Und was willst du werden, wenn du groß bist?

Henriks Arbeitsalltag bestand drei Jahre lang aus ziemlich viel nackter Haut. Während andere mit Anfang 20 studieren, ein Praktikum machen oder durch die Welt reisen, wurde Henrik Dieber nach dem Abi Pornoproduzent. 

Er hat uns erzählt, wie man im Pornobusiness hinter der Kamera landet und was dieser Job mit ihm gemacht hat.   

Henrik, wie wird man mit 21 Pornoproduzent?  

Geplant hatte ich das nicht. Ich verliebte mich während des Abis in eine Spanierin und zog mit ihr in Barcelona zusammen. Ich brauchte einen Job. Also bewarb ich mich auf Anzeigen, in denen Leute mit Deutschkenntnissen gesucht wurden.

Eine Porno-Produktionsfirma suchte jemanden, der ihren Twitter-Account verwaltete und Texte übersetzte. Das war dort ein Jahr lang mein Job, bis ich keine Lust mehr auf den Büroalltag hatte. Als ich kündigen wollte, machte die Firma mir ein neues Angebot. Ich sollte in der Produktion helfen.

Und dann durftest du sofort loslegen?

Nein, zuerst musste ich ein Drehbuch schreiben. Mit einem Kumpel überlegte ich dann, die Sendung "Undercover Boss" zu kopieren. Also die Dokumentation, in der Leute verdeckt in Unternehmen arbeiten, obwohl sie dort Chef oder Chefin sind.

Bei uns sah das so aus: Der deutsche Boss kommt nach Spanien ins Tochterunternehmen und findet heraus, dass die Chefin der Firma mit den Mitarbeitern vögelt. Während seines Aufenthalts in Spanien hat er dann selbst noch einige wilde Erfahrungen. Der Film wurde dann tatsächlich abgedreht und für gut befunden. Er war sogar bei den Porno-Oscars, den AVN Awards, nominiert. Danach wurde ich als Produzent festangestellt.  

Was waren deine Aufgaben und wie viel hast du verdient?  

Die Organisation. Ich kümmerte mich um die Darsteller, suchte Locations und organisierte alles drumherum, verwaltete das Budget und machte alles, was sonst noch so anfiel. Wenn jemand Viagra brauchte, habe ich ihm auch das organisiert. Bei einer Low-Budget-Produktion filmte ich auch mal als Kameramann oder übernahm den Ton. 

Meistens war ich zwei bis drei Tage im Büro und etwa drei Tage unterwegs zum Drehen. Die Abwechslung und die neuen Orte waren das Beste an dem Job. Alles in allem verdiente ich etwa 2.000 Euro netto im Monat.

Arbeitsalltag von Henrik: Er organisiert alles um den Porno-Dreh. 

(Bild: privat)

Was kostet ein Pornofilm in der Regel?

Das ist ganz unterschiedlich. Eine hochwertige Produktion kann schon etwa 20.000 Euro kosten. Es kommt sehr darauf an, wen du buchst. Es gibt Darstellerinnen und Darsteller, die sind total begehrt und kosten mehr.  

Wusste deine Familie von dem Job?

Ja. Ich habe meine Mama und meine Schwester auch mal mit zum Set genommen. Wir brauchten zufälligerweise an dem Tag jemand angezogenen im Hintergrund, da ist meine Schwester sogar kurz eingesprungen. Mein Vater fand das aber überhaupt nicht gut. Grundsätzlich tolerierte er meinen Job – aber er ist ganz froh, dass ich da mittlerweile raus bin. 

Wenn dir die Arbeit gefallen hat – warum hast du aufgehört?

Ich dachte mir: Wenn ich jetzt nicht aufhöre, dann ist es zu spät. Außerdem hatte ich das Gefühl, nichts mehr zu lernen.

Hat dich das alles verändert?

Nicht wirklich. Ich bin vielleicht ein bisschen lockerer geworden. Vor allem in sexueller Hinsicht. Da habe viel dazugelernt – und viel gesehen.

Wie echt ist der Sex vor der Kamera?

Natürlich ist er nicht immer voller Leidenschaft. Aber wenn der Sex gut ist, merkt und sieht man das auch vor der Kamera.

Wie stehst du zur Kritik, die Pornoindustrie sei frauenfeindlich?

Es läuft immer gleich ab: Vor der Kamera steht der Mann über der Frau. Das ist schon so. Mein Eindruck ist aber: Viele Frauen machen gerade hinter der Kamera klar, was sie wollen und was nicht. In unseren Produktionen war es immer so, dass sowohl Frauen als auch Männer sagen konnten, was sie wollten, und was nicht. Das hat jeder respektiert. Und wenn ein Mann die Darstellerin nicht gut behandelt hat, flog er raus.

Während seines Jobs als Pornoproduzent trug Henrik seine Haare kürzer. 

(Bild: privat)

Welche Rolle spielten Drogen am Set?

Die waren bei uns komplett tabu, nur gekifft wurde ab und zu. Wer trank, wurde nach Hause geschickt. Chemische Drogen gab es auch nicht.

Kannst du privat noch Pornos gucken?

Kurz danach habe ich gar keine Pornos mehr geschaut. Ich sehe mittlerweile direkt, ob es ein guter oder schlechter Porno ist, da fallen einem schon Kleinigkeiten auf, die nicht gut gemacht sind. Jetzt schaue ich wieder ab und zu Pornos, aber es ist einfach nicht mehr dasselbe wie vorher. Ich habe davon jetzt einfach schon viel zu viel gesehen.

Was ist dein Plan für die Zukunft?

Ich würde gerne Filmproduktion studieren. Es läuft eigentlich auch wie ich mir das vorgestellt habe: Ich wollte nach dem Abi ins Ausland und rausfinden, was ich machen will. 

Dass es jetzt so gekommen ist und ich mit 21 meinen ersten Porno produzieren würde, hätte ich auch nicht gedacht. Aber diese Zeit hat mir gezeigt, dass ich im Film weiter machen möchte. Denn im Endeffekt habe ich drei Jahre in der Branche gearbeitet. Nur mit ein bisschen weniger Geld – und mehr nackter Haut.

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