Bild: privat
Maike, 23, erzählt ihre Geschichte

Meine Eltern haben sich getrennt als ich knapp 15 war. Für mich und meinen älteren Bruder, der damals schon ausgezogen war, kam das sehr überraschend. Bei uns zuhause wurde nie viel gestritten. 

Sie haben sich getrennt, weil die Gefühle einfach nicht mehr da waren.

Die Trennung lief ohne Gezanke und Geschreie ab, meine Eltern hatten alles genau besprochen und stellten uns vor vollendete Tatsachen. Das war ihnen wichtig, damit wir wissen, woran wir sind und wie es weitergeht.

Wir Trennungskinder

Millennials sind die erste Generation, die in großen Zahlen von den Scheidungen der Eltern betroffen ist: Erst in den 80er Jahren stieg die Scheidungsrate auf fast 30 Prozent, in den 2000ern dann auf fast 50 Prozent (Statista). Was macht das mit unserer Generation? Und wie beeinflusst einen die Trennungen der Eltern auch noch Jahre später? In dieser Reihe beschäftigen wir uns mit diesen Fragen. 

Uns haben sie bei einem gemeinsamen Essen erzählt, dass sie sich trennen. Im ersten Moment war das sehr schlimm für mich, weil ich ja aus einer heilen Welt rausgerissen wurde.

„Meine erste Reaktion war: "Oh Gott, meine Kinder haben mal getrennte Großeltern"“

Ich kannte die schrecklichen Trennungsgeschichten von Eltern von Freunden, mit ewigem Streit und Machtkämpfen. Und vor sowas hatte ich Angst. Meine Eltern haben aber gleich klargestellt, dass sie im Gespräch bleiben und als Familie zusammenhalten wollen, auch wenn sie kein Paar mehr sind. 

Die ersten Tage haben wir viel über unsere Gefühle geredet, viel zusammen geweint. Für meine Eltern selbst war das ja auch traurig und schlimm. Oft fiel der Satz: 

„"Wir sind und bleiben eine Familie"“

Das war ein schöner Trost. In der Zeit hat es mir auch sehr geholfen, meinen Bruder an meiner Seite zu wissen. Er hat gleich gesagt, dass ich immer zu ihm kommen kann, wenn es zu Hause mal zu viel werden sollte.

Wir haben damals in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg gewohnt, im Einfamilienhaus mit Garten. Der Plan war eigentlich, dass Mama auszieht

Aber die Vorstellung fand ich schrecklich. 

Jedes Wochenende entweder bei Mama oder Papa sein, meine Zeit immer zwischen den beiden aufteilen und dann noch meine Sachen hin und herschleppen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gegend gurken – das wollte ich nicht. Deshalb kam dann die Idee auf: 

„Wie wäre es, wenn Mama nur in ein anderes Zimmer zieht und wir eine Art WG gründen?“

Wir haben viel darüber geredet, wie man das gestalten könnte, dass es für alle okay ist. Und schließlich beschlossen, dass wir es versuchen wollen. Von Vorteil war es, dass das Haus recht groß war. Mein Papa hatte oben ein ganzes Geschoss für sich und auch etwas Abstand zu Mamas Zimmer.

"Ich bin im Kinderparadies aufgewachsen" – Der Garten hinter Maikes Elternhaus

(Bild: privat)

Am Anfang war es schon komisch. Meine Eltern hatten sich getrennt, aber im Prinzip änderte sich nicht viel. Ich war tagsüber in der Schule, meine Eltern haben beide gearbeitet. Abends haben wir dann zusammen gekocht und gegessen, danach auch mal einen Film geschaut. Am Wochenende haben wir den Garten schön gemacht oder zusammen gegrillt. Wir hatten eigentlich einen ganz normalen Alltag

Für meinen Bruder war diese Lösung auch praktisch, er musste am Wochenende nicht zwei verschiedene Elternhäuser besuchen. Und er war natürlich auch froh darüber, dass unsere Eltern noch miteinander klarkamen.

Ich hatte nie die geheime Hoffnung, dass sie wieder zusammenkommen. Im ersten Gespräch mit meinem Bruder und mir wirkte ihre Entscheidung so klar und wohlüberlegt, dass ich daran nie gedacht habe. Und das war auch gut so, für diese Klarheit bin ich ihnen sehr dankbar.

Erst mit der Zeit wurde die Veränderung deutlicher. Mama ist dann zum Beispiel mal alleine in den Urlaub gefahren, ich nur mit Papa. Nach etwa einem Jahr hatten beide dann auch jeweils neue Partner. Und trotzdem hat es weiter funktioniert, dass wir zusammen wohnen und einen gemeinsamen Alltag haben. Ich fand das sehr schön damals.

