An einem Vornamen kann vieles schlecht sein. Er kann komisch klingen, er kann schlimme Assoziationen hervorrufen, er kann kompliziert sein, was immer wieder dazu führt, dass er mühselig buchstabiert werden muss. Oder er passt einfach nicht mehr zu der Identität, die man leben möchte.

Wer in Deutschland nicht mehr heißen will, wie er heißt, kann beim Standesamt einen Antrag auf eine Namensänderung stellen. Doch das klappt nicht immer: Wenn das Amt zum Beispiel den Eindruck hat, dass keine schwere Beeinträchtigung durch den Namen besteht, kann es den Antrag ablehnen. Wer schon mal eine Straftat begangen hat, muss ebenfalls damit rechnen, seinen Namen nicht offiziell ändern zu dürfen.

Wer bin ich, wer will ich sein? Unsere besten Texte über Identität zum Klicken:
1/12
Wie geht es den Menschen, die ihren Namen abgegeben haben oder genau das planen? Wir haben drei getroffen und sie gebeten, uns ihre Geschichte zu erzählen.
Serkan, 27, Student, aus Köln

"Meine Eltern haben mir den Namen Muhammed Cihat gegeben. Muhammed wegen ihrer religiösen Überzeugung zum Islam, Cihat, – ausgesprochen wie 'Dschihad' – fanden sie einfach schön. Eigentlich ist Cihat auch ein schöner Name. Mit Krieg, Terror oder Gewalt hat er nichts zu tun. Er bedeutet: aus eigener Kraft etwas schaffen.

Nach den terroristischen Anschlägen vom 11. September hat sich mein Leben verändert. Plötzlich kannte jeder den Begriff Dschihad, viele verbanden ihn mit Krieg. Ich war damals elf.

Meine Eltern hatten Angst, dass die Leute mich schon bald abstempeln würden, ohne mich vorher kennenzulernen.

Viele verbanden meinen Namen mit Krieg
Serkan

Auf Rat eines Onkels entschieden sie sich, meinen Namen zu ändern – und nach langen Papierkram hatte ich zwei Jahre später wirklich einen anderen Namen.

Als 13-Jähriger war ich mir nicht bewusst, was das für mein Leben bedeutet. Ich dachte mir einfach: cool, ein neuer Name.

Auf dem Papier heiße ich Serkan. Meine Familie nennt mich noch immer Cihat.

Manchmal stelle ich mich sogar noch mit Cihat vor. Zum Beispiel in der Moscheegemeinde. Wenn ich aber an der Uni oder bei Freunden bin, bin ich Serkan. Dieser Name hat mir einiges erleichtert: Es ist zwar immer noch ein türkischer Name, aber nicht so negativ besetzt wie Cihat.

Trotzdem überlege ich manchmal, ob ich meinen Geburtsnamen wieder annehmen soll. Ich könnte Serkan als Namen behalten, die anderen beiden Namen aber wieder hinzunehmen. Meinen alten Namen hätte ich gern zurück, um den Menschen zu erklären, dass Cihat nichts mit Krieg zu tun hat."

Lian, 28, arbeitslos, aus Pforzheim

"Ich hieß mal Leonie. Vor etwa drei Jahren wurde mir klar, dass ich trans bin. Das heißt: Ich bin weder weiblich noch männlich. Ich wollte einen geschlechtsneutralen Namen, damit ich meine Geschlechtsidentität ausdrücken konnte. Seitdem sage ich allen Leuten, dass ich Lian heiße, auch wenn in meinem Pass noch immer Leonie steht.

Zuerst habe ich Leonie immer mit Leo abgekürzt. Das gefiel vielen Leuten aber nicht – und ich hörte oft: 'Leonie ist doch so ein schöner Name!' Seither versuche ich es mit Lian.

Ich wollte einen geschlechtsneutralen Namen
Lian

Doch auch mit diesem Namen kommt es manchmal zu Problemen. Viele können sich ihn scheinbar nicht so gut merken – wenn ich mich mit Lian vorstelle, vergessen sie den Namen schnell wieder.

