Sind wir die Generation Beziehungsunfähig? Zumindest probieren wir viele neue, individuelle Wege aus, bei denen unseren Eltern vielleicht schwindelig werden würde.

Es gibt offene Beziehungen, Menschen, die Fünfer haben, One-Night-Stands mit und ohne Liebe und gleichgeschlechtlichen Sex. Alles ist erlaubt, jeder darf, wie er mag – vom polyamoren Großstädter bis zum eisernen Verfechter lebenslanger Monogamie.

Wir haben mit vier Menschen gesprochen, die ihre Beziehung(en) auf unterschiedliche Art gestalten. Wo sind sie gestolpert, wie haben sie ihren Weg gefunden – und was bedeutet Liebe für sie?
Sophie, 22, polyamor – Beziehungsstatus: ein Partner

"Dass ich für Menschen verschiedenen Geschlechts etwas empfinden kann, weiß ich seit Jahren. Doch erst seit einigen Monaten lebe ich das auch gleichzeitig mit mehreren Personen aus – mit Höhen und Tiefen.

Mein erster langjähriger Partner und ich waren zusammen, seit ich 17 war. Er wusste, dass ich vor ihm auch Beziehungen mit Frauen gehabt hatte und mich zu ihnen hingezogen fühlte. Vor etwa zwei Jahren beschlossen wir, unsere Beziehung zu öffnen. Wie genau, das war uns damals noch nicht richtig klar.


Was ist Liebe? Diese Fotos zeigen es:
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Es gilt als normal, mit mehreren Leute befreundet zu sein, warum nicht auch auf anderen Ebenen?

Die erste offene Situation in der geöffneten Beziehung ergab sich mit einer anderen Frau. Mein Ex und ich begannen eine sexuelle Beziehung mit ihr, trafen uns mehrmals zu dritt. Sie hatte dann aber mehr Interesse an mir, das Ganze geriet ins Ungleichgewicht. Da keine romantische Ebene da war, kam es zwischen meinem Freund und mir aber nicht oft zum Streit.

Das änderte sich, als ich wenig später einen Mann kennenlernte, den ich interessant fand. Ich merkte sofort: Da ist auf allen Ebenen was da. Und strebte zwei gleichberechtigte Beziehungen mit beiden an. Mein Freund und ich redeten offen darüber, ich forderte anfangs von ihm, mir konkrete Grenzen zu setzen.

Das half aber nur bedingt. Denn mein erster Partner und ich merkten immer mehr, wie weit unsere Zukunftsvorstellungen doch auseinander gingen. Ihm ging es mehr ums Hörner abstoßen, um anschließend gemeinsam einem klassischen Lebensentwurf zu folgen.

Mir hingegen ist Intimität mit mehreren Menschen in jeglicher Form sehr wichtig. Auch für die Zukunft und Familienplanung wünsche ich mir eine alternative Konstellation.

Wir fanden keine Lösung für die unterschiedlichen Bedürfnisse
Sophie

Schließlich haben sich die beiden Männer zu zweit getroffen, um den anderen und seine Perspektive zu verstehen. Sie waren sich sehr sympathisch – aber nicht einer Meinung. Wir fanden keine Lösung für die unterschiedlichen Bedürfnisse, und daran zerbrach schließlich die Beziehung zwischen meinem ersten Freund und mir.

Dass mein jetziger Freund und ich ähnliche Vorstellungen von Polyamorie haben, verbindet uns sehr. Ich hoffe, dass wir darüber reden können, wenn jemand Neues dazukommt und die Person dann auch integrieren können."

Christina, 29, Beziehungsstatus: verheiratet – (inzwischen) monogam

"Meine Singlezeiten waren ziemlich wild: Ich hatte One-Night-Stands, Affären, Dreier in diversen Geschlechterkonstellationen und einmal sogar einen Fünfer.

Das war spannend und hat mir meistens sehr viel Spaß gemacht. Meine vergangenen Beziehungen waren jedoch monogam. Meine jetzige Ehe ist es auch, aber angefangen hat es ganz anders.

