Unhygienische Toiletten auf Reisen, langersehnter Wiedersehenssex, der erste Halbmarathon – es gibt unzählige Gründe, weshalb die Periode diesen Monat ausfallen soll. Viele Frauen leiden zudem vor oder während ihrer Menstruation unter Krämpfen, Migräne, Stimmungsschwankungen und Depressionen. 

Manche Frauen, die hormonell verhüten, wie etwa mit der Pille, nehmen sie deshalb durchgehend ein und setzen ihre Periode so aus. Macht man das über mehrere Monate hinweg, nennt sich das Langzyklus. Anfang des Jahres veröffentlichte der britische Gynäkologen-Verband ein Statement: Es gebe dabei keine gesundheitlichen Nachteile. Im Gegenteil: Frauenärzte und Frauenärztinnen sollen künftig ihre Patientinnen darüber aufklären, dass es kein Problem ist, die Monatsblutung auszulassen. (FSRH)

Trotzdem fragen sich noch immer viele Frauen: Ist das wirklich gesund für meinen Körper? Wir haben mit zwei Frauen gesprochen, die ihre Pille durchgenommen haben. Warum tun sie das? Wie geht es ihnen damit? Außerdem haben wir eine Gynäkologin nach ihrer Einschätzung gefragt: Würde sie Frauen empfehlen, im Langzyklus zu verhüten – oder eher abraten? 

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Wir haben bei Instagram und Facebook einen Aufruf gestartet und gefragt: Habt ihr mit der Pille, dem Verhütungsring oder der Spirale eure Periode abgeschafft? Warum macht ihr das? Wie geht es euch damit? 

Nach dem Aufruf meldeten sich knapp 50 Frauen bei uns. Zwei von ihnen erzählen an dieser Stelle ausführlich von ihren Erfahrungen, die Gründe der anderen sind zusammengefasst am Ende des Artikels zu lesen. 

Miriam, 21: "Die Periode ist völlig normal – und trotzdem finde ich es eklig"

"Ich nehme die Pille durch seit ich 17 bin. Ich hatte genug von dem Blut, den Stimmungschwankungen und Pickeln. Also habe ich mich dazu entschlossen, die Pille durchgehend einzunehmen. Seitdem bin ich quasi periodenfrei, alle viereinhalb Monate mache ich eine Pause. Ich habe bessere Haut, es geht mir emotional besser – und ich muss mich nicht mehr ständig ekeln. Ich weiß, dass die Periode völlig normal ist, aber ich fand es jedes Mal widerlich.

Miriam möchte nicht, dass man sie hier sofort erkennt.

(Bild: privat)

Ich habe mich über alle Risiken informiert und nehme sie hin. Es kann zum Beispiel sein, dass die Hormone verrückt spielen und deshalb Stimmungsschwankungen auftreten. Bei mir sind diese Schwankungen zwar verschwunden, das kann sich aber auch wieder ändern. Daneben ist Thrombose ein Risiko, ebenso wie Migräne. Und es können Zwischenblutungen auftreten. 

Das alles ist es mir aber wert. Ich brauche mir viel weniger Sorgen darüber machen, dass ich schwanger werden könnte oder beim Sport Blut in meine Hose läuft und ich den Fleck später nicht rausbekomme. Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung. Ich möchte meine Tage einfach nicht jeden Monat bekommen

Ganz darauf verzichten könnte ich aber auch nicht, ich habe manchmal das Gefühl, ich brauche die Blutung, um mich wohl zu fühlen. Ich würde keine Frau davon überzeugen wollen, die Pille durchzunehmen: Jede sollte sich selbst für oder gegen die Menstruation entscheiden." 

Tabea, 29: "Ich habe meine Periode vermisst"

Tabea möchte hier nicht erkannt werden.

(Bild: privat)

"Ich bin jetzt vier Jahre pillenfrei. Davor habe ich die Pille für knapp 15 Jahre genommen. Wenn eine Party oder ein Urlaub anstand, habe ich meine Periode ausfallen lassen. Mit 24 wurde mir dann die Mini-Pille verschrieben, die ich ohne Pause nehmen sollte. Das klang erstmal großartig, weil mich meine Regel genervt hat. Das erste halbe Jahr ohne Periode habe ich deshalb sehr genossen. 

Irgendwann hatte ich aber das Gefühl, keine richtige Frau mehr zu sein. Meine Freundinnen machten die üblichen 'Ich-habe-meine-Regel'-Sprüche – und ich konnte plötzlich nicht mehr mitreden. Ich hatte fast vergessen, wie es sich anfühlt. Mir hat etwas gefehlt: Ich habe meine Periode vermisst.

