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Muriel und Luca erzählen, wie sie mit der "Mental Load" umgehen.

Wenn junge Heteropaare heute Kinder bekommen, nehmen sich viele vor, den Haushalt und die Kindererziehung gleichmäßig aufzuteilen. Statistisch gesehen klappt das eher selten. Frauen verbringen in Deutschland fast doppelt so viel Zeit mit unbezahlter Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen wie Männer (International Labour Organization). Sogar dann, wenn beide in Vollzeit arbeiten (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung).

Noch ungleicher verteilt ist die sogenannte "Mental Load", die mentale Belastung oder unsichtbare Arbeit: Wer hat den nächsten Arzttermin der Kinder auf dem Schirm? Wer denkt schon abends daran, was alles für den Kitaausflug am nächsten Tag gepackt werden muss?

In den meisten Fällen fühlen sich Frauen verantwortlicher als ihre männlichen Partner, wenn es um die Familie geht. Einer Studie zufolge organisierten 88 Prozent der Frauen die Termine und Stundenpläne für die Familie, 74 Prozent verteilten hauptsächlich allein die notwendigen Aufgaben, um den Haushalt am Laufen zu halten, und 78 Prozent der Frauen antworteten, dass nur sie die Lehrerinnen und Erzieher ihrer Kinder kannten. Vor allem gebildete Mittel- und Oberschichtsfrauen hatten an der Studie teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen: Es reicht nicht, wenn der männliche Partner einfach nur im Haushalt mithilft. Allein dafür verantwortlich zu sein, das Familienschiff zu steuern, wirkte sich negativ auf die Lebenszufriedenheit der Frauen aus und führte bei vielen zu einem Gefühl von Leere. 

Muriel, 29, und Luca, 27, leben mit ihren zwei Kindern in Berlin. Sie versuchen, sich die Care-Arbeit gleichmäßig aufzuteilen: Einen Tag kümmert er sich um den dreijährigen Mael und den neun Monate alten Naim, einen Tag sie. Luca studiert, Muriel ist gerade in Elternzeit. Beide finden: Mit der Aufteilung der sichtbaren Arbeit klappt es schon ganz gut, doch bei der unsichtbaren Arbeit wird es komplizierter.

Warum das Bewusstsein über die Mental Load nicht automatisch zu einer gerechten Aufteilung führt, haben sie bento in separaten Gesprächen erzählt.

Luca

Uns die Mental Load gleichmäßig aufzuteilen, klappt noch nicht so gut, Muriel macht auf jeden Fall mehr. Sie ist es meistens, die die zu klein gewordenen Kinderklamotten aussortiert und die neuen aus dem Schrank holt. Sie hat alle Familientermine im Kopf, da bin ich ihr heillos unterlegen. Sie organisiert Geburtstagsgeschenke, kauft eine Karte, schreibt und frankiert sie. Und ich bin oft derjenige, der nur noch seine Unterschrift darunter setzt. Selbst als der Geburtstag meines Vaters anstand, hat sie mich rechtzeitig daran erinnert und mich immer wieder gefragt, ob ich mir schon ein Geschenk überlegt hätte. Das hat ganz sicher auch damit zu tun, was mir selbst vorgelebt wurde: Meine Mutter war immer das Gedächtnis der Familie, auch für meinen Vater.

„Wenn sie nichts sagen würde, würde ich es gar nicht gebacken kriegen.“

Es kann auch sein, dass Muriel manchmal ein bisschen mehr loslassen könnte. Gleichzeitig weiß sie wahrscheinlich: Wenn sie nichts sagen würde, würde ich es gar nicht gebacken kriegen.

Ich denke eher an die technischen Sachen, alles, wo man sich mit Paragrafen und Preisvergleichen herumschlagen muss. Zum Beispiel, dass wir mal den Telefonvertrag kündigen sollten, weil die Konkurrenz günstiger ist. Muriel weiß, glaube ich, gar nicht, was wir da im Monat zahlen. Da schreibt sie mir zu: "Dir macht das doch auch ein bisschen Spaß, und es geht schneller bei dir." Das stimmt – weil ich es schon zehnmal gemacht habe. Genauso läuft es in vielen Dingen andersherum.

