Wer bei Dunkelheit durch die Straßen spaziert, kann eigentlich kaum widerstehen: Der Blick wandert durch die erleuchteten Fenstern hinein in die Wohnungen. Man fragt sich: Wie leben die Menschen dort? Wie sieht die Küche aus? Was für eine Lampe steht neben diesem Siebzigerjahre-Sofa?

Wir haben Menschen in Deutschland gefragt, ob sie uns ihre Wohnungen zeigen – und uns verraten, wie viel Miete sie bezahlen. Denn während die Preise in den großen Städten wie Berlin, Hamburg und München steigen (bento), hat häufig Glück, wer nicht in einer Großstadt lebt. 

Dort ist der Wohnungsmarkt etwas entspannter, die Quadratmeterpreise sind niedriger - dafür hat der Kiosk an der Ecke vielleicht nicht die ganze Nacht auf. (Tagesspiegel)

Und trotzdem kann man sich auch hier gemütlich einrichten. Egal, ob gebrauchte Möbel vom Flohmarkt oder der alte Schreibtisch aus Schulzeiten. Hauptsache, es fühlt sich nach zu Hause an. 

Hier zeigen fünf junge Leute, wie sie leben:
David, 23
Zahlt 300 Euro für ein WG-Zimmer in Hildesheim.
(Bild: Privat)

Ich wohne sehr zentral in einer WG in Hildesheim. Wir teilen uns zu viert eine große Altbau-Wohnung, in der mir zwei Zimmer gehören.

Unsere WG liegt im dritten Stock, wir haben hohe Decken und Tageslicht ohne Ende. Für meine beiden Zimmer zahle ich genau 300 Euro. Das ist für Hildesheim relativ viel. Für Das Geld bekomme ich aber fast 40 Quadratmeter.

Das kleinere Zimmer ist knapp elf Quadratmeter groß, ich nutze es als Schlafzimmer.

Im deutlich größeren Zimmer habe ich auf 29 Quadratmetern Platz um zu arbeiten, Musik zu machen und Abends mit meinen Freunden zusammenzusitzen.

An Davids Zimmerdecke hängt ein alter Fallschirm.(Bild: Privat)
Davids separates Schlafzimmer ist elf Quadratmeter groß.(Bild: Privat)

Ich arbeite nebenbei an der Theke einer lokalen Studentenkneipe und verdiene mir so etwas dazu. Außerdem bekomme ich Kindergeld und als Scheidungskind etwas Unterhalt. Abzüglich der Miete bleiben mir so jeden Monat zwischen 300 und 500 Euro.

Davon kaufe ich auch mal etwas für mein Zimmer, am ehesten gebe ich das Geld aber für Lebensmittel und Freizeitaktivitäten mit meinen Freunden aus.

Möbel müssen mir gefallen - nicht neu und teuer sein
David

Den Kleiderschrank habe ich von meiner Vormieterin übernommen. Die restlichen Möbel habe ich mir nach und nach zusammengestellt. Der Schreibtisch stammt noch aus meiner Abizeit. Ich habe außerdem ein gebrauchtes Ikearegal und die alte Couch meines Stiefvaters.

Ich habe kein Problem damit, mein Zimmer mit gebrauchten Möbeln einzurichten. Das macht es richtig gemütlich.

In Hildesheim liegen viele Dinge "zu verschenken" auf dem Bürgersteig und es gibt eine aktive Tauschcommunity. Darüber bin ich zum Beispiel kostenlos an einen alten Ledersessel gekommen

Den alten Ledersessel hat David umsonst bekommen.

Bis auf den Laminatboden ist meine WG meine absolute Traumwohnung. Eigentlich fehlt nur noch ein Probenraum oder ein Studio, in dem ich Tag und Nacht so laut Musik machen kann, wie ich will.

Lea, 21 und Anatoli, 24
Zahlen gemeinsam 525 Euro für ihre Wohnung in Detmold.
(Bild: Privat)

Lea erzählt:
Als wir vor knapp einem Jahr in unsere gemeinsame Wohnung zogen, hatten wir finanziell nicht viele Möglichkeiten. Wir steckten beide noch in der Ausbildung.

Unsere Möbel sind daher bunt zusammen gewürfelt. Einige haben wir neu gekauft, die Küche und das Mobiliar im Wohnzimmer aber von den Vormietern übernommen.

Monatlich habe ich etwa 560 Euro zur Verfügung. Knapp die Hälfte davon, 250 Euro, gehen für die Miete drauf. Ich bin im dritten Lehrjahr meiner Friseurinnen-Ausbildung.