Dann habe ich die Pille abgesetzt, ich bekam Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Stimmungsschwankungen. Ich war andauernd angeschlagen und müde. Als ich dann die erste Blutung hatte, war ich glücklich. Die Symptome waren irgendwann weg. Es hat noch zwei Jahre gedauert, bis mein Zyklus sich wieder eingespielt hat. Heute, also nach vier Jahren, ist endlich wieder alles normal. 

Das Beste ist: Ich kenne meinen Körper jetzt viel besser. Auf die Periode würde ich nie wieder verzichten wollen, denn ohne sie fühlt es sich einfach nicht natürlich an – ich habe mich nicht weiblich gefühlt."

Es haben sich knapp 50 Frauen bei uns gemeldet, die ihre Periode mit der Pille, dem Verhütungsring oder der Spirale abgeschafft haben. Ihre Gründe waren vor allem diese: 

  • Schmerzen: Für viele Frauen bedeutet die Periode qualvolle Tage, die sie nur mit Schmerztabletten überstehen. Manche berichteten von Ohnmacht und Krankenhausaufenthalten.  
  • Ohne Menstruation ist das Leben leichter. Ob beim Sport, im Urlaub oder bei der Kleidung: Viele Frauen finden es praktisch und bequem.
  • Einige ekeln sich vor ihrer Periode. Sie finden diese Zeit nicht angenehm und möchten deshalb nicht bluten müssen.
  • Gefühlschaos: Auch Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen sind für einige Frauen der Grund, ihre Periode zu vermeiden. 
  • Wenige Frauen gaben an, ihre Menstruation wegen ihrer Endometriose ausfallen zu lassen. 
  • Als positiven Nebeneffekt haben einige angemerkt, dass sie Geld sparen, weil sie keine Hygieneartikel mehr kaufen müssen.

Wir haben mit Katrin Schaudig gesprochen, Frauenärztin aus Hamburg.

Sie hat sich auf gynäkologische Endokrinologie spezialisiert und an einer Studie zur Untersuchung von Wirksamkeit, Sicherheit und Akzeptanz eines Langzyklus mitgewirkt. 

Viele Frauen zögern, die Pille durchzunehmen und machen es nur in Ausnahmefällen. Was spricht aus medizinischer Sicht dagegen? 

Nichts. Es gibt keine einzige Studie oder sonstige Hinweise, dass es schädlich sein könnte. Das einzige, was dagegensprechen könnte: Manche Frauen haben Zwischenblutungen und empfinden das als lästig. Prinzipiell wird die Wahrscheinlichkeit für Zwischenblutungen aber geringer, je länger man die Pille durchnimmt. 

Warum gibt es denn dann die Einnahmepause überhaupt? 

Das geht vermutlich auf die Zeit zurück, in der die Pille entwickelt wurde. John Rock, einer der Väter der Antibabypille, war ein gläubiger irischer Katholik. Er dachte wohl, wenn er die Pille so entwickelt, dass Frauen weiterhin jeden Monat bluten, sei die Kirche mit der Verhütungsmethode eher einverstanden. Durch die dreiwöchige Einnahme und einwöchige Pause fühlt es sich so an, als hätte man trotz Pille immer noch einen natürlichen Zyklus. Also sagte man damals: Es ist für Frauen normal, alle vier Wochen zu bluten, deshalb wählen wir diesen Rhythmus.

Also nehmen Frauen nur deshalb die Pille nicht durch? Weil sich der Gedanke etabliert hat, dass Frauen jeden Monat bluten "müssen"?   

Viele Frauen finden es beruhigend, wenn sie einmal im Monat bluten. Sie wissen dann, dass sie nicht versehentlich schwanger sind. Die Chance dafür ist natürlich gering, wenn sie die Pille regelmäßig nehmen. Manche Frauen haben auch während des Langzyklus Blutungen, bei denen sie dann aber nicht genau wissen, wann sie auftreten. Das finden sie unpraktisch und wollen sie deshalb nicht durchnehmen.   

Gibt es andere Gründe, die Pille durchzunehmen – außer, weil es bequemer und schmerzfreier ist?