Ich befand mich mit Tom gerade irgendwo zwischen Affäre und Beziehung. Wir hatten zu der Zeit nichts mit anderen, doch mein damaliges Verständnis von Freiheit ging so: Wenn ich jemanden liebe, frei und offen, dann definiere ich unsere Beziehung nicht.

Als das mit Tom sechs Wochen lief, lernte ich Simon kennen und küsste ihn kurz darauf. Ich erzählte es Tom am nächsten Tag, und die Dinge nahmen ihren Lauf: Die Jungs trafen sich zum Kennenlernen und kamen gut miteinander klar, dann trafen wir uns mehrmals zu dritt und ich mich abwechselnd mit beiden.

Zunächst hatte keiner ein Problem damit, und ich genoss diese liebevolle, intensive Verbindung zwischen mehreren Menschen. Das Ganze geriet aber schnell aus dem Gleichgewicht und eskalierte wenige Wochen später – am Valentinstag. Ich hatte beide zum Dinner mit herzförmiger Pasta eingeladen. Wir tranken Wein, landeten zu dritt im Bett, und plötzlich kippte die Stimmung.

Das Ganze geriet schnell aus dem Gleichgewicht
Christina

Tom wurde wütend, weil er spürte, dass die Verbindung zwischen Simon und mir intensiver geworden war. Am nächsten Tag sprachen wir uns aus – doch ich hatte längst festgestellt, dass ich für Simon mehr empfinde als für Tom. Ich träumte inzwischen von einem Häuschen und Nachwuchs. Das führte auch zu der Entscheidung, monogam zu leben – mit Simon.

Einmal knutschte ich noch auf einer Party mit einer Freundin, ich hatte Simon vorher gefragt, ob es okay für ihn wäre. Im Sommer gab es dann ein letztes Schlüsselerlebnis: Eine gute Freundin, mit der ich in meiner Singlezeit auch Dreier hatte, kam zu Besuch. Es war nichts geplant, doch schließlich begannen wir, uns zu dritt zu küssen und auszuziehen.

Erst war es okay, doch dann spürte ich nur noch Eifersucht. Ihn mit einer anderen Frau zu erleben, war überhaupt nicht schön für mich. Inzwischen ist mir die Exklusivität zwischen uns heilig."

Anna, 35, Beziehungsstatus: offene Beziehung

"Meine jetzige Beziehung, die von Beginn an sexuell geöffnet war, ist auch meine erste. Zwei Wochen, nachdem Daniel und ich zum ersten Mal im Bett waren, schlug er vor: 'Du, eine Freundin von mir kommt in die Stadt, sollen wir nicht was zu dritt machen?' Ich dachte: 'Oh, aha, naja, kann man mal ausprobieren.'

Das Erlebnis zu dritt war dann ganz nett, aber ein großes Interesse hat es bei mir nicht entfacht. Als emotional bedrohlich empfand ich die Situation nicht. Daniel hatte bereits langjährige Erfahrungen mit offenen Konzepten.

Wir sind die Hauptbeziehung, das ist mir wichtig. Er darf gerne mit anderen Spaß haben, aber Polyamorie und parallele Beziehungen könnte ich mir nicht vorstellen. Außerdem ist mir wichtig, dass er alles erzählt – Heimlichtuereien wären das Schlimmste.

Natürlich habe auch ich das Recht, mit anderen zu schlafen – nur hatte ich bisher nie richtig Bedarf. Einmal haben wir uns mit einem anderen befreundeten Paar getroffen, das war echt cool, da hatte ich auch was mit dem Mann. Aber auch da hatte ich nicht den Impuls, das noch mal zu organisieren.

Für viele Leute ist Sex untrennbar von Gefühlen und Eifersucht, aber bei meinem Partner sehe ich es eher als Freizeitaktivität. Manche gehen dreimal die Woche gern in die Sauna oder laufen Marathons, weil ihnen das körperlich gut tut, andere brauchen viel Sex.

