Die Handlung des ersten Pornos, den ich mir angesehen habe, lässt sich in etwa so zusammenfassen

Ein Mann, mit einem enorm großen Penis und eine Frau, die enorm laut stöhnen kann, treffen in einem Massagestudio aufeinander und haben, nach einer halben Minute Unterhaltung, zehn Minuten lang heftigen Sex

Als ich mir dieses Video angesehen habe, war ich schon 18 und damit ziemlich alt für das erste Mal Porno schauen. Webseiten wie YouPorn oder PornHub waren da schon längst in den Sprachgebrauch und die Schlafzimmer meiner Freunde eingezogen. 

Zwei Menschen beim Vögeln zuzuschauen, hat mich so angeturnt, dass ich schon weit vor Ende des Videos gekommen bin.

Pornos sind eine erste Möglichkeit herauszufinden, wie das eigentlich so geht mit dem Sex. Und ja, auch wenn mich die Handlung des Massagepornos nicht so überzeugen konnte: Zwei Menschen beim Vögeln zuzuschauen, hat mich so angeturnt, dass ich schon weit vor Ende des Videos gekommen bin. 

Meine ersten Streifzüge durch die Online-Porno-Welt waren jetzt auch nicht unspannend: Ich war fasziniert von der Fülle dieser aufregenden Welt, die da in einer Ecke des Internets wartete, mit der ich noch nicht so vertraut war. 

Das Gefühl vom Anfang hat jedoch schnell nachgelassen.
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Hinterher hatte ich trotzdem das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben.

Ich habe nie viele Pornos geschaut. Ein- bis zweimal im Monat vielleicht und über längere Strecken auch gar nicht. Trotzdem habe ich gemerkt, wie schnell ich abgestumpft bin. 

Die Auswahl, die mich zuvor noch so fasziniert hatte, ließ mich jetzt lustlos werden. In der Hoffnung, noch etwas Besseres zu finden, bin ich von einem Video zum nächsten gesprungen und habe es doch nach wenigen Sekunden wieder geschlossen. 

Dabei wusste ich gar nicht genau, was ich eigentlich suche, nur: Was ich jetzt gerade schaue, reichte mir nicht und bei der riesigen Auswahl MUSS es ja noch etwas Besseres geben. 

Hinterher hatte ich trotzdem das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben und mich auf merkwürdige Weise unbefriedigt gefühlt. 

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In gewisser Weise waren Pornos für mich irgendwann nur noch wie Fast Food.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass mit steigendem Pornokonsum die vom Gehirn ausgeschüttete Belohnung sinkt. Wir müssen also immer mehr oder immer krassere Videos schauen, damit wir angeturnt werden. (Max-Planck-Institut)

Und genau so habe ich mich gefühlt. 

In gewisser Weise waren Pornos für mich irgendwann nur noch wie Fast Food. Früher vor allem etwas Verbotenes, Schmutziges und Ungesundes. Etwas, das nur die anderen konsumieren und das man sich selber nur gelegentlich bei Heißhunger gönnt. 

Was stimmt, was ist Mythos? Unsere Vögelkunde klärt auf:
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Diesen Heißhunger zu stillen konnte kurzzeitig zwar sehr befriedigend sein, aber diese fast schon rauschartige Versuchung hat dann doch schnell nachgelassen

Irgendwann bekam ich das Gefühl, auch bei Pornos das immer gleiche Menü serviert zu bekommen. Schlechte Rahmenhandlung, unterirdische Dialoge, Blowjob, zehn Minuten Sex und zum Schluss ins Gesicht abspritzen. 

Schnell, hart und am besten bitte umsonst. 

Mein echtes Sexleben haben Pornos übrigens nicht verändert, weder fand ich Sex schlechter, weil weniger krass als im Porno, noch hatte ich durch Pornos Anreize, neue Sachen auszuprobieren. 

Damals wie heute habe ich etwa einmal am Tag masturbiert. 

Pornos habe ich mir dabei nur selten angesehen. Aber als Mann, der keine Pornos schaut, scheine ich eine absolute Ausnahme zu sein. 

Ein Beispiel: Für eine Studie haben kanadische Forscher 20 junge Männer gesucht, die noch nie einen Porno gesehen haben – und sie haben keinen einzigen gefunden. (Telegraph)

Als ich gemerkt habe, dass die immer gleichen Pornoszenen meine eigenen Fantasien ersetzen, wollte ich etwas ändern.
Bild: Pixabay
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Sex ist großartig und definitiv eines der besten Dinge, mit denen man seine Zeit verbringen kann.
Also habe ich ganz damit aufgehört, Pornos anzuschauen. 

Das war kein konkreter Entschluss, kein Wendepunkt, so als würde man aufhören zu rauchen. Es war eher ein schleichender Prozess, ich hatte lange keine Pornos mehr gesehen und weil ich auch kein Bedürfnis danach hatte, habe ich beschlossen, es ganz sein zu lassen. 

Für mich ist das kein Verzicht, denn ich vermisse es nicht. Das hat nichts mit Prüderie oder Unlust zu tun. Im Gegenteil: Sex ist großartig und definitiv eines der besten Dinge, mit denen man seine Zeit verbringen kann.

Die Silhouette eines Körpers unter einem Kleid im Sommer, oder Erlebnisse, die ich im Kopf abgespeichert habe.

Es würde uns sicherlich guttun, offener mit Sex umzugehen und zu unseren Vorlieben zu stehen. Pornos können uns sicherlich dabei helfen, aber mich darauf beschränken? 

Ich habe mir Pornos immer alleine angesehen, sozusagen als Fantasie-Ersatz beim Masturbieren, nur dass dieser Ersatz irgendwann eben langweilig wurde. 

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Gerade die Fantasie macht Sex so spannend und aufregend, das Spiel mit dem Nicht-alles-wissen und dem Nicht-alles-sehen. 

Die Silhouette eines Körpers unter einem Kleid im Sommer, oder Erlebnisse, die ich im Kopf abgespeichert habe. 

Dazu zu masturbieren macht mich viel mehr an, als irgendein Porno, den ich so ähnlich schon mal gesehen habe.

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Queer

Samuel ist trans* und mit diesen Vorurteilen räumt er auf

Samuel kam als Mädchen auf die Welt. Mit 16 hat er gemerkt, dass er sich nicht mehr wohl in seiner Haut fühlt und weiter als Mann leben will. Nach seinem Coming-out unterstützen ihn seine Eltern, aber sein damals bester Freund will ihm einfach nicht glauben – ein herber Rückschlag.

Mittlerweile geht der 30-Jährige offen mit seinem Leben als Trans* um und ist Ansprechpartner für den trans*talk. Er geht unter anderem an Schulen, um Jugendliche über LGBT aufzuklären. Die Hoffnung: Weniger Vorurteile!

Im Video erzählt Samuel mit welchen Klischees er immer wieder konfrontiert wird und wie er mit ihnen umgeht.

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Maddi über blöde Sprüche, die sie als Bisexuelle zu hören bekommt.