Ich bin allein in meinem Zimmer. Licht aus, Gardinen zu. Neben meinem Laptop liegt Klopapier, die Kopfhörer sind eingestöpselt, der private Tab ist geöffnet. Jetzt heißt es: Film ab, Vorhaut runter, Vorhaut rauf. Hier wird masturbiert!

Pornos spielen dabei eine wichtige Rolle für mich.          

Ich bin mit dem Internet und auch mit Pornografie aufgewachsen. Was für meine Eltern immer noch ein absolutes Tabuthema war, gehört für mich zum Alltag. Damit bin ich, soweit ich weiß, nicht alleine. Die meisten, die ich kenne, gucken Pornos. Egal ob Mann oder Frau. 

In meinem Freundeskreis wird offen über Pornographie, Vorlieben und Selbstbefriedigung gesprochen. Da werden Seiten ausgetauscht, Accounts auf brazzersnetwork.com geteilt und verraten, dass Kokosöl nicht nur gut für die Haut ist.

Nicht so in meinen Beziehungen. Pornos stellen tatsächlich ein Problem dar.

Vor meiner Ex-Freundin habe ich das mit 16 geheim gehalten. Das Thema Porno kam nie zur Sprache. Ich weiß nicht, ob sie sich darüber Gedanken machte, ich besuchte jedenfalls fleißig Seiten wie youporn, youjizz und co. 

„Völlig fasziniert war ich von Blowjobs und schließlich von Analsex.“

Anfangs machte ich das nur ein- bis zweimal die Woche, schließlich schaute ich fast täglich Pornos. Heimlich probierte ich mich aus und entdeckte neue Interessen in mir. Es begann mit Soloszenen. Anderen Frauen beim Masturbieren zu zugucken machte mich total an. Dann folgte ein kurzer Abstecher zu Lack und Leder und schließlich guckte ich nur noch Filme mit Alexis Texas an. Blond und kurvig war lange mein Favorit. 

Noch mehr von Herrn Kolle:

Gerne hätte ich mich meiner Freundin anvertraut und über meine neuen Erlebnisse gesprochen. 

Doch seit wir einmal über Analsex geredet hatten und sie es absolut widerwertig fand, traute ich mich nicht so recht. Ich hatte Angst, dass sie mich mit demselben angeekelten Blick betrachten würde.

Vielleicht waren wir einfach zu jung und unerfahren, um über Pornos und unsere Fantasien zu sprechen. Man springt ja auch nicht direkt vom Zehn-Meter-Turm, sondern wagt sich erst mal auf den Einer.  

In meiner jetzigen Beziehung bin ich das Thema anders angegangen. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf diese Heimlichtuerei

Ich weiß, was ich will und wollte offen darüber sprechen.

Mit 25 war ich aber definitiv bereit für den Sprung vom Zehn-Meter-Turm.

Wir sprachen also über unsere Vorlieben und über neue Stellungen. Was hielte sie zum Beispiel von Anal oder einem Dreier? Ich erzählte ihr einfach, was ich im Porno gesehen hatte und dass ich dazu regelmäßig masturbieren würde.

Fragen? Hier findest du Antworten:
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Glücklich war sie mit meinem Bekenntnis nicht. 

„Sie fragte mich, warum ich mich an anderen Frauen aufgeilte und ob sie mir nicht genug sei.“

Wir suchten nach einer Lösung des Problems und setzten uns gemeinsam vor den Laptop. Mit eher mäßigem Erfolg. Es machte uns überhaupt nicht an.

Das größte Problem war, dass ich auch Filme mit Darstellerinnen gut fand, die ihr so gar nicht ähnlichen sahen. Dass ich sie nicht geil genug finden oder nicht gut genug im Bett sei, steht seitdem unausgesprochen im Raum. 

Das macht mir extreme Gewissensbisse. Das Gefühl nicht genug zu sein, wollte ich ihr auf keinen Fall vermitteln. Und so war es ja auch nicht. 

Selbstbefriedigung ist meine Zeit ganz für mich allein. 

Hier mache ich, was ich will, gucke und denke, was ich will und brauche mich für nichts zu schämen. Jeder Mensch braucht diese Momente mit sich selber. Wir müssen uns auch mal gehen lassen können, ohne Bewertung und Aufsicht. Sonst platzen wir irgendwann. 

Zu dieser Entspannung gehören im 21. Jahrhundert auch Pornos. Sie zu gucken heißt nicht, dass man lieber mit anderen Menschen, als mit dem Partner schlafen würde, oder dass dieser nicht attraktiv ist. Es ist vielmehr ein unverbindliches Erkunden der eigenen Ideen.

„Hier kann sich jeder auf seine Art und Weise treiben lassen. “

Schließlich konfrontierte sie mich mit einer Gegenfrage: Wie würde ich es finden, wenn sie Pornos gucken und sich an anderen Männern aufgeilen würde? 

Tatsächlich ist das für mich kein Problem. Sex und Selbstbefriedigung sind Eigelb und Eiweiß. Eng miteinander verbunden, lassen sie sich mit ein wenig Übung aber gut voneinander trennen. 

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Retro

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