Im Bett bin ich ein Softie. Sex ist mir sehr wichtig, gern viel und oft. Aber ich habe wenig besondere Vorlieben. Auch weil ich allzu pornohaftes Gehabe schwer ernst nehmen kann; vielleicht ist das auch eine versteckte Verlegenheit. Aber es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht versucht.

Einmal zum Beispiel gingen meine damalige Freundin und ich ins Bad, machten uns dort aber nicht fürs Ausgehen fertig, sondern zerrten uns die Klamotten aus. Es fing also gut an.

Dann aber trat ich auf den Duschvorhang und riss die Haltestange aus der Wand, sie fiel auf uns herunter. Danach setzte ich sie auf die Waschmaschine, sie schlang ihre Beine um mich, doch ich kam einfach nicht an sie heran. Also runter auf den Toilettendeckel – das war nun zu tief, um bequem zu vögeln.

Mittlerweile waren wir beide völlig genervt, nur aus Stolz traten wir noch einen letzten Versuch an. Aber auch den mussten wir abbrechen, weil sich, während meine Freundin die Waschmaschine umarmte, die Ein/Aus-Taste in ihren Oberschenkel bohrte.

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

Manchmal muss ich lachen, weil in Pornos alles unfassbar geil ist – und wie ungeil die Realität im Vergleich. Pornodarsteller können überall: im Stehen (habe ich noch nie vernünftig hinbekommen), an die Wand gepresst, im Auto. Immer sieht es so aus, als hätten sie den Sex ihres Lebens. Egal, ob da ein Klempner gerade eine Stunde unter dem Waschbecken geschwitzt hat, die Hausdame gibt zum Abschied einen Blowjob. Keine Gnade.

Manchmal erschreckt mich, wie weit diese Industrie in unserer Popkultur und unserem Alltag angekommen ist. Werbung von Pornhub geht viral, als sei es ein lustiges Katzenvideo (SPIEGEL ONLINE). Und wenn meine Affäre auf einmal auf Englisch rumstöhnt ("Oh, you are so great, don’t stop, OMG!"), rate ich ihr innerlich, ihren Pornokonsum zu reduzieren.

Vielleicht sollte man sich für jede Pornhub-Minute auch eine Minute realistischen Pärchen-Sex anschauen. Kleine Clips, in denen der Typ zum Beispiel die Kondompackung nicht aufbekommt, sich dann das Kondom falsch raufschiebt, an die nächste Packung muss, diese aber wieder nicht aufbekommt. Für die Perspektive. Damit man nicht so in seiner Pornofantasie hängenbleibt.

Pornos liefern ja viele Ideen, die man mal ausprobieren könnte. Auch wenn ich ein Softie bin, bin ich offen für Neues. Ich mag es, wenn mich eine erfahrene Frau überrascht. Es darf halt nur nicht so rüberkommen, als fahre da gerade ein Film in ihrem Hinterkopf ab, in dem ich nur ein Statist bin.

Letztens lud mich zum Beispiel ein Date ziemlich schnell zu sich nach Hause ein. Das Vorspiel bestand allein aus dem Ausziehen. Danach fing sie sofort an, mich sehr schnell und hart zu reiten, dabei schaute sie mich kaum an. Als ich mich auf sie drehte, griff sie meine Hand und legte sie sich selbst an den Hals.

Da kam ich nicht mehr mit. Ich habe noch nie eine Frau beim Sex gewürgt und war auch ein bisschen verwirrt von diesem Dominanzspielchen. Hatte sie mir gerade vorgegeben, wie ich sie zu dominieren hatte? Wenn ich beim Sex zu viel nachdenke, dann killt das meinen Vibe.

Zum Klicken: Alle Kolumnen von Hannes im Überblick
In seiner ersten Kolumne beschreibt er, wie lachen uns beim Sex näher bringt. Die ganzen Text lest ihr hier.
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Trotzdem beeindruckte mich diese Frau und weckte meine Neugierde für das Spiel mit der Dominanz. Habe ich vielleicht geheime Wünsche, die ich mir selbst nicht eingestehe?

Ich wollte es ausprobieren und bestellte online mein erstes Fesselset. Ich sollte aber schnell merken, dass auch der Umgang damit im Porno einfacher aussieht. Mehr dazu in meiner nächsten Kolumne.


Queer

In Finnland dürfen Schwule und Lesben jetzt heiraten und Kinder adoptieren
Dafür gesorgt haben die Bürger selbst.

"Tahdon, tahdon!" - Ja, ich will. Mit diesen Worten haben die Finnen in den vergangenen Jahren ihre Politiker vorangetrieben. Jetzt ist es soweit: Seit dem 1. März dürfen Schwule und Lesben in dem nordeuropäischen Land heiraten und Kinder adoptieren. Sie sind eherechtlich allen heterosexuellen Paaren gleichgestellt und können auch den Namen des Partners annehmen. (Tagesschau)