Bild: Christian Sterk Unsplash

Dein Kommilitone ist faul und bekommt trotzdem bessere Noten, der Nachbar fährt ein neues Auto und dein bester Freund ist frisch verliebt – in eine echt tolle Frau. Und du? Bist, naja, seien wir ehrlich, manchmal bist du neidisch. 

Auch wenn man es nicht gern zugibt – manchmal lässt sich das Gefühl kaum vermeiden.

Wissenschaftler sagen, dass Neid vor allem in unserem Umfeld entsteht. Nicht der Protz von Prominenten ist es, das uns neidisch macht, sondern Dinge, die erreichbar scheinen, eben das neue Handy des Sitznachbarn oder die Beförderung des Kollegen.


Und hat sich der Neid erst mal eingenistet, fällt es schwer, rational zu bleiben.

So wie bei Sarah, 20. Sie lernte im Urlaub einen jungen Mann kennen und freundete sich mit ihm an. Seine Art zu Leben war das komplette Gegenteil von ihrer: Ständig auf Reisen. Jobs mal hier, mal da. Und das mit absoluter Gelassenheit. 

Beneidenswert, dachte Sarah. "Er hatte etwas, was ich unbedingt wollte und wahrscheinlich aber niemals haben werde. Ich wollte genauso sein wie er, einfach alles schmeißen und die ganze Welt bereisen." Sie ist neidisch. Obwohl sie selbst eigentlich niemals so leben möchte.

Ich wurde sauer, weil er so ein glückliches, unkompliziertes Leben führte.

"Und obwohl ich ihn sehr mochte, hasste ich ihn ab und zu dafür."

Heute spricht sie auch offen mit ihrem Freund darüber. "Was allerdings witzig ist: Er beneidet mich um mein geregeltes Leben und die Routine, die es mit sich bringt." Und damit hatte sich ihr Neid wie von selbst erledigt. 

Auch neidisch auf den Urlaub anderer? Dann wird es Zeit für unseren Test:

Wie man mit Neid am besten umgeht, ist unterschiedlich – mit Witzen, Ehrlichkeit, oder indem man sich fragt, worauf man eigentlich genau neidisch ist.

Denn Neid kann durchaus praktisch sein.

Die Sozialpädagogin Erna Hüls bezeichnet ihn als "missverstandenes Gefühl“. Ihrer Meinung nach gibt es zwei Arten von Neid: Schwarzen und weißen Neid.

Weißer Neid ist dabei etwas Positives – weil man sich von dem Erfolg anderer motiviert fühlt, selber besser zu werden. Schwarzer Neid dagegen ist eine Negativ-Spirale: Man vergleicht sich ständig und will besser sein als der andere.

Schwarzer oder weißer Neid, das ist hier die Frage.(Bild: Mathew Macquarrie / Unsplash)

Entsteht Neid, ist es wichtig, sich das Gefühl einzugestehen, in sich hinein zu hören: "Was ist es, was mich wirklich neidisch macht?“

Wenn du wissen willst, auf welche Art du neidisch bist, kannst du dir folgende Fragen stellen:
  • Was sagt der Neid über mich aus?
  • Was beneide ich eigentlich genau?
  • Will ich das was der andere hat, wirklich haben?

Aus einer positiven Grundhaltung kann sogar Wertschätzung entstehen. Vielleicht war die Arbeit des Kollegen wirklich gut und eigentlich möchte ich das auch schaffen.

So hat es Christian, 34, gemacht. Eigentlich wirkt er nicht, als würde er sich leicht verunsichern lassen: volltätowiert, mit weißer, stylischer Brille und einer festen Stimme. In seiner Anfängerzeit als Tätowierer lernte er viele Kollegen kennen, die besser waren als er selbst.

(Bild: Alex Hockett / Unsplash)
Ich denke, das ist genauso wie beim Sport. Die ersten Male, wenn man Laufen geht, tut einem das auch weh.

