Wir müssen reden.

Freitagmorgen, 7 Uhr 45: Ich sitze im Flugzeug von Berlin nach Frankfurt. Eine Frau mit zwei Kindern steigt ein, als alle schon auf ihren Plätzen sitzen. Es gibt keine freien Plätze mehr nebeneinander. Die Kinder sind unruhig, quengeln

Für die etwa 60 Männer in dunklen Anzügen, die ebenfalls im Flieger sitzen, ist das kein Grund aufzustehen und sich für die Familie umzusetzen. Stattdessen: Böse und genervte Blicke, einige stecken Kopfhörer in die Ohren. Die Familie steht ratlos im Gang.

Diese Situation habe ich nicht nur einmal erlebt. Ich sehe es so und so ähnlich fast jeden Tag: im vollen ICE, in der U-Bahn, im Café. Mütter und Väter mit Kindern werden genervt angeschaut, ein Seufzen, ein Stöhnen, meine Güte, was sind so Kinder doch nervig

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Dabei wird eine an sich schon unangenehme Situation für alle Beteiligten nicht dadurch besser, dass man sich wie ein Vollidiot benimmt. Oder indem man so tut, als könnten die Eltern oder die Kinder etwas dafür oder es selbst nicht anstrengend fänden. 

Denn schaue ich mir die Eltern an, sehe ich eigentlich nie in ihrem Gesicht den Ausdruck, der sagt: Och, voll geil, dass der Simon hier gerade das ganze Flugzeug zusammenschreit, von mir aus kann der das auch noch zwei Stunden weiter machen, ist doch schön!

Ich schaue in gestresste Elterngesichter, in müde, tapfere, aushaltende Gesichter. Ich sehe ihnen an: Das macht keinen Spaß.

Dabei wird eine an sich schon unangenehme Situation für alle Beteiligten nicht dadurch besser, dass man sich wie ein Vollidiot benimmt.
Kathrin Weßling

Was ich auch sehe: Wie sehr sie unter den missbilligenden Blicken der anderen leiden. Wie unangenehm es ihnen ist: Dass ihre Kinder nun einmal Kinder sind, Babys nun mal schreien.

Gäbe es einen Lautstärkeregler für Kinder, ich glaube, die meisten Eltern würden ihn benutzen. Sie würden den kleinen Simon auf zwei runterdrehen, die Schreimaschine anhalten, sich hinsetzen und endlich durchatmen. Aber den Knopf gibt es nicht. Das wissen sie. 

Wer das offenbar nicht weiß: genervte, Anzug tragende Männer in Flugzeugen. Keine Ahnung, ob sie in einer Blase leben, in der sie ihre Angelegenheiten in völliger Stille regeln. Außer, sie müssen selbst einen superwichtigen Call machen. Das geht dann auch kurz vor dem Start der Maschine oder im Ruheabteil der Deutschen Bahn. Da wird dann gelabert und geschrien und geschimpft.

Das ist genauso nervig für alle anderen, wie für sie offenbar die Tatsache, dass kleine Menschen häufig laute Menschen sind. Na ja.

Ja, ich verstehe, dass die hohen und lauten Kindertöne nerven. Wie die meisten Menschen finde auch ich alle anderen lauter, nerviger und schlimmer als mich selbst. 

Gäbe es einen Lautstärkeregler für Kinder, ich glaube, die meisten Eltern würden ihn benutzen.
Kathrin Weßling

Trotzdem schaffe ich es, mir klarzumachen, dass all diese Eltern einen wunderbaren Knochenjob machen und dass sie dafür meinen Respekt verdienen. 

Und der kann manchmal auch einfach darin bestehen, sich die genervten Blicke zu sparen und die Klappe zu halten. Mit gutem Beispiel vorangehen, quasi. Ganz einfach. 

Die Frau in der Reihe vor mir und ich rückten im Flugzeug übrigens zusammen, sodass sich die Mutter auf einen der Plätze vor uns mit ihrer Tochter setzen konnte und wir uns um ihren Sohn kümmerten. Ich spielte mit ihm Karten, er zerdrückte aus Versehen einen Becher und machte mich und sich nass. Wir hatten nicht gerade den Spaß unseres Lebens zusammen. 

Aber ich stieg trotzdem mit einem guten Gefühl aus. Und hatte dabei bestimmt bessere Laune als die Anzug-Idioten im Flugzeug, die eine Stunde lang genervt die Augen verdrehten.


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