Kampagne:

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Allerdings gibt es auch Muslima und Muslime, die das Kosmetikunternehmen in Schutz nehmen – und darauf hinweisen, dass es tatsächlich Gläubige gibt, die morgens um 3 Uhr ausgehen.

In den reichen Golf-Staaten nämlich.

Eigentlich ist es zum Iftar, also dem Fastenbrechen am Abend, seit Jahrhunderten üblich, sich mit Familie und Freunden zu treffen. Oft bieten auch Moscheen Speisen für arme an, viele decken Tische einfach auf der Straße.

Vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist es in den vergangenen Jahren aber ebenfalls üblich geworden, sich auch nachts zu treffen – also zum Sahur. Das sind zum Teil sehr exklusive Partys für reiche Golf-Araber – und natürlich kommen die auch morgens top gestylt:

Estée Lauder, die Firma hinter MAC, hat sich bisher nicht öffentlich zum Sahur-Video geäußert – aber es offenbar auf YouTube entfernt (CNN).

Der Branchendienst Marketing Interactive hat allerdings andere Firmen zu ihrer Werbestrategie an Ramadan befragt. 

Das Ergebnis: Viele versuchen, den Fastenmonat für besondere Aktionen zu nutzen. Aber da Muslime überall auf der Welt leben, gelingt das nicht immer. Junge Frauen in Indonesien interessieren sich für ganz andere Dinge als Mütter aus Marokko, Muslime in Europa oder den USA reagieren auf andere Werbeinhalte als jene in Saudi-Arabien oder Ägypten. 

Das bringt Probleme mit sich. Amit Sutha, Vorstandschef einer großen Werbefirma für den asiatischen Raum, sagt zum Beispiel:

Am Ende des Tages gibt es nicht die eine 'Passt auf alles'-Medienstrategie. Hauptsache, man richtet sich nach dem Produkt.

Da im Ramadan viele muslimische Familien beim Essen zusammensäßen, sei eine Werbung, die sich mit diesem Essen beschäftigt, naheliegend, sagt Sutha. 

Und dann ist es auch egal, ob es um Schminktipps fürs Frühstück geht.

Am Ende hat die Aufregung vielleicht sogar geholfen: Ohne die Memes vieler amüsierter Muslime wäre die Werbung kaum jemandem aufgefallen.


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