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Tausende Frauen in Deutschland verkaufen ihren Körper, manche nehmen 700 Euro für zwei Stunden, andere 38,50 Euro für 30 Minuten. In dieser Zeit erfüllen sie die Wünsche ihrer Kunden, manche Frauen tun das gern und freiwillig (bento), andere, weil jemand sie zwingt. Weil sie abhängig sind von Drogen oder einem Mann (bento). Weil sie sich nicht anders zu helfen wissen.

Im vergangenen Jahr ist in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Prostituierte besser schützen soll. Damals haben Politiker, Wissenschaftler, Sozialarbeiter, Psychologen, Aktivisten viel darüber diskutiert. Eine Frage war unter anderem, ob man Sexarbeit nicht lieber ganz verbieten sollte, so wie in Schweden

Fast immer geht es dabei um die Situation der Prostituierten. Aber was wissen wir eigentlich über die Männer, die die Frauen aufsuchen? Ohne Freier gäbe es schließlich keinen Markt.

Warum gehen Männer zu Prostitutierten? Wie erleben sie ihren Besuch im Bordell? Wie beeinflusst das ihr Sexleben – und ihre Beziehung? Wie gehen sie damit um, dass Frauen zur Sexarbeit gezwungen werden? 

Drei Feier geben Antworten.

Hier kannst du lesen, wie der Sexmarkt funktioniert:

Das macht definitiv Laune.
Der Stammkunde
Sascha*, 27, macht gerade seinen Master und ist Single.   

Wie oft: ein- bis zweimal im Monat

Wo: Über Internetseiten und dann in den Wohnungen der Frauen.

Kosten: 150 Euro pro Treffen   

Das erste Mal war ich mit 17 bei einer Prostituierten. Ich bin in Hamburg aufgewachsen. Da ist der Gang durch die Herbertstraße und durch Laufhäuser ganz normal. Das gehört zum Feiern dazu. Irgendwann habe ich mich getraut. Das war noch richtig dreckig. Es ist nicht gerade schön, wenn dir auf dem Weg zu einer Nummer alte Säcke auf der Treppe begegnen.  

Ich bin schnell im Internet gelandet. Da kannst du dir die Mädchen mit Fotos und Steckbrief entspannt zu Hause angucken und anrufen. Ich weiß dann, was die anbieten, treffe mich mit denen und schon geht die Post ab. Da bekomme ich alles, was ich will. Blasen, Analsex, Prostatamassage, besser geht es nicht. Das ist Perfektion in jeder Hinsicht. Da kommen die Frauen, die sonst so kennenlerne, nicht ran.  

Hier erzählt eine Prostituierte, wie sie ihre Arbeit erlebt:

Dass die Frauen nicht freiwillig mit mir schlafen, blende ich aus. Auf dem Kiez war viel Show dabei. Aber über die Internetseite bin ich bei Frauen gelandet, die auch Bock darauf haben. Zumindest spielen sie ihre Rolle sehr gut. Ist aber eigentlich egal. Ich zahle dafür, muss nicht um den heißen Brei herumreden und bekomme was ich will. 

Danach sitze ich in der U-Bahn, schaue mir die gestressten Hampelmänner um mich herum an und lache mich fast tot. Es geht mir nach so einer Session einfach gut. 

Klar, manchmal kommen Gewissensbisse und ich frage mich, was ich da eigentlich mache. Aber mit den Jahren bin ich da definitiv abgestumpft und gehe nur zu Treffen, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie auch etwas davon hat.  

“Dass die Frauen nicht freiwillig mit mir schlafen, blende ich aus.“(Bild: Getty Images)

Manchmal bekomme ich die Auswirkungen meiner Exzesse schon zu spüren. Wenn ich mit Frauen schlafe, die ich einfach so kennengelernt habe, bin ich schnell genervt. Ich will schon direkt in die Vollen gehen. Ich weiß einfach, wie ich es brauche. Nur können die Mädels das oft nicht liefern. 

Bei One-Night-Stands bekomme ich selten heftigen Analsex. Bis ich die Frauen soweit habe, dauert das eine ganze Weile. Bei Prostituierten kann ich dagegen direkt zur Sache kommen. Das macht definitiv Laune.  

So ist es Heiligabend im Bordell:

Mir ist es einfach lieber, wenn der Sex sehr zwanglos abläuft.
Der Gelegenheits-Freier  
Tobias*, Anfang 30, arbeitet im Vertrieb und ist vergeben.  

Wie oft: Bisher 10- bis 20-mal.

