Bild: Steven Van Loy/Unsplash
Sagen zumindest Psychologen – drei Fragen, drei Antworten

Die Geburt eines Kindes ist für viele Eltern, das schönste Geschenk, das man ihnen machen kann. Bekannt ist aber auch, dass manche Mütter nach der Entbindung in tiefe Depressionen stürzen. Das nennt sich postnatale Depression.

US-Psychologen warnen nun: Väter können ähnlich häufig von postnataler Depression betroffen sein wie Mütter. 

"Es wurde viel geschrieben über die Erfahrungen von Frauen mit Schwangerschaft und der Zeit nach der Geburt, hauptsächlich über negative Reaktionen, von klinischer Depression bis hin zu postnataler Psychose", sagte Dan Singley vom Center for Men's Excellence in San Diego. "Aber die Vorfallsrate von Depression ist bei neuen Müttern und Vätern vergleichbar." 

Postnatale Depression könne also nicht länger nur als "pathologische Variante weiblicher Reproduktionsprozesse angesehen werden."

Wie viele Eltern sind von postnataler Depression betroffen?

Singley sagte bei einer Tagung der "American Psychological Association" (APA), dass etwa zehn Prozent neuer Väter Erfahrung mit postnataler Depression machen. 18 Prozent erlitten demnach eine Angststörung. Bei Frauen seien diese Werte ähnlich, so Sara Rosenquist vom Center for Reproductive Health Psychology. 

Eine Studie aus dem Jahr 2006 war auch zu solchen Ergebnissen gekommen: Demnach litten 14 Prozent der Mütter unter postnataler Depression, bei neuen Vätern waren es zehn Prozent. 

Was sind die Ursachen postnataler Depression bei Männern?

Erklärungen für die psychische Erkrankung gibt es verschiedene: Aus Studien wisse man, dass enger Kontakt mit einer schwangeren Partnerin hormonelle Veränderungen verursachen könne, die bei manchen Männern die väterlichen Instinkte verstärkten und beschleunigten, so Rosenquist. 

Bei manchen Männern stiegen auch die Level von Prolaktin – dem Hormon, welches für die Milchproduktion bei Frauen verantwortlich ist, ebenso käme es zum Sinken des Testosteronspiegels

Hormone seien aber nicht alles: Schlafmangel wird von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als wesentlicher Faktor hervorgehoben. 

Was fordern die Wissenschaftler?

Ein Umdenken. Rosenquist und Singley empfehlen standardmäßige Untersuchungen von neuen und werdenden Väter auf Anzeichen von Depressionen, insbesondere wenn die einer der werdenen Eltern eine Vergangenheit mit psychischen Problemen hatte.

Die Depression bei Männern zu erkennen, könne allerdings eine Herausforderung sein, weil die Symptome bei ihnen andere seien als bei Frauen, sagte Rosenquist. Frauen berichteten beispielsweise eher von offensichtlichen Symptomen – wie Traurigkeit und regelmäßigem Weinen – als Männer.

Um postnatale Depression bei Vätern zu vermeiden, könne es auch helfen, sich vor und nach der Geburt auf die Unterstützung von Freunden zu verlassen, so Singley.


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