Mein Freund Anatoli arbeitet als Zerspanungsmechaniker und verdient mehr Geld als ich. Deswegen übernimmt er auch anfallende Kosten, die ich von meinem Azubi-Gehalt nicht zahlen könnte. Alleine könnte ich mir die Wohnung also auf keinen Fall leisten.

Das Regal im Wohnzimmer - zu Hause für 30 Mitbewohner. (Bild: Privat)
Auch zwei Geckos kosten Geld. (Bild: Privat)

Mein Highlight in unserer Wohnung ist das Ikea-Regal. Denn es ist nicht einfach ein Regal sondern das zu Hause für unsere Haustiere. Wir teilen unsere Wohnung mit 21 Vogelspinnen, sechs Geckos, zwei Mäusen und einem Skorpion.

Dieses Hobby kostet uns natürlich auch Geld – jedes einzelne Tier kostet Geld. Monatlich geben wir etwa 120 Euro für die Tiere aus. Die meisten Kosten entstehen durch das Futter und den Strom für die Terrarien. Dieses Geld haben wir fest in unsere Ausgaben eingeplant und investieren es gerne in ein schönes zu Hause für die Tiere.

Wir teilen uns unsere Wohnung mit 30 Haustieren.
Lea und Anatoli

Anatoli träumt von einer eigenen Königspython. Auch wenn ich seine Vorliebe für ungewöhnliche Haustiere teile, ist mir eine große Schlange im Moment zu viel. Dazu fehlt auch einfach der Platz.

In unserem Traumhaus wäre Platz für all diese Tiere. Und natürlich für gemeinsame Kinder. Zwei sollen es mindestens werden, vielleicht sogar drei.

Sara, 25
Zahlt 360 Euro für ihre eigene Wohnung in Leipzig.
Sara lebt seit einem halben Jahr alleine und genießt es. (Bild: Privat)

Ich habe viele Jahre in verschiedenen WGs gelebt und das Miteinander dort immer sehr genossen. Doch nach fünf Jahren Zusammenleben mit Mitbewohnern sehnte ich mich nach Ruhe. Seit einem halben Jahr lebe ich nun in meiner eigenen Wohnung.

Meine Wohnung liegt in einer Wohnsiedlung mit vielen Apartmenthäusern. In meinem Gebäude leben ungefähr 30 Parteien, von denen ich aber nicht viel mitkriege.

Für 38 Quadratmeter zahle ich knapp 360 Euro warm. Ich arbeite als Produktionsassistentin und freie Übersetzerin und Texterin und bin finanziell unabhängig von meinen Eltern. Mein Einkommen schwankt von Monat zu Monat, aber die Miete kann ich immer problemlos zahlen.

Zu Saras 38 Quadratemeter Wohnung gehört auch ein Wintergarten. (Bild: Privat)

Meistens bleibt auch genug Geld, um nach und nach die alten WG-Überbleibsel auszutauschen. Dabei ist mir nicht wichtig, dass die Möbel neu sind. Hauptsache ist, dass sie mir richtig gut gefallen.

Für eine Original DDR-Couch habe ich 180 Euro ausgegeben. Dafür musste ich sparen, aber es hat sich gelohnt. Ich finde sie wunderschön und saubequem.

Für die Retro-Couch hat Sara gespart. (Bild: Privat)
Saras Wände sind voll mit Erinnerungen.

Eine schöne und gemütliche Wohnung ist mir wichtig. Ich lege auch Wert auf Kleinigkeiten: Einmachgläser für Gewürze, Kerzen und Pflanzen. Ich kaufe auch mal Holz und Farbe, um mir Möbel selber zu bauen. Die eingerahmten Fotos von meinen Reisen an der Wand sind für mich Erinnerungen und Dekoration zugleich.

Ich sehe meine Wohnung fast jeden Tag, also will ich sie auch schön gestalten.

Alice, 20
Zahlt 200 Euro für ein WG Zimmer in Marklohe in Niedersachsen. Die Wohnung teilt sie sich mit ihrer Mutter.
Alice lebt in einer Mutter-Tochter-WG.(Bild: Privat)

Ich wohne mit meiner Mutter zusammen in einer 60 Quadratmeter Wohnung. Nachdem sich meine Eltern getrennt haben, sind wir gemeinsam in diese Wohung gezogen. Bis heute fühle mich hier sehr wohl. Das Zusammenleben mit meiner Mutter ist wie in einer Mädels-WG.

