Bild: Melissa Moseley/Netflix
Es lebe der Arthrose-Vibrator!

Grace and Frankie sind zwei Frauen in ihren Siebzigern. Sie wurden von ihren Ehemännern verlassen, weil diese sich ineinander verliebt und seit zwanzig Jahren eine Affäre haben. Das erfahren wir in Folge eins der gleichnamigen Netflix-Serie. Von da an leben Grace – gespielt von der Fitness-Ikone und Aktivistin Jane Fonda – und Frankie – die von Lily Tomlin verkörpert wird – im gemeinsamen Strandhaus in San Diego. Sie versuchen, den Scherbenhaufen, der ihr Leben ist, hinter sich zu lassen und ohne ihre Männer eine Zukunft aufzubauen. Im Januar ging die 5. Staffel der Netflix-Komödie online. 

Hat mit uns alles nichts zu tun? Doch. Denn von "Grace and Frankie" kann man auch als junge Feministin so einiges lernen. Zum Beispiel das hier:

Frauen müssen sich nicht von anderen sagen lassen, was sie tun können und was nicht

Selbst dann nicht, wenn es die eigene Familie ist. Sonst hätte die Serie ihr Ende darin gefunden, dass Grace und Frankie von ihren Kindern in ein Altersheim abgeschoben werden, anstatt ihre Siebziger und Achtziger als immer noch erfolgreiche Unternehmerinnen in einem Strandhaus in Kalifornien zu verbringen. 

Graces zwei Töcher, Brianna und Mallory, und Frankies Söhne, Coyote und Bud (kein Witz), befinden in der vierten Staffel, dass es für die beiden Damen zu gefährlich ist, alleine zu leben: Was, wenn eine von ihnen ihre Medikamente vergisst? Was, wenn sie stürzt? Oder einen Herzinfarkt bekommt? Grace und Frankie lassen sich von den Bedenken ihrer Kinder so verunsichern, dass sie einwilligen und ihr Strandhaus räumen – vorerst. 

Von klein auf wird Frauen gesagt und gezeigt, was sie können und was nicht. Mathe? Eher was für Jungs. Ein Unternehmen leiten? Managerinnen, die Mädchen zeigen würden, dass das geht, gibt es nur wenige

Ältere Menschen sortiert unsere Gesellschaft rechtzeitig aus. Sie kriegen keine Jobs mehr, Stichwort Altersarmut, und müssen ihre Klamotten unter dem Reiter "Seniorenmode" suchen.

Und was machen Grace and Frankie? Einfach das, was sie wollen. Frankie trägt bunte und gebatikte Hippie-Gewänder, Grace eng anliegende Jeans und hochgestellten Kragen – von wegen Seniorenmode. Beide entwickeln eine Geschäftsidee, die einzig dazu dienen soll, ihr Sexleben zu verbessern. Grace schläft mit einem deutlich jüngeren Mann. Und keine von beiden scheut sich davor, anzuecken, um ihre Wünsche und ihre Rechte durchzusetzen. Und: Nachdem sie erkannt haben, dass nur sie selbst für sich entscheiden sollten, holen sie sich ihr Strandhaus zurück. 

(Bild: Melissa Moseley/Netflix)

2 Man muss als Frau nicht unsichtbar werden, nur weil man älter wird

Die moderne westliche Gesellschaft ist besessen von der Jugend. Und von jugendlicher Schönheit. Oder besser gesagt: jugendlicher weiblicher Schönheit. Ältere Frauen sieht man höchstens noch in Werbespots für Medikamente gegen Verstopfungen oder Blasenschwäche. Ganz anders verhält es sich bei Männern: George Clooney, Hugh Jackman, Patrick Dempsey – graue Haare, leichte Falten und man ist sich einig: Immer noch attraktiv. Mit ihren Gesichtern lassen sich teure Uhren und edle Parfüms verkaufen.

Frauen im vergleichbaren Alter – etwa Jennifer Aniston oder Sandra Bullock – gelten zwar auch nach wie vor als Schönheiten, aber von Alterserscheinungen kann bei ihnen nicht die Rede sein. Sie sehen immer noch aus wie vor zehn Jahren – jung eben.

Bei Grace und Frankie ist das anders. Frankie trägt ihre graue Mähne mit Stolz, Grace – die von Jane Fonda gespielt wird – thematisiert die Probleme mit ihrem alternden Körper: das kaputte Knie, die falschen Haarteile, die Falten um die Augen. Und trotzdem sind sie schön und trotzdem nehmen sie am Leben teil: Sie trinken Martinis und rauchen Marihuana, sie arbeiten und verdienen ihr eigenes Geld, sie lieben und sie lieben Sex. Und apropos: 

3 Frauen haben sehr wohl Lust auf Sex – selbst im Alter

Wir werden immer noch gerne als passiv gesehen, wenn es um Sex geht: Wir sind nicht diejenigen, die am Wochenende nach dem Clubbesuch jemanden mit nach Hause nehmen, wir werden mit nach Hause genommen. Wir täuschen Kopfschmerzen vor, wenn wir keine Lust haben – daneben im Bett liegt der Typ, der immer Bock hat. (Eine Ansicht, die fatal für beide Geschlechter ist.)

An diesem gängigen Vorurteil könnte es liegen, dass die Sexualität des alternden Mannes seit Jahrzehnten thematisiert wird – Stichwort Viagra und Penispumpen. Den sexhungrigen Senioren muss schließlich geholfen werden. Wird vergleichbar oft über Scheidentrockenheit gesprochen, mit der alternde Frauen zu kämpfen haben? Nein.

Grace und Frankie machen sich zu dem Thema dagegen einige Gedanken. Sie erfahren es am eigenen Leib, denn immer wieder tauchen Männer in ihrem Leben auf, mit denen sie intim werden. Auch in der 5. Staffel verschwindet Frankie mit einem ihrer Hippie-Freunde nach einer hitzigen Diskussion in seinem Zelt und taucht erst am nächsten Morgen mit zerzaustem Haar und verkehrtherum sitzender Unterwäsche wieder auf.

Für Scheidentrockenheit hat Frankie eine selbstgemischte Wunderpaste parat, die in der Serie über Grace Kosmetikfirma "Say Grace" zu Geld gemacht wird.

Und damit nicht genug: Auch für Schwierigkeiten mit Masturbation im Alter entwickeln die beiden eine Idee, die sie zu Geld machen: Einen Vibrator, der sich auch mit Arthrose befallenen Handgelenken bedienen lässt. 

Frauen müssen mehr Beachtung in der Gesellschaft finden. Oder sie müssen sie sich nehmen. Ihre Bedürfnisse müssen Gehör finden und ihr Platz muss ihnen zugestanden werden. Das gilt sowohl für jung als auch für alt. Grace und Frankie entwickeln nach ihrer Scheidung ein Lebensgefühl, ein Selbstbewusstsein und einen Anspruch auf Teilhabe – all das kann man sich auch als junge Frau zum Vorbild nehmen. 



Tech

Der Zwinker-Smiley ist einfach das schlimmste Emoji
Ich werde mich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen 😉

Unter den Emojis befinden sich allerlei Motive, die unangenehme Gefühle hervorrufen: der lachende Scheißhaufen zum Beispiel, die boshafte Teufelsfratze oder der arme Kerl, der einen Schwall giftgrüne Kotze speit. Doch keines dieser Emojis könnte mich jemals so aufregen wie der König der Smartphone-vermittelten Arroganz: der Zwinker-Smiley.