Bild: Unsplash / Autri Taheri
Fünf Menschen erzählen.

Der Atem wird schneller. Der Puls geht hoch. Vielleicht bebt der Körper.  Vielleicht wird das Stöhnen lauter. Und dann ist er da: der Orgasmus.

Er stößt einen zufriedenen Seufzer aus. 

Sie verliert ihre Körperanspannung. 

Aber: War das gerade echt? Die Körpersprache, war sie ehrlich? 

70 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer geben an, schonmal einen Orgasmus vorgespielt zu haben. (Statista) Gründe dafür gibt es viele: Performancedruck, Angst vor der Frustration der Partner, plötzliche Lustlosigkeit, um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Wir haben fünf Menschen gefragt, warum sie einen Orgasmus vorgetäuscht haben.

Bekka, 27

Ich würde schätzen, bei meinem ersten gefakten Orgasmus war ich um die 20. In meinen Beziehungen war ich oft kurz vor dem Orgasmus und hab das dann akustisch mitgeteilt. Wir wollten gleichzeitig kommen, aber manchmal war ich doch noch nicht so weit wie er. Ich habe ihm danach nie gesagt, dass ich gar nicht fertig wurde, ich wollte daraus keine große Sache machen. Und schön war es ja trotzdem. 

Grundsätzlich hab ich es den Männern nicht gesagt, wenn ich sie charakterlich mochte. Da wollte ich ihnen keins reindrücken. Manchmal war ich ja auch fünf Meter vor dem Ziel und wollte mich mit der Stöhnerei selbst anspornen

Bei One-Night-Stands dachte ich manchmal: Lass es jetzt einfach zu Ende bringen. Das geht mit einem gespielten Orgasmus ganz gut. 

Da bin ich aber nicht völlig durchgedreht, vielleicht gab's ein Stöhnerchen mehr, vielleicht hab ich dem mal in den Rücken gekrallt. Geschämt habe ich mich nie dafür, es war ein pragmatisches Mittel zum Zweck, zum Wohle beider. Heute fake ich nicht mehr. Das hat was mit sexueller Reife zu tun. Mittlerweile formuliere ich, was ich will.

Elyas*, 29

Ich hab den Orgasmus eigentlich nur vorgetäuscht, wenn ich betrunken oder drauf war. Ich fand es in dem Moment zu anstrengend, ich wollte dann meine Ruhe haben. Ich glaube, die Frauen haben es nicht gemerkt. Aber wenn, dann fände ich es auch nicht schlimm. Ich würde es auch wieder tun. Bisher hab ich bei vier Frauen den Orgasmus vorgespielt.

Mit meiner Ex-Freundin habe ich mal drüber gesprochen, weil sie mich am nächsten Tag gefragt hat, ob ich wirklich gekommen bin. Mir ging es in der Woche nicht so gut, das wusste sie. Als ich meinte, dass ich nur so getan habe, fand sie es auch gar nicht schlimm. 

Bei einem One Night Stand habe ich auch mal so getan, als ob ich gekommen wäre. Da wollte ich einfach nur, dass der Sex aufhört

Ich hatte sie mit nach Hause genommen und mir etwas ganz anderes vorgestellt.

Wenn ich erfahren würde, dass eine Frau bei mir mal simuliert hat, fände ich es irgendwie doof. Aber kann ja auch mal passieren. Auch Frauen haben schlechte Tage.

Tatjana, 25

Bei meinem zweiten Freund habe ich jeden Orgasmus vorgetäuscht. Da war ich 16. Der Sex war einfach nicht erfüllend für mich, nicht harmonisch. Wir haben damals wenig ausprobiert und auch wenig drüber gesprochen. Außerdem hat mir die Lust bei ihm gefehlt, das alles war nicht so erregend. Ich habe so getan, als ob ich komme, weil ich ihn nicht kränken wollte. Ja, das war wirklich ihm zuliebe, da hab ich mehr an ihn gedacht als an mich. Ich war zu jung damals, um das Thema anzusprechen.

Mittlerweile würde ich keinen Orgasmus mehr simulieren. Ich wüsste nicht, warum. Wenn ich nicht kommen kann, ist das halt so, und der Sex ist ja trotzdem schön. Wenn es wirklich Probleme gäbe, könnte ich ja andere Stellungen oder Sextoys ausprobieren.

Larissa*, 30

Das erste Mal einen Orgasmus vorgetäuscht habe ich im Alter von 17 Jahren. Ich war damals zum ersten Mal richtig verliebt und stolz darauf, endlich einen Freund zu haben. Wir übten fleißig, worüber so häufig berichtet wird. Den Sex empfand ich als gut. Erst in der Retrospektive weiß ich, wie unbeholfen wir beide tatsächlich waren. Nach einigen Monaten ohne Höhepunkt kam ich zur Erkenntnis, dass ich wohl keinen Orgasmus haben kann. Das hat mich in meiner sexuellen Euphorie gehemmt. Ich fing an, nach einigen Minuten im Bett begeisterte Laute von mir zu geben. Und er freute sich, glaubte mir alles

Spaß hat mir das schon kurz darauf nicht mehr gemacht. Aber einfach damit aufzuhören, schien mir zu auffällig. Das Selbstbewusstsein, mein Schauspiel zu gestehen, hat mir gefehlt. Das alles war mir so peinlich. Also habe ich dieses Theater weitergeführt – eineinhalb Jahre. Bis ich gar keine Lust mehr hatte. Den Freund habe ich verlassen und erstmal sechs Monate komplett auf Sex verzichtet. 

Einen Höhepunkt vorgespielt habe ich danach nie wieder. 

Mit zunehmendem Alter und wechselnden Sexualpartnern stieg auch mein Selbstbewusstsein.

Auf einmal konnte ich den Typen sagen: "Bei mir musst du es so machen". Dass ich nicht über "normalen" Verkehr kommen konnte, hat keinen gestört. Vielmehr haben sie sich gefreut, mich auf anderen Wegen zu befriedigen. Das hat mich zusätzlich bestärkt. Wovor hatte ich eigentlich Angst? Und dann, mit 27 – nach zehn Jahren Sexualverkehr – kam der Durchbruch. 

Als ich das erste Mal kam, war ich so schockiert darüber, dass ich den Orgasmus fast verscheucht hätte. Seither komme ich beim Sex nicht jedes Mal, aber immer mal wieder. Warum es auf einmal klappt? Ich weiß, welche Stellungen meinen G-Punkt stimulieren.

Und erleichtert stelle ich fest: Sex wird mit dem Alter immer besser. Weil ich mich selbst kenne, weil ich mich nicht für mich schäme und weil Ehrlichkeit den Druck nimmt. 

Benjamin*, 27

Ich habe relativ früh damit angefangen, den Orgasmus vorzutäuschen, kurz nach meinem ersten Mal. Damals war ich 18. Mich hat einfach interessiert, ob ich das auch kann. Erst habe ich mich schlecht gefühlt, am Ende war aber meine Neugierde größer. Es war wie ein Spiel. Beim ersten Mal habe ich aufgehört, gelächelt und schnell das Kondom entsorgt. Meine Freundin schöpfte keinen Verdacht. Da wusste ich, dass jede und jeder das vortäuschen kann.

Später habe ich es wieder gemacht, aber aus anderen Gründen. Einfach ein bisschen  stöhnen, härter stoßen  und sich erschöpft hinlegen. Das geht auch ohne Kondom. So genau schauen viele Frauen ja auch nicht, was da noch rausläuft. Bei schlechten One-Night-Stands fand ich es besser, als irgendwann die Erektion zu verlieren. In anderen Situationen hatte ich einfach keine Lust, dass Sex immer so lange gehen muss, bis der Mann gekommen ist. Auch in Beziehungen ist das manchmal leider so. Für viele Frauen ist der männliche Orgasmus selbstverständlich. 

Wenn man dann nicht kommt, fühlen sie sich gekränkt oder denken, man sei schlecht im Bett. Ich finde, beides ist Quatsch. Heute rede ich offen darüber, dass auch ich manchmal nicht kommen kann oder will und dass ich das gar nicht schlimm finde. Dennoch würde ich in bestimmten Situationen vermutlich wieder faken. Am Ende mache ich es aus denselben Gründen wie Frauen: Ich will, dass mein Gegenüber glücklich ist.

*Diese Personen heißen eigentlich anders, für diesen Text möchten sie aber lieber anonym bleiben.


Haha

So übel kann es ausgehen, wenn dein Vater dir beim Lebenslauf hilft
"Faul, zu spät, unhöflich."

Wenn du das Anschreiben geschafft hast, ist die Bewerbung leider immer noch nicht komplett. Es fehlt: der Lebenslauf. Schlimmer wahrscheinlich noch: die Formatierung des Lebenslaufs.