"Aber man befreit sich dann davon und sieht, wie man dann weiterkommt und besser wird.“ 

Christian hat gelernt, im Neid etwas Positives zu sehen. "Vollbringt ein anderer Künstler ein Werk auf das ich neidisch bin, regt es mich an, dieses genauer zu analysieren.“

Dazu beurteilt er objektiv und nutzt sein technisches Können, um so sein Können zu verbessern, sagt er. "Wenn ich dieses Gefühl einmal nicht mehr verspüre, habe ich keinen Ansporn mehr, mich zu verbessern. An dem Punkt sollte ich meine Jobwahl gründlich überdenken.“ 

Neid ist Teil der menschlichen Evolution, sagt Antonio Cabrales vom britischen University College in London. Er sieht das Gefühl als "Ergebnis des Wettstreits um begrenzte Ressourcen.“ Und das heißt, es kann durchaus von Vorteil sein, selbst voran kommen zu wollen, wenn man sieht, dass andere ist tun. 

So wie Anna. Heute ist sie stolz darauf, sich mit ihrem Neid auseinander gesetzt zu haben. Aber sie erinnert sich noch genau an den Moment, in dem er ausbrach. Ihre beste Freundin hatte eine neue Wohnung gefunden und schon die ganze Zeit begeistert davon erzählt. Als Anna ihr beim Umzug hilft, wirft es sie zuerst fast um: "Als ich die Wohnung gesehen habe, war die noch schöner als beschrieben. Und alles, was ich denken konnte, war: Fuck, so eine Wohnung möchte ich auch haben! Nicht irgendwann, jetzt!“

(Bild: Elizabeth Lies / Unsplash)

Sie wird neidisch. Aber nicht lange. Statt sich zu sehr auf die Wohnung der Freundin zu konzentrieren, beschäftigt sie sich mit dem, was sie hat, fragt sich, was sie an ihrer Wohnung ändern und schöner einrichten kann. Die Wohnung der Freundin war dafür ein Anstoß.

„Ich bin sehr froh, dass ich mir gegenüber eingestehen kann, neidisch zu sein. Ich glaube, ich kann dadurch besser mit diesem Gefühl umgehen.“

 

Wenn man neidisch ist, kann man das also ziemlich gut in Motivation umwandeln. 

Aber was ist eigentlich, wenn man merkt, dass man beneidet wird?

Die Promotion gerade in der Tasche, bekommt Peter eine gehobene Stelle in einem großen Unternehmen. Das bedeutet auch Fließbandarbeit während eines Einarbeitungsprogramms.

"Als ich dort vorgestellt wurde, sind mir Ressentiments entgegengeschlagen. Besonders von denen, die sich Hoffnungen gemacht haben aufzusteigen. Da ist es mir in einigen Situationen passiert, dass ich zumindest das Gefühl hatte, dass ich nicht wie ein normaler Kollege aufgenommen wurde.“

Das Problem: Nichts davon wurde offen angesprochen.

 

"Das läuft auf einer sehr subtilen Ebene ab, keiner gibt Neid offen zu.“ 

Peter hatte immer wieder das Gefühl, beäugt zu werden. Aber er hat sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen. Er ist allen Mitarbeitern möglichst aufgeschlossen begegnet, bis sich alle an die Situation gewöhnen konnten.

Wenn man kritisch beäugt wird, hilft Gelassenheit.(Bild: Jeremy Bishop / Unsplash)

"Es war eine Herausforderung. Aber wenn man die annimmt, dann kommt man damit klar und wächst da rein.“

Der richtige Umgang ist also auch entscheidend, wenn man den Neid der anderen spürt. 

Übertriebener Stolz, der schnell als Arroganz ausgelegt wird, bringt nichts. Falsche Bescheidenheit aber auch nicht, sagt die Sozialpädagogin Erna Hüls. Am besten: Selbstbewusst sein. Das bringt mehr Anerkennung, als die eigenen Leistungen und Erfolge klein zu reden.

Hüls beruft sich dabei am liebsten auf den Fernsehmoderator Robert Lembke:

Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen
Robert Lembke

* Namen der Protagnisten sind geändert


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