Wir teilen uns die Miete, zahlen beide etwa 200 Euro monatlich. Ich mache gerade eine Ausbildung zur Sozialassistentin. Dabei verdiene kein Geld und bin daher auf 231 Euro Schülerbafög angewiesen. Außerdem jobbe ich nebenbei in der Gastro, komme aber nicht jeden Monat auf 450 Euro, weil ich für meine Ausbildung viel lernen muss.

Traum erfüllt: Alice eigenes Boxspring-Bett(Bild: Privat)

Meine Mutter übernimmt den Großteil der Kosten für Lebensmittel und Dinge, die im gemeinsamen Haushalt so anfallen. Daher bleibt mir manchmal Geld, um mir einen Wunsch zu erfüllen. Zuletzt habe ich mir ein Boxspring Bett gekauft. Damit bin ich sehr glücklich.

Die restlichen Möbel in meinem Zimmer und der Wohnung sind hauptsächlich von Möbeldiscountern, einige Stücke von Aldi oder Lidl. Ich habe aber auch noch Möbel, die schon in meinem Kinderzimmer standen.

Der gemeinsame Flur der "Mädels-WG"(Bild: Privat)
Auch die Küche teilen sich Mutter und Tochter(Bild: Privat)

Eigentlich lebe ich schon in meiner Traumwohnung. Besonders glücklich bin ich mit meinem eigenen großen Zimmer und unserem Balkon.

Meine Ausbildung dauert noch zwei Jahre. Trotzdem möchte ich bald mit meinem Freund zusammen ziehen. Auch für diese Wohnung kann ich dann nicht mehr zahlen als die 200 Euro, die ich aktuell für die Miete einrechne. Ob sich meine Mutter die Wohnung dann weiter leisten kann, wissen wir noch nicht.

Magdalena, 27
Zahlt 470€ Miete für ein WG-Zimmer in Mannheim.
Magdalena lebt seit zwei Jahren in ihrem Zimmer in Mannheim.(Bild: privat)

Ich lebe mit zwei Mitbewohnern in einem kleinen Haus mitten in der Innenstadt von Mannheim. Hier sind die Straßen gitterförmig angelegt und bilden viele kleine Quadrate. Im Innenhof eines der ältesten Häuser in diesen "Quadraten" liegt unsere WG.

Magdalenas WG liegt in einem kleinen Haus in einem Innenhof.(Bild: privat)

Mein Zimmer ist im zweiten Stock und knapp 23 Quadratmeter groß. Ich habe es möbliert übernommen, da das Treppenhaus in unserem kleinen Haus sehr eng ist. Dort Möbel hochzuschleppen ist fast unmöglich. Es war schon ein Abenteuer, die Umzugskarton in mein Zimmer zu tragen.

Das ist Magdalenas Zimmer.
Das Haus ist alt, die Treppen sind wackelig und der Holzboden knarzt, aber wir fühlen uns wohl.
Magdalena

Das Zimmer kostet monatlich 470 Euro. Die Miete übernehmen meine Eltern. Ohne ihre Unterstützung könnte ich mich nicht so intensiv um mein Studium kümmern, sondern müsste nebenher deutlich mehr arbeiten.

Wenn ich neben dem Studium ein bisschen Zeit habe, verdiene ich mir mit Nebenjobs etwas Geld dazu. Ich gebe hin und wieder Englisch Nachhilfe, arbeite auf Messen oder stehe nachts in Clubs hinter der Bar. Damit komme ich auf auf knapp 450 Euro im Monat.

Von diesem Geld zahle ich vor allem Lebensmittel und Zugtickets, um meine Eltern zu Hause oder meinen Freund in Bayern zu besuchen. Zu meinem Einzug habe ich mir von dem Geld ein paar alte Weinkisten gekauft, um mein Zimmer gemütlicher zu machen.

Auch wenn ich nicht luxuriös lebe – mein Zimmer ist meine persönliche Oase mitten in der Innenstadt.

"Nicht luxuriös, aber ich fühle mich wohl."

Sport

Diese zwei Fußballstars fühlen sich ähnlich behandelt wie Mesut Özil
Sie haben sich fast wortgleich geäußert.

Drei einzelne Erklärungen, insgesamt vier Seiten – so hat Mesut Özil am Sonntag seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. In dem Statement wirft Özil dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel Rassismus vor, der Präsident habe ihn aus dem Team drängen wollen.