Wo: In FKK-Sauna-Klubs

Kosten: 50 Euro Eintritt plus den Service der Frauen    

Ich bin ich bei solchen Vorhaben immer in Männergruppen unterwegs. Meistens mit Kunden oder Kollegen von der Arbeit. Da stößt man auf einen erfolgreichen Abschluss an und kommt noch auf die Idee, gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen.  

Wir fahren dann raus aus der Stadt, zu sogenannten FKK-Clubs. Da trinkt man erst mal was, entspannt, schläft mit einer attraktiven Frau, macht danach ein bisschen Wellness und vielleicht noch eine zweite Runde

Ich mag es aber nicht, wenn alles vorher ganz klar abgemacht wird. Lieber zahle ich danach den entsprechenden Preis. Mir gefällt es besser, wenn der Sex sehr zwanglos abläuft. Sobald ich das Gefühl habe, die Frau hat gar keinen Spaß und spielt mir etwas vor, wird das Ding schlapp. Ich muss das Gefühl haben, dass sie aus tiefster Überzeugung und mit mir schlafen möchte.  

Beide Extreme sind mir tatsächlich schon begegnet. Einmal hatten wir beide viel Spaß. Das ist aber sehr, sehr selten der Fall. Doch wenn das funktioniert, ist es schon ein spezielles Erlebnis. Diese einzigartige Kunde-Verkäufer-Beziehung macht für mich letztendlich den Reiz aus. Wo sonst kann ich als Kunde mit dem Verkäufer in so eine intensive Beziehung treten und von mir als Käufer positiv überzeugen?  

Hier erzählt eine Frau, wie sie in dem Milieu gelandet ist:

Dass es sich hier um eine schwierige Situation für die Frauen handeln könnte, blende ich aus. Wenn nur eine von den Frauen in solchen Clubs zum Sex gezwungen wird, ist das natürlich eine zu viel. Aber um noch in den Spiegel gucken zu können, versuche ich, nicht darüber nachzudenken. 

Seit ich in einer Beziehung bin, gehe ich da sowieso nicht mehr hin. Echter Sex macht immer noch am meisten Spaß. Bei Prostituierten ist nur der Körper befriedigt.    

Das erste Mal war ein richtiger Flopp.
Der Einmal-Freier  
Moritz*, 27, studiert in Münster und ist Single.  

Wie oft: Einmal

Wo: Paradise in Süddeutschland/Stuttgart

Kosten: Wurde eingeladen    

Ich hatte nicht mit dem Besuch gerechnet. Ein Freund schuldete mir noch einen Gefallen und lud mich ein. Erst als ich den Bademantel in der Hand hatte, wurde mir bewusst, wo wir waren. Da saß ich dann und war extrem aufgeregt.  

Ich habe an diesem Tag mit zwei Frauen geschlafen und zwei völlig unterschiedliche Situationen erlebt. Das erste Mal war ein richtiger Flopp. Eigentlich sucht der Mann sich seine Frau für den speziellen Moment selbst aus. Dann kommt man ins Gespräch und geht mit ihr auf ein Zimmer. 

In meinem Fall übernahm die erste Prostituierte definitiv die Führung. Sie überredete mich, mit ihr Sex zu haben und ich ging mit. Richtig geil fand ich sie aber nicht. Entsprechend fiel auch das Ergebnis aus. Mir gefiel der Sex überhaupt nicht. Für sie war es ein Job und ich hatte keinen Spaß. Danach fühlte ich mich sehr schmutzig und unwohl.  

Das zweite Mal war ganz anders. Nachdem ich mich von meiner sehr verstörenden Erfahrung erholt hatte, kam ich mit einer anderen Frau ins Gespräch. Wir unterhielten uns zwei volle Stunden lang. Die Stimmung war sehr locker und offen und so auch der Sex. Zeit oder Kosten spielte keine Rolle. Es war großartig und hätte auch bei mir zu Hause passieren können. Ich vergaß für den Moment völlig, wo wir gerade waren.  

Mit diesen Gefühlen denke ich auch daran zurück. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Frauen dort zu etwas gezwungen wurden. Ich kann zwar nicht hinter die Kulissen schauen, aber das Etablissement ist wirklich sehr exklusiv. Gutes Essen, tolle Drinks, alles sehr sauber und auf höchstem Niveau

Trotzdem: Von selbst würde ich nicht noch mal hingehen. Auch wenn es einen sauberen Eindruck machte, ich finde Prostitution und das Gewerbe immer noch mehr als fragwürdig. 

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