„Es geht schließlich um eine Person, die man liebt.“

Ich glaube, manchmal muss man gezwungen sein, Dinge zu machen, weil sie kein anderer für dich macht. Ich musste erst mal einen Geburtstag vergessen und mich dafür schämen, bevor ich angefangen habe, mir eine Erinnerung im Handy zu stellen.

Langsam fängt das an, sich zu ändern. Wir haben jetzt einen Familienkalender, in den ich meine Termine eintrage. Wir hatten auch schon Situationen, wo sie oder ich etwas eintragen wollten, und die andere Person hatte es schon gemacht. Ich habe da neulich den Geburtstag einer Freundin eingetragen, Muriel hat mich nicht daran erinnert und ich hatte dann auch kein Geschenk vorbereitet, aber dafür habe ich den Geburtstagsbrunch gemacht.

An allererster Stelle steht, denke ich, eine feministische Kritik. Als die Person, die weniger am Mental Load trägt, muss man schon den Anspruch haben, die Partnerin oder den Partner zu entlasten. Es geht schließlich um eine Person, die man liebt.

Muriel

Ich habe das erste Mal durch Luca von dem Begriff "Mental Load" gehört. Er hatte eine Tabelle gefunden, die man gemeinsam ausfüllen kann, um die unsichtbare Arbeit sichtbarer zu machen. Dann war ich ein paar Mal diejenige, die das ansprach: "Wollten wir nicht mal diese Tabelle ausfüllen?" Dann hieß es: "Das ist jetzt schon eher anstrengend, wollen wir nicht lieber einen Film gucken?". Wir haben das bis heute nicht gemacht. 

„Ich neige sonst eher dazu, mich selbst zu hinterfragen.“

Davon abgesehen reden wir aber regelmäßig: Wie geht es dir? Wie geht es uns als Paar? Wie geht es uns als Familie?

Mit der Care-Arbeit läuft es ganz gut, aber gerade in puncto Mental Load übernehme ich noch mehr: Kommunikation mit unseren Familien, Treffen organisieren, Züge buchen, neues Brot auftauen. Ich habe schon das Gefühl, dass mir das alles leicht fällt und ich es eher nebenbei mache. Aber ich bin auch überzeugt, dass ich das so gelernt habe als Frau. Mein Vater war vollzeitberufstätig, meine Mutter hat sich alleine um drei Kinder gekümmert. Ich habe immer viel Anerkennung dafür bekommen, mich um andere zu kümmern.

Ich habe eigentlich immer schon die nächste Woche im Kopf. Das hat schon oft zu Konflikten geführt. Luca hat es genervt, wenn ich abends noch mit Orga-Zeug für die nächste Woche ankomme, weil ich planen will. Aber irgendwann müssen wir das besprechen, es geht uns ja beide an. Es hat uns geholfen, das klar zu benennen: Jetzt reden wir 10 Minuten über Organisation.

Ich neige sonst eher dazu, mich selbst zu hinterfragen. Mich mit dem Thema Mental Load zu beschäftigen, hat mir geholfen, mehr bei mir zu bleiben.

„Ich gehe jetzt öfter mal ins Café.“

An meinen kinderfreien Tagen fällt es mir oft schwer, loszulassen. Wenn Luca einkaufen geht, sage ich oft: "Wir brauchen noch das und das." Dadurch verlässt er sich vielleicht auch darauf, dass ich mitdenke. Inzwischen habe ich aber aufgehört, ihm den Wickelbeutel zu packen – und erinnere mich selbst immer wieder: Es ist nicht so schlimm, wenn er etwas vergisst. Aber wenn Naim weint, muss ich mich immer noch bewusst zurückhalten, nicht einzuschreiten. Mir fällt das viel leichter, wenn wir räumlich getrennt sind. Deshalb gehe ich jetzt öfter mal ins Café. Dadurch lernt Luca auch, selbst an Dinge zu denken.

Wenn ich nachts stille, steht Luca morgens früh mit den Kindern auf, damit ich noch länger schlafen kann. Wir bedanken uns dann immer beieinander: Danke fürs Frühstück machen. Danke, dass du nachts gestillt hast. Seit Luca sich mehr mit Mental Load beschäftigt, bedankt er sich öfter, oder entschuldigt sich. Das macht einen Unterschied – wenn man sich gesehen fühlt.


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