Ja, zum Beispiel Migräneanfälle in der Einnahmepause. Außerdem ist die Sicherheit der Pille durch die durchgängige Einnahme höher. Bei der dreiwöchigen Pilleneinnahme und der einwöchigen Pause ist es wichtig, direkt nach der Pause wieder mit der Einnahme zu beginnen. Ansonsten ist der Schutz nicht mehr gewährt. Auch Frauen mit Endometriose profitieren von der durchgehenden Pilleneinnahme. 

Nimmt man die Pille durchgehend, also im sogenannten Langzyklus, ist es nicht schlimm, sie einmal oder auch mehrere Tage hintereinander zu vergessen. Das ist dann, als würde man die Einnahme einfach pausieren, wie man es sonst auch jeden Monat tun würde und es besteht keine erhöhte Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft.  

Gynäkologinnen und Gynäkologen in England wurden dazu aufgerufen, ihren Patientinnen explizit zu sagen, dass es nicht schlimm ist, die Pille durchzunehmen. Wie stehen Sie dazu?

Ich würde es nicht prinzipiell jeder Patientin raten, aber ich finde es gut, dass man Frauen darüber aufklärt, dass nach aktuellem Wissensstand nichts gegen eine durchgängige Einnahme der Pille spricht. Trotzdem muss man individuell vorgehen, da jede Frau eine andere Gebärmutterschleimhaut hat.   

Wie lange kann ich ohne Bedenken meine Periode aussetzen?

Wenn eine Patientin während des Langzyklus nicht blutet und die Schleimhaut in der Gebärmutter schmal ist – das kann der Arzt im Ultraschall sehen – kann sie es unbedenklich langfristig, also über mehrere Jahre machen. Hat man den Eindruck, da baut sich immer wieder Schleimhaut auf, sollte man sie vielleicht immer mal wieder abbluten lassen. Aber die Notwendigkeit dafür ist nicht medizinisch belegt. 

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Musik

"Meine Liebe kann ich dir nicht geben" – worum es in dem neuen Rammstein-Video geht

16 Jahre nach Christi Geburt: Männer in Legionärsrüstung schleichen sich durch die germanische Winterlandschaft, treffen auf eine schwarze Frau, die gerade einem Mann den Kopf abschneidet. Das ist der Beginn von Rammsteins "Deutschland".

Schon vor Veröffentlichung von ihrer neuen Single haben Rammstein mit einem kurzen Teaser wieder einmal bewiesen, wie gut sie das Mittel der gezielten Provokation beherrschen. Gerade einmal 35 Sekunden lang ist der Clip, darin sind vier Bandmitglieder mit Strick um den Hals und in KZ-Häftlingskleidung zu sehen. Am Ende schwarz auf weiß das Wort "Deutschland" in einer frakturähnlicher Schrift – so auch der Titel des Songs. 

"Geschmacklose Ausnutzung der Kunstfreiheit" nannte das bereits der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung (FAZ). Ein CSU-Politiker lud die Band in die KZ-Gedenkstätte Dachau ein. Der Tenor auch hier: Den Holocaust für "Werbezwecke und Effekthascherei" zu verwenden verbiete sich (ntv). Was zeigt das Musikvideo denn nun?

Das passiert in "Deutschland":

In dem mehr als neunminütigen Musikvideo passiert viel, wir bewegen uns mit rasendem Tempo durch die Tiefpunkte der deutschen Geschichte. Oder zumindest durch eine Musikvideo-Variante davon:

  • Wir sehen Rammstein als römische Legionäre,
  • als Politiker in der DDR, 
  • dann als KZ-Häftlinge, die kurz vor ihrer Hinrichtung stehen.
  • Dazwischen taucht immer wieder die Figur der Germania auf.

In Tarantino-Manier spielt die Band dabei freizügig mit der Geschichte: Da umzingeln die KZ-Häftlinge mit angelegten Gewehren die SS-Soldaten und erschießen sie schließlich. Aber wo Tarantino in "Inglourious Bastards" eine fast zweistündige Ermächtigungsphantasie erzählt, beschränkt sich Rammstein in wenigen Minuten des Videoclips auf das größte Verbrechen der deutschen Geschichte, gepaart mit Liedzeilen wie "Deutschland, Deutschland über allen" – eine ziemlich unversteckte Anspielung auf die erste Strophe des Deutschlandliedes, die in der Nazizeit gesungen wurde.

Und auch sie reiht sich nur ein in all die vorherigen Anspielungen und Provokationen aus der Vergangenheit der Band, und steht hier zwischen Sätzen, die Deutschland als "überheblich" und "überflüssig" bezeichnen. 

Hier kannst du Rammsteins Video zu "Deutschland" sehen: