Frisch Verliebte erzählen ihre Tinder-Geschichte
Tinder ist immer noch mit Vorurteilen behaftet. Auch Nina und Vivien mussten sich dumme Sprüche anhören.
(Bild: EyeEm)
Nina, 28, Hamburg
Eine Situation war sehr bezeichnend. Wir waren gemeinsam auf einer Comedy-Veranstaltung. Dort traten Newcomer auf, die auch das Publikum mit einbinden. Es ging um Bielefeld und mein Freund kommt aus der Nähe. Er meldete sich gleich zu Wort. Dann kam der Moderator auf uns zu, machte einen Bielfeld-Witz und fing an, über uns zu sprechen. Er fragte, wie lang wir zusammen sind und woher wir uns denn kennen. Wir haben erst einmal nur "aus dem Internet" geantwortet. Seine Reaktion: "Ah, bestimmt Tinder, oder?"
Als wir zustimmten, ging gleich ein Raunen durch das Publikum. Alle hatten einen Gesichtsausdruck als wollten sie sagen: "Oh Gott, Tinder." Ich saß daneben und dachte nur: Jetzt kommt bestimmt ein Spruch nach dem anderen. Und so war es dann auch. Unsere Geschichte wurde ausgenutzt, um alle Vorurteile runterzurattern. Dass es nur um One-Night-Stands geht, die Profile billig aussehen. Es kam dann auch die Frage, wie lange unsere Affäre denn noch andauere.
Ich stehe sowieso nicht so gerne im Mittelpunkt und in diesem Moment bin ich noch kleiner geworden als sonst. Im nächsten Moment denke ich aber auch: Ich muss selbstbewusst sein und dazu stehen. Man sieht ja schließlich, dass es positiv ausgehen kann und nicht nur um das Eine geht.

Mit welchen Vorurteilen haben Tinder-Paare zu kämpfen? Teil Eins der Geschichte

(Bild: EyeEm)
Vivien, 28, Köln
Als wir zusammengekommen sind, gab es viele Berichte in den Medien über „Tinder, die Sex-App“. Am Anfang war es uns dann mega peinlich, es zu erzählen. Je fester es wurde, desto unpeinlicher wurde es auch.
Meinen Eltern haben wir erst erzählt, dass wir uns abends in der Bar kennengelernt haben. Und je länger wir dann zusammen waren, dachte ich: „wie albern“! Ich will meine Eltern nicht anlügen. Und die Reaktion war dann auch voll harmlos. Die haben das gar nicht verstanden.
Bei der Arbeit erzähle ich es nach wie vor nicht. Erst einmal will ich Berufliches und Privates auseinander halten. Außerdem bleibt bei Tinder einfach der unseriöse Touch. Ich will nicht, dass mich Leute in eine bestimmte Schublade einordnen.
Anfangs haben manche Freunde gefragt, wieso man da angemeldet ist, dass man das ja nicht nötig hätte. Da kam ich mir natürlich doof vor, als ob ich nicht fähig wäre, einen Partner zu finden. Das ist fast das Peinlichste daran.
Ich habe gesagt, dass das Schwachsinn ist. Tinder ist ja nur der erste Schritt, um sich dann im realen Leben zu treffen. Dann werden die Kritiker auch plötzlich leise. Ich kenne zwei Beispiele, die mittlerweile selbst tindern, aber anfangs am lautesten geschrien haben. Trends brauchen ja immer, um bei allen Leuten anzukommen.
Immer wenn wir über unseren Beziehungsbeginn reden, freuen wir uns. Wir fragen uns, ob wir uns überhaupt aufgefallen wären bzw. angesprochen hätten, wären wir uns abends in einer Bar begegnet. Tinder macht den Erstkontakt schon einfacher. Insofern kann man der App nur danken.