In einem offenen Brief klagt sie Facebook, Twitter und Instagram an.

Die US-Journalistin Gillian Brockell hat ihr Kind vor der Geburt verloren. Was sie gefühlt haben muss, kann nur von Menschen verstanden werden, die Ähnliches durchmachen mussten. 

Ihr Sohn sollte eigentlich Ende Januar zur Welt kommen. Die Freude damals: grenzenlos. Bis Gillian eines Tages merkte, dass mit ihrem Ungeborenen etwas nicht stimmt

Auf Twitter veröffentlichte sie Ende November die traurige Nachricht:

"Gebrochenen Herzens teilen wir euch mit, dass unser Baby, Sohan Singh Gulshan, tot geboren wird."

Jetzt bricht für Gillian eine Zeit des Trauerns an. Doch etwas lässt sie dabei nicht zur Ruhe kommen: Es ist Werbung in sozialen Netzwerken.

Zwei Wochen später veröffentlichte sie deshalb einen offenen Brief, adressiert unter anderem an Facebook, Twitter und Instagram. 

  • "Ich weiß, dass ihr wusstet, dass ich schwanger war. Es war meine Schuld, aber ich konnte den Hashtags #30weekspregnant und #babybump auf Instagram nicht widerstehen. Ich Dumme! Ich habe auf Facebook sogar geklickt, als mir Umstandsmode vorgeschlagen wurde."
  • "Aber habt ihr mich auch nicht gesehen, wie ich 'Sind das Braxton Hicks-Kontraktionen?' (unnütze Wehen, Anm. der Redaktion) oder "Baby bewegt sich nicht" googelte? Habt ihr nicht meine drei Tage des Schweigens bemerkt, ungewöhnlich für eine so aktive Nutzerin wie mich? Und dann die Ankündigung mit Worten wie "gebrochenes Herz", "Problem" und "tot geboren" und die zweihundert traurigen Smileys meiner Freunde? Ist das etwas, das ihr nicht verfolgen konntet?"

Als Gillian aus dem Krankenhaus zurückkehrt, wird sie Tag für Tag auf Social Media daran erinnert, dass sie keinen neugeborenen, lebendigen Sohn hat. Als sie die Werbung für Umstandsmode nun wegklickt und danach angibt, sie sei "nicht relevant" für sie. Doch anstatt komplett anderer Anzeigen bekommt sie nun Werbung für Still-BHs und Kinderwagen. 

Sie appelliert an die Tech-Unternehmen:

  • "Wenn ihr schlau genug seid, zu erkennen, dass ich schwanger bin, dass ich entbunden habe, dann seid ihr sicher auch schlau genug, zu erkennen, dass mein Baby gestorben ist und könnt mir entsprechend andere Werbung zeigen – oder vielleicht, nur vielleicht, überhaupt gar keine."

Von vielen Menschen erhält Gillian dafür Zuspruch – einige berichten von ganz ähnlichen Erfahrungen. Einer erzählt etwa von dem automatisch von Facebook erstellten Jahresrückblick – der einen beispielsweise auch an negative Ereignisse erinnert, wie den Tod eines Kindes:

Wie reagierten die Tech-Unternehmen?

Rob Goldman, Werbechef von Facebook sprach Gillian sein Beileid aus. Er schrieb, es gebe bereits eine Einstellung, mit welcher man Anzeigen aus bestimmten Bereichen ausblenden könne. Er gab aber zu, dass diese noch verbessert werden müsse und versprach, dass man weiter daran arbeite. 

In der Washington Post schrieb Gillian in Antwort darauf, dass sie von dieser Funktion sogar gewusst habe – sie aber einfach nicht finden habe können. Sie bleibt bei ihrer Forderung: dass soziale Medien es in solchen Fällen selbst erkennen müssen, wann sie die Werbung zu ändern haben.


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