Ich war dann fünf Monate im Ausland und hatte ein bisschen Angst. Wie wird das, solange ich weg bin? Und wenn ich wiederkomme? In der Zeit war Mama in der Zeit zwar öfter bei ihrem neuen Freund, hatte ihren Hauptwohnsitz aber weiterhin im Haus bei Papa. Sie haben das auch gut hinbekommen, als ich weg war, das war ziemlich cool.

Unsere Wohnsituation hat mir auch dabei geholfen, mich an die neuen Partner meiner Eltern zu gewöhnen. 

Es war zwar trotzdem komisch, Mama und Papa mit jemand anderes zu sehen. Aber so konnte ich die neuen Partner schonend nach und nach kennenlernen. Es war eben nicht so, dass jetzt plötzlich jemand anderes mit meiner Mutter zusammenwohnt. Sondern dass sie eben mal am Wochenende bei ihm ist oder abends mit ihm in den Tanzkurs geht. Das wurde mit der Zeit dann immer normaler für mich.

Mama ist erst ausgezogen, als ich aus dem Haus war. 

Ich bin nach dem Abi nochmal ein paar Monate ins Ausland, in der Zeit ist sie dann zu ihrem jetzigen Mann gezogen.

Die Trennung meiner Eltern hat mir viel für ein Leben mitgegeben. 

„Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, in Beziehungen sehr ehrlich miteinander zu sein und offen über die eigenen Gefühle zu reden.“

Meine Eltern haben sich dadurch in einem Stadium der Beziehung getrennt, wo viele andere es vielleicht noch nicht getan hätten, bevor man anfängt zu streiten oder den anderen überhaupt nicht mehr ertragen kann. Außerdem weiß ich jetzt: 

Familie muss nicht genau so aussehen, wie man sich das vorstellt.

Ich habe keine krassen, unerreichbaren Erwartungen an Ehe und Partnerschaft, muss niemanden finden, mit dem ich dann 40 Jahre verheiratet bin.

Ich bin schon fünf Jahre glücklich mit meinem Freund zusammen. Es kann aber sein, dass das irgendwann nicht mehr so ist. Und das ist dann auch okay. Es ist einfach wichtig, offen miteinander umzugehen, dann kann man auch für alles eine Lösung finden.

Meine Eltern-WG war toll und hat ihre Trennung für mich viel leichter gemacht. Ich habe eine Menge Respekt dafür, wie sie das gemacht haben.


Fühlen

Warum ich nach dem "letzten" Interview von Frank Elstner mit Jan Böhmermann weinen möchte
"Wetten, das war’s..?"

"Heute geht es um mein Ende. Es wird eine meiner letzten Sendungen sein."

Auch wenn ich eigentlich eher lakonisch veranlagt bin und nicht auf den großen Pathos des Showgeschäfts stehe, lassen mich die Worte, mit denen Frank Elstner sein Interview mit Jan Böhmermann beginnt, mit einem dicken Kloß im Hals zurück. 

"Hier sitzen zwei Leute am Tisch. Einer, der sich langsam von seinem Publikum verabschiedet, und der andere, der mitten im Leben steht...", legt Elstner vor der Kulisse des altehrwürdigen Kölner Theaters "Senftöpfchen" nach. Das rührt auch Böhmermann fast zu Tränen. Er nimmt einen großen Schluck Wasser.

Am Mittwoch gab Frank Elstner in einem großen "Zeit"-Artikel bekannt, dass er vor drei Jahren eine Parkinson-Diagnose erhielt.

Bis jetzt wussten nur seine Familie und engste Vertraute davon. Nun trat er an die Öffentlichkeit und macht sich mit einer auf Youtube ausgestrahlten Interview-Reihe auf Abschiedstour. (Zeit) "Wetten, das war's..?" nennt er sie und verspricht Gespräche, "die Sie vielleicht so nicht erwartet hätten." Wie Recht er damit hat.

Frank Elstner stellt in dem 50 Minuten langen Talk mit Jan Böhmermann Fragen, die sich andere Interviewer wohl nicht trauen würden. Ob es um Böhmermanns Privatleben, um Erdogan oder das Showbusiness geht: Er fragt ruhig und mit Humor, in fast väterlicher Manier. Und Böhmermann antwortet. So ernst und ehrlich, wie man es in der Öffentlichkeit eigentlich nicht von ihm gewohnt ist.

Während ich das Interview gucke, bin ich überrascht, wie sehr mich das ganze mitnimmt.