Bild: dpa / kyodo
NFL Profi Tom Brady hat kein Sixpack – und wird dafür kritisiert

Sportliche Leistung – das ist es, was zählt, wenn man professionell Football spielt. Tom Brady ist Quarterback bei den New England Patriots, der amerikanischen Footballmannschaft, die 2017 zuletzt den Super Bowl gewonnen hat. Sein Spitzname ist "The G.O.A.T", "The Greatest Of All Time". (ESPN) Fitter als er wird man nicht so leicht.

In den sozialen Medien spricht man aktuell nicht über seine sportliche Leistung, sondern über seinen Körper. Also, über die Optik seines Körpers –nicht etwa seine Gesundheit. 

Denn Brady wurde im Urlaub in Costa Rica mit seiner Frau Gisele Bündchen von Paparazzi fotografiert. Auf dem Bild ist er in Badeshorts zu sehen. Und mit seinem Bauch. Die Kritik: Der Sportler habe ja gar keinen Körper eines Superhelden, sondern den eines normalen Mannes. Ein weiterer Kommentator bezeichnete Bradys Oberkörper als "plieable", also als weich.

Auf Instagram fanden die Nutzerinnen und Nutzer noch drastischere Worte: 

Wie kann ein so hoch gehandelter Sportler so einen Körper haben? [...] Ihhh, schrecklich!

Es ist nicht das erste Mal, dass Tom Brady wegen seines Körpers mit Vorurteilen konfrontiert wurde.

Ihm wurde nie zugetraut, es in der NFL als Spieler zu schaffen – wegen seiner Statur sei er seltener in die Spielauswahl gekommen, erzählte der 40-Jährige in einem Interview. (GQ)

Brady hat keine sichtbaren Bauchmuskeln. So what? 

Mit Tom Brady wird wieder ein Mann öffentlich für seinen Körper kritisiert. Zuvor traf es zum Beispiel seinen Football-Kollegen Jay Cutler: Nachdem seine Ehefrau ein Urlaubsbild von beiden auf Instagram postete, war die Kommentarspalte gefüllt mit Anmerkungen wie "FETTI, roll doch die Straße runter!" oder dass er abnehmen und sein verlorenes Gewicht seiner Frau geben solle. Schauspieler Ben Affleck wurde vom Magazin "New Yorker" als trauriger, tätowierter Schatten seiner selbst mit hervorstehenden Bauch bezeichnet. Seine Reaktion nach dem Artikel: Seine dicke Haut werde von seinen schrillen Tattoos gestützt.

Frauen wehren sich mittlerweile öffentlich gegen den Druck,  die "perfekte Bikinifigur" haben zu müssen.

So rufen zum Beispiel Bloggerinnen dazu auf, unter dem Hashtag "My Body is A Bikini Body" ein Bild von sich in Badekleidung zu posten – ohne Retusche, Filter oder Bauch einziehen. Die Bilder sollen verdeutlichen, dass man sich in seinem Körper im Bikini wohlfühlen kann, Makel hin oder her. (bento)

Den Körper einer Person zu bewerten und sie danach zu beurteilen, ist aber nie in Ordnung.

Das Geschlecht spielt da keine Rolle. Auch nicht, dass die Person in der Öffentlichkeit steht.

Denn auch Promis sind Menschen. Sie haben Stärken und Schwächen und sie sind nicht dazu da, unseren Erwartungen zu entsprechen. 

Die tröstende Botschaft, dass man auch ohne Sixpack verdammt erfolgreich und mit Gisele Bündchen verheiratet sein kann, sehen die Kritiker aber nicht. Statt dessen ist jemand empört darüber, dass sein "Superheld" so aussieht wie er selbst – und stellt mit dem Wort "Superheld" Tom Brady auf eine Stufe mit Comicfiguren wie Superman, Batman und Konsorten, die muskelbepackt sind und übernatürliche Kräfte haben.

Brady ist ein herausragender Spitzensportler, ohne halb Mensch, halb Mutant zu sein.

Für seinen Football-Erfolg die Sichtbarkeit seiner Bauchmuskeln überhaupt keine Rolle. 

Aber dass Tom Brady einer der besten Spieler der NFL ist, steht weder auf seinem nackten Bauch, noch auf seiner Stirn. Das Problem ist nicht sein Körper, sondern die Art und Weise, wie Menschen ihn betrachten und verurteilen. 

Zum "Greatest Of All Time" im Football ist er ohne den Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne geworden.

Brady hat sich auf seine Ziele fokussiert, das Ergebnis ist sein sportlicher Erfolg. Vielleicht nehmen sich seine Kritiker diese Eigenschaft ihres Helden zu Herzen – und konzentrieren sich auf ihr Leben und nicht nur ihren Bauch. 


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