Bild: YouPorn
Und wie gut das in Deutschland klickt.

Der Weltfrauentag ist nicht unbedingt ein Datum, das sich Pornohersteller im Kalender ankreuzen. Für die Macher von YouPorn war es in diesem Jahr aber ein wichtiger Tag: Am 8. März startete die Pornoseite ihre "Female Director Series", nach einem Monat zieht sie nun Bilanz.

Die "Female Director Series" ist eine Sammlung mit feministischen Pornofilmen und Interviews mit den Regisseurinnen. YouPorn platzierte sie ganz oben auf der Seite. Wo sonst schummrige Amateurfilme oder derbe Gang-Bang-Nummern platziert sind, hatte also auch feministischer Porno einen prominenten Platz. Und Besuchern wurde zuerst nichts Nacktes präsentiert, sondern Gespräche mit Regisseurinnen:

Die prominente Platzierung hielt YouPorn einen Monat lang aufrecht. Auch nach der Testphase soll das Angebot weiter bestehen bleiben, teilte die Seite jetzt bento mit.

Was genau ist Female Porn?

Die Filme konzentrieren sich auf weibliche Zuschauer: Statt schnödem Rein-Raus in möglichst viele Öffnungen steht eine Geschichte im Vordergrund. Das kann – ganz simpel – eine Fantasie vom Postboten sein oder aber auch stimmungsvoll gefilmte Selbstbefriedigung.

Die bekannte schwedische Regisseurin Erika Lust, deren Filme auch bei YouPorn laufen, möchte Frauen nicht länger als "schöne Objekte" in Pornos sehen, sondern als tatsächliche Teilnehmerinnen.

Hier erklärt Erika Lust, was sich ändern muss:
Wie wird die Aktion von Regisseurinnen bewertet?

Die in Berlin lebende Spanierin Paulita Pappel sieht das Filmemachen als "politischen Aktivismus" für mehr Frauenrechte. Weibliche Bedürfnisse müssten genauso darstellbar sein wie männliche:

Billie Miller, die die Frauenporno-Seite "Yanks" betreibt, sagt, die YouPorn-Aktion könne ein Umdenken in Gang setzen. Denn:

"50 percent of the dancing is done by women who simply like different flavors of stimulation, both on the production and consumption side of the equation."
Billie Miller
Wie erfolgreich war der Frauenmonat bei YouPorn?

YouPorn ist nach eigenen Angaben "begeistert": Mehr als 20 Millionen Mal seien die bislang rund 1000 Videos angeschaut worden. Die Kategorie "Female Friendly Porn" sei damit eine der erfolgreichsten Channels auf der Seite. Zudem seien die Filme bei beiden Geschlechtern gut angekommen: Zwar klickten mehr Frauen, aber auch Männer hätten "uns mit einer großen Zahl an Rückmeldungen für das neue Format gelobt", sagte YouPorn-Produktmanager Braden zu bento.

Wer interessiert sich für Female Porn?

Laut der YouPorn-Auswertung vor allem die Europäer: Island führt die Charts der meisten Besucher des Channels an, gefolgt von der Schweiz und Belgien. Deutschland liegt auf Platz vier. (Auswertung bei YouPorn, jugendfreie Seite)

Die Auswertung zeigt jedoch auch: Nur rund ein Prozent der Besucher klickte auf die feministischen Inhalte. Rechnet man aber das noch vergleichbar geringe Angebot von bislang 1000 Filmen gegen die insgesamt knapp eine Million sonstigen Clips auf, ist die Akzeptanz hoch.

Was will YouPorn damit erreichen?

YouPorn-Mitarbeiter Braden sagt, man wollte eine "frische Perspektive" in die Adult Industry bringen. "It sparked a meaningful conversation between us and our viewers with regards to the types of content that they’re interested in consuming." Dank des Feedbacks soll die Serie nun dauerhaft Teil der Seite werden.

Wahr ist allerdings auch: In den vergangenen Jahren verlor YouPorn gegen Konkurrenten wie PornHub oder XHamster an Klicks. Auch die bieten mittlerweile Sektionen für Frauen an, allerdings ohne solch prominente Aufmachung – oder ohne Regisseurinnen Raum in Interviews zu geben.

Der Fokus auf "Female Friendly Porn" bei YouPorn könnte daher die Hoffnung auf eine neue Zielgruppe sein – eine die den ganzen "Female Unfriendly Porn" im Netz ablehnt.


Gerechtigkeit

Jan Böhmermann bat beim Kanzleramt um Hilfe

In der Debatte um sein umstrittenes Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat sich der TV-Satiriker Jan Böhmermann an Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt. "Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem das Erkunden der Grenze der Satire erlaubt, gewünscht und Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Debatte sein kann", schrieb Böhmermann nach SPIEGEL-Informationen am vergangenen Sonntag mittels einer privaten Twitter-Nachricht an den Chef des Kanzleramts.