Fünf Twitter-Antworten, die nachdenklich machen

Frauen möchten nur ungern im Dunkeln allein nach Hause gehen, sie werden beim Feiern ständig angegraben und können sich nicht vorstellen, ohne Begleitung zu reisen: Wir übertreiben nicht, vielen Frauen geht es wirklich so. 

Das zeigt zum Beispiel der Song "A Scary Time", den die US-amerikanische Sängerin und Tänzerin Lynzy Lab kürzlich bei YouTube und in sozialen Netzwerken hochlud. (bento)

"Ich kann nicht in eine Bar gehen ohne einen Aufpasser, ich kann nach 19 Uhr keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen, ich kann nicht in den Club gehen, um einfach nur mit meinen Freunden zu tanzen", singt sie – und bekam zahlreiche Reaktionen von Frauen, denen es genauso geht. 

Nun zeigt eine weitere Diskussion auf Twitter, wie groß das Problem ist. Eine Nutzerin, Danielle Muscato, die von sich selbst sagt, sie sei Menschenrechtsaktivistin, warf eine Frage in die Runde – die sich mehr als 11.000 Mal teilte:

"Was würdet ihr machen, wenn Männer nach 21 Uhr nicht mehr aus dem Haus dürften?"

Mit dieser Frage traf sie offenbar einen Nerv. Die Antworten darunter zeigen: Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, sind für viele Frauen unmöglich oder angsteinflößend:

"Ich würde gerne im Dunkeln spazieren gehen, ohne mich fast zu Tode zu erschrecken. Der Gedanke daran, irgendwo allein hinzugehen, erscheint mir wie ein Traum. Fühlen sich Typen auch ständig so?"

"Ich würde nicht diese ständige Angst fühlen, wenn meine Töchter außer Sichtweite sind. Ich würde ihnen andere Ratschläge geben, wie sie in dieser Welt leben sollen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie befreiend das wäre. Keine Angst haben, wenn man allein unterwegs ist. Einfach nur genießen, ein Mensch auf der Erde zu sein."

"Tanken. Einige Straßen laufen, ohne zu sprinten/über die Schulter zu schauen/den Handybildschirm leuchten zu lassen/so zu tun, als würde ich telefonieren. Kein Pfefferspray oder eine 'rape whistle' mit mir tragen zu müssen."

"Ich würde aufhören, meine Tage damit zu beginnen, zu planen, wo ich parken muss, um sicher zu meinem Auto zu kommen, wenn der Tag vorbei ist. Ich würde zu all den Orten reisen, die ich schon immer sehen wollte. Ich würde... frei und leicht atmen, die Sterne und die Nachtluft genießen."

"Im Grunde genommen würde ich ohne Angst in der Öffentlichkeit existieren. Überall hingehen, wo ich möchte. Allein, ohne dass meine Mutter und Schwester ausflippen müssen. Zum Strand gehen und den Wellen lauschen, während es still und kühl ist. Mit meinen Freundinnen und Freunden trinken gehen, ohne lange planen zu müssen oder mich einem Risiko auszusetzen." 

"Ich stimme all den anderen Antworten zu und füge noch das hier hinzu – meinen jugendlichen Töchtern nicht beibringen zu müssen, wie sie sich schützen. Oder ihnen nicht süße Pfefferspray-Schlüsselanhänger in ihre Weihnachtssocken legen zu müssen."

Danielle Muscato, die selbst Opfer von Vergewaltigung, Stalking und Belästigung gewesen sein soll, schreibt in einem eigenen Post zu dem Thema: "Wir möchten, dass uns Männer als Menschen wahrnehmen." Das zu erreichen sei nur möglich, wenn Männer anfangen zuzuhören.

Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung kann bei Anstarren beginnen, sie reicht von anzüglichen Bemerkungen, Belästigungen per Telefon oder Internet, Stalking, unerwünschten Berührungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen, einer Vergwaltigung. Eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Europäischen Grundrechteagentur aus dem Jahr 2014. Demnach wurde einer von fünf Frauen nachgestellt, und jede zweite Frau war mit einer oder mehreren Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert. 42.000 Frauen aus 28 Mitgliedstaaten der EU wurden dazu befragt.


Gerechtigkeit

Dieser Song zeigt, wie viel Angst Männer seit #MeToo wirklich haben müssen

Es ist schon hart. Spätestens seit MeToo und der daraus entstandenen Debatte um Frauenrechte und Gleichbehandlung beschweren sich Frauen immer mehr darüber, wenn sie von Männern angegangen werden. Und die armen Männer wissen nicht mal mehr, wie sie Frauen ansprechen dürfen! So zumindest der Tenor in vielen Kommentaren und Artikeln. 

Auch Donald Trump hat das schon festgestellt. Als sein Richter-Kandidat Brett Kavanaugh sich Missbrauchsvorwürfen stellen musste (bento), bemerkte Donald Trump: "It's a very scary time for young men in America." (Hier das Video mit dem Zitat von New York Times)

Das tut auch Lynzy Lab Leid. Und darum hat sie einen Song darüber geschrieben.

Der Song "A Scary Time" von Lynzy Lab zeigt, für wen es eigentlich eine beängstigende Zeit ist.

Nämlich immer noch für Frauen.