Lockerer war es da hingegen mit meinen Freunden. Die haben den Namen Lian sofort akzeptiert. Das liegt aber daran, dass viele selbst trans sind und ihren Namen geändert haben.

Vor Kurzem habe ich beim Standesamt meine Namensänderung beantragt. Dort wird erwartet, dass ich eine Therapie mache – und dass ein Therapeut sein Okay zu einer Änderung des Namens gibt.

In der Behörde hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Mitarbeiter solche Fälle nicht so oft auf dem Tisch haben. Ich musste zum Beispiel die Rechtsgrundlage für geschlechtsneutrale Namen selbst recherchieren, ausdrucken und der Behörde vorlegen. Offenbar ist das ein sehr schwieriges Thema für die."

Lisa, 24, Studentin, aus München

"Ich habe vietnamesische Wurzeln, bin jedoch in einem kleinen Dorf nähe München aufgewachsen, in dem die Lehrer überhaupt nicht mit einem ausländischen Namen wie meinem echten vertraut waren.

Zu Schulbeginn wurde jedes Jahr die Klassenliste vorgelesen. Bei meinem Namen haben die Lehrer immer angehalten und ihn entweder falsch vorgelesen oder gar nicht – bis ich ihn für sie ausgesprochen habe.

Ich empfand das damals als Blamage und hatte keine Lust, ständig meinen Namen zu nennen. Deswegen habe ich immer mehr Menschen den Namen Lisa angeboten – noch während meiner Zeit in der ersten Klasse.

Ich habe meinen Namen für andere ausgesprochen
Lisa

Mit Lisa habe ich mich wohler gefühlt. Der Name hat keine dummen Fragen hervorgerufen und die Mitschüler haben sich nicht darüber lustig gemacht.

Doch dass mich mehr und mehr Menschen so nannten, brachte bald mit sich, dass ich mich mit meinem Namen auf dem Pass nicht mehr so richtig identifizieren konnte. Mein echter Name war mir fremd geworden. Ich fand den Namen zwar schön und meine Familie nennt mich immer noch bei meinem richtigen Namen. Trotzdem hat er mir zu viele Probleme bereitet.

Mit 18 habe ich dann bei der Einbürgerung meinen vietnamesischen Namen gegen Lisa eingetauscht. Ich dachte: Wenn ich meinen Antrag mit der Namensänderung per Post abschicke, schicke ich auch den Rassismus weg.

Mein echter Name war mir fremd
Lisa

Doch das war naiv. Ich habe schnell realisiert, dass die Menschen trotzdem Vorurteile haben. Nach der Namensänderung wurde ich oft gefragt, wieso ich einen deutschen Namen habe, weil ich nicht deutsch aussehe.

Die Namensänderung hat mich zum Nachdenken gebracht: Wollte ich das jetzt wirklich oder wollte die Gesellschaft, dass ich nicht anders bin als sie? Ich finde es schade, dass es soweit kommen musste. Aber ich bereue den Schritt nicht – und versuche nun einfach, weiter mit meinem neuen Namen zu leben."

(Lisa möchte lieber anonym bleiben – auch Lisa ist nicht ihr richtiger Name, sondern nur ein Synonym.)

Und du?

Today

Das ist Donald Trumps Plan für die ersten 100 Tage im Amt
Weniger Klimaschutz, mehr Überwachung.

Typisch Trump: Noch bevor der gewählte US-Präsident seine Ideen vorstellt, lobt er sich und sein Team im Video erst einmal. "Unser Team arbeitet sehr geschmeidig, sehr effizient. Wirklich großartige Männer und Frauen helfen uns und es werden noch mehr", verkündet er zu Beginn einer zweiminütigen Ansprache an die US-Bürger. Darin verkündet er seine Pläne für die ersten 100 Tage als US-Präsident: