Bild: Ziley photography
"Wenn die Liebe stark ist, hält sie die Beziehung fest"

Drei Paare. Fünf unterschiedliche Kulturen. Und eine Menge Vorurteile. Wir haben junge Paare in multikulturellen Beziehungen gefragt, welchen Herausforderungen sie gegenüberstanden und welche Vorbilder sie haben.

Im zweiten Teil unserer Serie erzählen uns Rabia und Muhammed, wie sie ihre Beziehung leben.

Rabia, 22, hat polnische Wurzeln. Mit Muhammed, 21, der türkische Wurzeln hat, ist sie seit ihrer Jugendzeit zusammen. Als die beiden sich kennenlernten, war er 15, sie 16. Seit einem Jahr sind sie verheiratet und führen eine Ehe mit einer traditionellen Rollenverteilung: Er geht arbeiten, sie bleibt zu Hause.

Im ersten Teil der Serie haben wir mit der Deutsch-Türkin Büsra und dem Pakistaner Ehsaan über Liebe gesprochen.

Welche Kultur sollen eure Kinder haben?

Er: Die Türkische.

Sie: Gemischt. Die türkische Kultur ist nicht 100 Prozent richtig, die polnische Kultur auch nicht. Wir sollten aus den Kulturen das Beste nehmen.

Er: Ich würde trotzdem wollen, dass sie richtige Türken werden. Wichtig wäre eigentlich, dass die Muttersprache Türkisch ist – was ja aber nicht geht. Aber die Kinder sollen wissen, dass sie aus der Türkei stammen.

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Welche Rollenverteilung herrscht in eurer Beziehung?

Er: Wir haben eine typische Rollenverteilung. Wir leben aber noch nicht zusammen, wir sind auf Wohnungssuche.

Sie: Der Mann geht arbeiten und bringt das Geld nach Hause, und die Frau macht den Haushalt. Anfangs wollte ich studieren. Dann habe ich gemerkt, dass das doch nichts für mich ist. Ich habe dann umgedacht, ein bisschen auch wegen ihm.

Er: Wir wollten sofort eine Familie gründen.

Sie: Als wir uns kennengelernt haben, haben wir schon darüber geredet. Über Familie, über unsere Zukunft. Da war mir schon klar, dass ich Zuhause bleiben wollte.

Wer würde den Haushalt übernehmen?

Sie: Ich hauptsächlich. Außer wenn ich krank bin, dann hilft er auch jetzt schon, er kauft auch jetzt schon ein. Aber putzen tue ich, das kann er nicht so gut.

Er: Sie würde auch die ganze Wäsche machen.

Sie: Weil ich Angst hätte, dass du etwas falsch machst. Und dann meine Klamotten mit falschen Farben wäschst.

Er: Das türkische Essen muss sie richtig drauf haben. Nicht nur wegen mir. Sie muss auch meiner Familie zeigen können, dass sie was drauf hat. So zeigt sie, dass sie eine gute Frau ist.

Sie: Ich würde trotzdem etwas Polnisches dazu mischen.

Wie habt ihr euch denn kennengelernt?

Sie: Wir hatten früher schon durch MSN Kontakt, später hatte er mich bei Facebook kontaktiert, da wusste ich aber nicht, dass wir uns schon kannten. Deswegen habe ich die Anfrage erstmal geblockt. Und dann kam das so langsam. Ich wollte ihn erst nur als besten Freund haben, er wollte mehr. Ich nicht. Aber so langsam ging das weiter.

Er: Ich war noch sehr jung: 15. Sie ist ein Jahr älter als ich. Vor einem Jahr haben wir geheiratet.

„Mein Vater hat unsere Beziehung erst akzeptiert, als wir heiraten wollten“

Was waren die Reaktionen eurer Eltern?

Er: Es war sehr schwer am Anfang. Die haben darauf gewartet, dass es vorbei geht. Sie war zwar Muslimin, aber keine praktizierende und eine Nicht-Türkin. Durch eine Freundin in der Schule ist sie konvertiert. Niemand hat unsere Beziehung akzeptiert. Mein Vater und Rabia haben sich vor der Hochzeit zum Beispiel nie getroffen, mein Vater wollte das nicht.

Wie habt ihr darauf reagiert?

Er: Ich habe mit meinem Vater nie darüber geredet. Mein Vater hat auch nie so richtig gefragt. Nachdem meine Mutter gestorben ist, hat er mich in Ruhe gelassen. Er hatte halt gehofft, dass es enden wird. Er wollte nicht mit Rabia reden. Für ihn war unsere Beziehung nicht real. Das war echt schwer. Meine Kollegen wollten das auch nicht akzeptieren, wegen der ganzen Vorurteile.

Sie: Als er und ich einmal in einem Park spazieren waren, hat meine Mutter uns gesehen und er musste abhauen. Meine Mutter hatte damals direkt "Nein" gesagt. Dann hat sie sich mit der Zeit an ihn gewöhnt. Wir haben uns getroffen und sie mit ihm geredet. Dann wurde es lockerer.

Er: Mein Vater kannte sie nicht, ihre Mutter kannte mich nicht. Deswegen hatten sie Vorurteile. Ihre Mutter dachte, dass ich sie schlagen würde, weil ich Türke bin.

Sie: Und sein Vater dachte, dass ich nur sein Geld will und die Imbiss-Läden von seinem Vater.

Wie sieht das dein Vater jetzt, Muhammed?

Er: Mein Vater hat unsere Beziehung erst akzeptiert, als wir heiraten wollten. Da hat er eingesehen, dass es kein Zurück gibt und hat versucht, Rabia kennenzulernen.

Wieso hatten eure Eltern Vorurteile?

Sie: Meine Schwester hatte einen türkischen Freund. Bei ihr hatten sie das lockerer gesehen. Dann wurde sie ungewollt schwanger und seine Familie war nicht besonders gut zu ihr.

Er: Als mein Vater das erfahren hat, hat er zu mir gesagt, dass Rabia bestimmt auch ungewollt schwanger werden wird.

Sie: Als ich Muhammed von meiner Schwester erzählt hatte, hat er mir deutlich gesagt, dass wir zuerst heiraten müssen, bevor wir ein Kind bekommen. Ich kannte das eigentlich so nicht, aber ich war einverstanden.

Welche Rollenbilder herrschen in euren Familien?

Er: Ich habe vier ältere Schwestern. Alle sind verheiratet, haben Kinder und sind Hausfrauen.

Sie: Meine Mutter und meine Schwester arbeiten. Ich bin die einzige, die zurzeit nicht arbeitet. Ich werde immer gefragt, wieso ich nicht arbeite. Aber mit Druck kann man bei mir nichts erreichen. Zur Zeit möchte ich einfach nicht.

Ist "Multikulti" die Zukunft von Morgen?

Er: Ich habe von einigen Leuten aus der Moscheegemeinde gehört, dass ihre Multikulti-Beziehungen gescheitert sind. Ich hoffe, bei uns wird das nicht so. Wenn die Liebe stark ist, hält sie die Beziehung fest.

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