Heimlichtuereien wären das Schlimmste
Anna

Manchmal empfinde ich unsere offene Beziehungsform auch als Entlastung. Für ihn ist Sex wichtiger als für mich, und unter Stress steigert sich seine Libido, während meine sich reduziert. Ich arbeite an vielen Projekten, da hab ich gerade wenig Muße für Sex und freue mich ehrlich für ihn, wenn er es mit anderen ausleben kann.

Ich glaube, ich wäre auch in einer monogamen Beziehung vollkommen zufrieden. Aber ich habe Daniel so kennen gelernt und bewusst entschieden: Das ist es mir wert. Wir können so gut reden, haben gemeinsame Hobbys und eine ähnliche Sicht auf die Welt: Uns verbindet so viel mehr als Sex."

Dominic, 27, Beziehungsstatus: verlobt – offene Beziehung

"Meine Freundin und ich hatten ein paar Monate was am Laufen, wir überlegten langsam, es offiziell zu machen, als sie mich fragte: 'Mensch, willst du nicht 'ne offene Beziehung?' Meine erste Reaktion: 'Nein, niemals!'

Zweieinhalb Jahre später, während einer Wanderung durchs Himalaya-Gebirge, änderte ich meine Meinung. Wir waren uns emotional nah, ich fühlte mich sicher und glücklich und hatte Lust, das nun auszuprobieren. Wir hatten damals eine Fernbeziehung und stressige Jobs, unsere kurze Treffen am Wochenende sollten sich nicht nur um Sex drehen.

Da bot es sich an, es mal offen zu probieren. Wir hatten am Anfang ein paar Schwierigkeiten, denn es dauerte, unsere individuellen Regeln und Grenzen zu finden. Fest stand, dass es um sexuellen Spaß ging, wir aber emotional die Nummer Eins füreinander bleiben.

Und, dass wir Erlebnisse mit anderen direkt anschließend offen einander mitteilen. Inzwischen haben wir ein paar weitere feste Regeln:

  • Der Partner darf immer ein Veto gegen eine Person einlegen.
  • Exfreunde sind tabu.
  • Begegnungen müssen bewusst, also nicht im Vollrausch und immer mit Kondom, geschehen.
  • Kein Sex mit Sexarbeitern.
  • Wenn es daheim passiert: Bett neu beziehen, duschen, bevor wir uns wiedersehen.

Andere Regeln haben wir über die Zeit gelockert. Am Anfang wollte ich nicht, dass sie gleichgeschlechtlich unterwegs ist, ich befürchtete, sie könnte mit einer Frau im Bett glücklicher sein als mit mir. Außerdem war früher der Freundeskreis tabu, inzwischen haben wir aber gute Erfahrungen damit gemacht. Mit einem befreundeten Paar hatten wir mal einen Partnertausch, der super funktioniert hat.

Unsere Familien und Freunde haben wir teilweise eingeweiht. Manche distanzierten sich, andere diagnostizierten: 'Da ist was kaputt in eurer Beziehung, vielleicht kann ich euch helfen!' Einige waren interessiert und fragten nach Rat, wie sie womöglich auch ihre Beziehung öffnen könnten."


Christina, Anna und die Partner der jeweils Erzählenden heißen eigentlich anders – die Namen wurden von der Redaktion geändert.


Mehr Liebe, mehr Sex


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So perfide versucht das deutsche Dschihad-Magazin, die Jugend zu umgarnen

Es gibt seit einigen Monaten ein deutschsprachiges Dschihad-Magazin: "Kybernetiq". Darin werben Islamisten für den Dschihad und geben Tipps, wie man im Netz unentdeckt bleibt. Die erste Ausgabe erschien im März (bento I), jetzt ist eine neue Version im Netz zu finden.

Und die spielt perfide mit popkulturellen Referenzen wie der Serie "Mr. Robot" oder der Optik der Bundeswehr-Werbekampagne. Das Ziel: Der islamistische Kampf soll möglichst unbeschwert rüberkommen.

Das ist gefährlich.

Denn "Kybernetiq" verklärt so, welche mörderische Ideologie hinter dem islamistischem Glauben steckt.