Unsere Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet.

Katharina, 31, fragt:

Ich bin ziemlich niedergeschlagen. Ich komme gerade von meinem dritten Arzttermin diese Woche. Es ging darum, dass ich ständig starke Magenschmerzen habe – alle Ärzte sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass körperlich alles in Ordnung ist. Stattdessen könnte es etwas Psychisches sein. 

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Für mich kommt das nicht überraschend, weil ich psychisch viel Stress hatte in der vergangenen Zeit. Meine Eltern haben sich nach langer Ehe getrennt, und obwohl ich schon über 30 bin, ging mir das wahnsinnig nah. Hinzu kommt, dass ich selbst kleinere, alltäglichere Sorgen sehr ernst nehme.

Wenn ich mitbekomme, dass auf der Arbeit jemand über mich redet, ist die Woche gelaufen. Als eine Freundin neulich eine lang ersehnte Verabredung absagte, war ich tagelang traurig. Als mein bester Freund erfuhr, dass er Vater wird, war ich nur enttäuscht: Jetzt werden wir wohl bald weniger miteinander zu tun haben.

In all diesen Situationen habe ich Magenkrämpfe – und die sind manchmal so stark, dass ich sie noch spüre, wenn das eigentliche Problem schon längst behoben ist. 

Ich habe also mehrere Baustellen: Ich bin ständig traurig und lasse vieles zu nah ran. Aber vor allem reagiert mein Körper darauf offenbar mit Bauchweh. Kann ich ihm das abtrainieren?

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Katharina,

bei körperlichen Beschwerden ist es oft nicht so einfach zu unterscheiden, ob es sich um ein organisches Problem handelt oder die Ursache psychischer Natur (also ein psychosomatisches Symptom) ist.

Daher war es völlig richtig, dass du deine Magenschmerzen zunächst einmal ärztlich abgeklärt hast. Du hast ja selbst schon sehr gut beobachtet, dass deine Bauchschmerzen immer auftreten, wenn du traurig oder enttäuscht bist, also dir etwas sprichwörtlich auf den Magen geschlagen hat. 

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Auch Situationen, mit denen du nicht gut umgehen kannst, die für dich also schwer zu verdauen sind, gehen mit Bauchschmerzen einher. Es ist zunächst einmal wichtig zu wissen, dass emotionale Zustände immer auch eine körperlichen Reaktion beinhalten.

Wie genau und wie stark der Körper reagiert, ist individuell unterschiedlich, doch meist hat man gewisse Schwachstellen, die bei emotionaler Belastung Signale senden, oder auch, wie in deinem Fall, deutlich überreagieren.

Ich denke, um eine Verbesserung deiner Beschwerden zu erreichen, ist es wichtig, dass du eine annehmende, wohlwollende Haltung gegenüber deinem Magen entwickelst, schließlich warnt er dich ja sehr zuverlässig in schwierigen Situationen.

Nur macht er seinen Job eben etwas zu engagiert. Gerade weil er so sensibel ist, musst du dich besonders gut um ihn kümmern. 

Stell dir einmal vor, dein Magen könnte sprechen – was würde er sagen?
Kathrin Hoffmann

Wieso ist er oft so sehr in Aufruhr?

Wie könntest du ihn beruhigen? Was könnte ihm helfen, gelassener zu bleiben?

Wie könntet ihr gut kooperieren? Welche Haltung müsstest du entwickeln, um besser mit schwierigen Situationen umzugehen?

Im Alltag ist es wichtig, dass du deine körperlichen Signale frühzeitig erkennst und dann bewusst Dinge tust, die dir guttun. Das kann irgendeine Form von Entspannung sein, ein Gespräch mit einer guten Freundin, Musik hören, in die Natur gehen, tanzen...

Natürlich ist es aber auch wichtig, dass du deine Gefühle der Trauer oder Enttäuschung nicht wegschiebst oder in dich hineinfrisst, sondern die Gefühle da sein lässt und offen damit umgehst.
Kathrin Hoffmann

Dann fällt es letztendlich leichter, sie zum gegebenen Zeitpunkt auch wieder loszulassen.

Ich würde dir in jedem Fall empfehlen, ein Entspannungsverfahren zu lernen, zum Beispiel Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Qi Gong, Yoga oder Meditation. Dabei lernst du auch, deine Atmung zu regulieren und zu vertiefen, was bei Magenbeschwerden (und zur Gefühlsregulation im Allgemeinen) auch sehr hilfreich sein kann.

Scheue dich bitte nicht davor, eine psychologische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Dort kannst du lernen, deine Beschwerden noch besser zu verstehen und vor allem auf eine hilfreiche Art und Weise damit umzugehen. 

Es gibt neben ambulanter Psychotherapie auch psychosomatische Tageskliniken, die ein sehr ganzheitliches Therapieprogramm anbieten. Um eine Therapie in Anspruch nehmen zu können, braucht es aber zunächst eine genaue psychologische Diagnostik und Beratung bzgl. der passenden Therapieform.

Bei der krankenkassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes kannst du entweder online die Therapeuten-Suche oder die telefonische Vermittlung nutzen.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin  


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