Benehmt euch einfach.

Wer in Auschwitz Pokémon findet, hat ein Problem. Nicht, weil es dort welche gibt – sondern weil er auf die Idee gekommen ist, dort "Pokémon Go" zu spielen.

Seit noch nicht mal zwei Wochen jagen Menschen auf der ganzen Welt mit ihrem Smartphone nach Pokémon. Bisher wurden die kleinen Monster nicht nur in Parks und auf der Straße gesichtet, sondern auch in Gedenkstätten, Kirchen und auf Friedhöfen. Ein Nutzer will sogar ein Gas-Pokémon in einem Holocaust-Museum gefangen haben.

Ganz egal, ob das Bild echt ist oder ein Fake: Theoretisch ist es an so ziemlich jedem Ort möglich, so ziemlich jede Art von Pokémon zu fangen.

Sowohl das Museum in Auschwitz als auch das Memorial-Museum in Washington bezeichnen das Spielen an diesen Orten als respektlos und unangebracht; sie bitten darum, aus "Pokémon Go" ausgeschlossen zu werden (Vice.com). Wer "PokéStops" von seinem Gelände entfernen lassen will, kann auf der Website von Niantic einen Antrag ausfüllen.

(Bild: Screenshot Niantic Website)
Ein kompletter Ausschluss aus dem Spiel ist momentan nicht möglich. Und das ist okay.

Die Geo-Daten für "Pokémon Go" stammen von Google Maps. Orte für "PokéStops" wurden zum Teil aus dem Vorgänger-Spiel "Ingress" übernommen. Die Pokémon selbst erscheinen zufällig im Spiel: Im eigenen Wohnzimmer, auf der Straße oder eben in einer Gedenkstätte. Die Entwickler haben die Pokémon nicht bewusst in Gedenkstätten oder Museen platziert. Es ist keine technische Fehlleistung der Entwickler, sondern ein normaler Spielmechnanismus.

Natürlich ist es unangenehm, ein Foto von einem Gas-Pokémon im Holocaust-Museum zu sehen. Sehr viel unangenehmer ist aber der Gedanke, dass jemand dort "Pokémon Go" gespielt haben muss, um dieses Foto zu machen. An solchen Orten steht kein großer gelber Plüsch-Pikachu; die Pokémon sind virtuelle Figuren, sie erscheinen nur dann, wenn man die App auch benutzt.

Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass man in einer Gedenkstätte nicht mit seinem Smartphone spielt? Genauso wie es selbstverständlich ist, dort nicht laut Musik zu hören, zu rauchen, zu grölen?

Jemand der weiß, wie man sich in Gedenkstätten respektvoll benimmt, braucht kein Verbot. Jemand, der das nicht weiß, findet auch ohne "Pokémon Go" eine Möglichkeit, sich unangebracht zu verhalten. Es ist nicht die Aufgabe der Entwickler, Pokémon von bestimmten Orten zu verbannen. Jeder Spieler ist selbst dafür verantwortlich, wie er sich an solchen Orten verhält und was er dort tut.

Man kann Pokémon in Gedenkstätten, auf Friedhöfen und in Krankenhäusern geschmacklos finden – man kann das Smartphone aber auch einfach in der Tasche lassen. Oder zumindest die App nicht benutzen.

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