Bild: ​Hatice Kahraman
Wie es sich für mich anfühlt, das Ende des Ramadans zu feiern

Heute ist es endlich so weit: Das große Ramadan-Fest steht an. 29 Tage Fasten sind geschafft! 

Heute füllt sich unser ganzes Wohnzimmer mit Verwandten und Freunden, alle reden durcheinander, die Kinder spielen und die Erwachsenen erzählen Witze, es wird gelacht und vor allem gegessen. Sonst schaffen wir es nie, alle zusammenzusitzen. 

Heute schon. Denn ab heute jetzt essen und trinken wir wieder normal. Und das wird gebührend gefeiert: Drei Tage voller Besuch, Süßigkeiten und Geschenke!

Auf diesen Tag freue ich mich schon das ganze Jahr. Weil meine ganze Familie sich sieht oder wenigstens hört. 

Es gibt so viel Tolles am Ende des Ramadans:  

1 Mit meiner Familie frühstücken

Nach einem Monat Fasten freue ich mich vor allem auf eins: das große Frühstück mit der Familie. Wir versammeln uns jedes Jahr bei meinen Eltern zu Hause, essen gemeinsam und trinken anschließend türkischen Schwarztee. Das Frühstück beginnt bei uns schon sehr früh, meistens kurz nach dem Fest-Gebet.

Das Fest-Gebet selbst, in der Moschee, ist meist so voll, dass die Menschen schon in den Höfen der Gebäude beten. Zu keiner anderen Zeit ist eine Moschee so voll wie an muslimischen Festen.

2 Süßigkeiten – den ganzen Tag!

Zuckersüß, mit Walnüssen gefüllt und knusprig: Nichts schlägt den Geschmack von hausgemachtem Baklava meiner Mutter! Leider hat sie selten Lust auf den ganzen Aufwand, deshalb gibt es Baklava bei uns immer nur zu ganz besonderen Anlässen – zum Beispiel heute. Der Nachteil: Baklava ist eine richtige Kalorienbombe.

Nach den drei Tagen zeigt die Waage gern ein paar Kilos mehr an

Aber das ist noch nicht alles: Schon Tage zuvor kaufen meine Eltern haufenweise Süßigkeiten, die den Nachbarn, Bekannten und Verwandten geschenkt werden. In meiner Familie ist es üblich, dass die Jüngeren eine riesige Geschenktüte voll mit Süßigkeiten bekommen, in der meist auch ein wenig Geld steckt.

3 Wir stylen uns auf

Am Ramadan-Fest ziehen wir uns schick an. Es muss nichts Neues sein, aber zumindest etwas, das man nicht jeden Tag anzieht. Ich habe mir dieses Jahr extra ein blaues Maxikleid gekauft, mit vielen Stickereien. Meistens verbringen wir den Tag damit, unsere Verwandten oder Bekannten zu besuchen. Die Tradition: Die jüngeren Familienmitglieder besuchen die Älteren. Meine Großeltern verbringen dieses Jahr den Sommer in der Türkei, also kommen meine Tanten und Onkel zu uns, weil meine Mutter die Älteste ist. 

4 Alle beglückwünschen sich

Das Ramadan-Fest ist nicht wirklich bekannt dafür, dass es haufenweise Geschenke gibt. In meiner Familie gibt es dennoch einige – oft sind das nur Kleinigkeiten, Bücher oder Blumen. Meine Mutter schreibt ihren Kindern jedes Jahr liebe Worte auf Postkarten, in denen meistens auch etwas Geld steckt. 

Was ich sehr mag: die Glückwünsche. Zum Fest wünschen wir jedem "Eid mubarek" auf Arabisch oder "Bayraminiz kutlu olsun" auf Türkisch – egal, ob auf Whatsapp oder Facebook. Da ein Teil meiner Familie in der Türkei lebt, rufen wir schon morgens die Verwandtschaft an, angefangen bei den Großeltern, und dann die restlichen Familienmitglieder.

Hier erzählen junge Muslime, warum sie fasten:

Das waren nur Auszüge. Du willst mehr lesen? Hier findest du die vollständigen Protokolle.
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5 Wir freuen uns aufs kommende Jahr

Fasten kann schwierig sein – besonders nicht im Hochsommer. Ich freue mich trotzdem jedes Jahr aufs nächste Mal. Es geht beim Ramadan ja nicht nur ums Hungern. Der Fastenmonat kann sehr spirituell sein, ich bete häufiger, verbringe mehr Zeit mit der Familie und gehe häufiger in die Moschee. 

Das Fest ist deswegen vor allem eins für mich: das größte Familienevent des Jahres. In keiner anderen Zeit kommt die Familie so intensiv zusammen. Und: In keiner anderen Zeit isst man soviel wie an diesen Tag.


Food

Nimm mein Geschlecht aus meinem Essen!
Auch Männer essen Tofu.

Ein Burgerladen irgendwo in Hamburg, ich bin mit einer Freundin dort essen. Sie bestellt einen Cheeseburger mit Pommes, ich das vegetarische Pendant, Pilz statt Patty. Einige Minuten später bringt der Kellner, bei dem wir auch bestellt haben, unser Essen. 

Wie selbstverständlich stellt er den Fleischburger bei mir ab, den vegetarischen bei ihr. Wir warten bis der Kellner wieder weg ist und tauschen dann augenrollend unsere Teller. 

So etwas passiert mir ständig. 

Wenn ich mit meiner Schwester ein Bier trinke, bekommt sie das kleine und ich das große – obwohl andersrum bestellt. In großer Runde bekommen die Frauen den Sekt und die Limo und die Kerle das Bier – ohne Nachfrage. Dabei ist es meiner Erfahrung nach egal, ob Kellner oder Kellnerinnen Essen und Getränke bringen. 

Auch dem Ernährungspsychologe Christoph Klotter kommt das bekannt vor, mit seiner Frau hat er kürzlich eine ähnliche Situation erlebt. "Da ich dies antizipiert hatte, konnte ich nur darüber lachen", sagt er. 

"Essen ist eine Plattform der Geschlechtszuschreibung, wie primitiv das auch sein mag", sagt Klotter. 

Kerle essen Fleisch und Frauen einen Salat mit fettarmem Dressing. 

Man könnte jetzt sagen: Ist doch nicht schlimm, einfach kurz die Teller oder die Gläser zu tauschen. Die Erfahrungen zeigen aber, wie selbstverständlich Geschlechterklischees sogar in so banalen Dingen wie Ernährung immer noch verbreitet sind. 

Das zeigt sich nicht nur in falsch servierten Gerichten. Menschen müssen sich dafür rechtfertigen, wenn sie dem Klischee nicht entsprechen. 

  • In meiner Jugend haben sich in der Basketballmannschaft einige immer über den Mitspieler lustig gemacht, der nach dem Spiel im Fast-Food-Restaurant einen Salat bestellt hat. 
  • Ein Schulfreund von mir trank in unserer Stammkneipe am liebsten Aperol Spritz – und musste sich dafür jedes Mal einen blöden Spruch von der Kellnerin anhören. 
  • Noch schlimmer war nur, als ein anderer Freund sich mal einen Tee bestellte. Tee ohne Schnaps! Als Mensch mit Penis! Es folgte eine entgeisterte, zu laute Nachfrage a la "Was willst du? Einen Tee?!?" und Gelächter der Kellnerin.