Bild: flickr.com / Menstruationstasse.net / CC BY
Warum du der Menstruationstasse eine Chance geben solltest.

"Menstruationstasse.“ Das Wort klingt nicht sonderlich sexy. "Tampon" klingt viel weicher. Da schwingt französische Eleganz mit. Die Periode steht allerdings selten für Eleganz. Auf dem Markt für Hygieneprodukte gab es in den letzten 60 Jahren nicht viel Bewegung. Jetzt passiert etwas: Die wiederverwendbare Menstruationstasse schleicht sich in die Badezimmer. Neu ist sie nicht: Erste Modelle gibt es bereits seit den dreißiger Jahren. Der große Durchbruch lässt aber auf sich warten.

Warum sich der Umstieg lohnt?

1. Der Schlüpfer bleibt schön

Der Künstler und Satiriker Saint Hoax zeigt Disney Prinzessinnen mit Blutflecken. Er möchte, dass die Periode nicht als peinlich, sondern als natürlich wahrgenommen wird.

Schwupps, schon wieder vier Wochen vorbei und die Lieblingsunterhose leidet. Weil die Menstruationstasse die Schleimhäute nicht austrocknet, kann sie auch schon vor Beginn der Periode eingesetzt werden. Die Lieblingsunterwäsche bleibt unbefleckt. Frauen berichten, dass mit der Menstruationstasse seltener etwas daneben geht. Sie hält auch dann noch dicht, wenn sie voll ist.

2. Kein stinkiger Mülleimer mehr
(Bild: flickr.com / la vaca vegetariana / CC BY-SA)

Im Mülleimer entwickelt sich durch gebrauchte Tampons und Binden ein unangenehm modriger Geruch. Der entsteht durch die Bakterien im Blut, die mit Sauerstoff anfangen zu arbeiten und das Blut zersetzen. Bei der Menstruationstasse wird der Inhalt einfach ins Klo gekippt und der üble Geruch hat keine Chance.

3. Spontan unterwegs sein
(Bild: flickr.com / Dave Catchpole / CC BY)

"Mist! Tampons vergessen." Vielleicht können die Kolleginnen aushelfen. Im schlimmsten Fall hilft nur noch Toilettenpapier und in der Mittagspause steht ein Ausflug in die Drogerie an. Mit der Menstruationstasse gehört die Mittagspause dem Mittagessen.

Während der Periode wird das gesammelte Blut in der Tasse einfach in die Toilette gekippt. Danach die Menstruationstasse kurz unter klarem Wasser abspülen und wieder einsetzen. Gynäkologen der Witwatersrand Universität in Johannesburg haben in einer Studie Tampons, Binden und Menstruationstassen verglichen. Die Menstruationstasse war klarer Sieger in Sachen Komfort, Aufnahmekapazität und Qualität.

4. Sich seltener kümmern müssen
(Bild: flickr.com / Lauren McKinnon / CC BY)

Während der Periode verlieren Frauen zwischen 50-150 ml Blut, Gewebereste und Schleim. Je nach dem, wie stark die Tage sind, kann der Tamponwechsel zur organisatorischen Großaufgabe werden. An den stärksten Tagen alle 1-2 Stunden eine Toilette zu organisieren, das ist nicht immer leicht. Die Menstruationstasse nimmt bis zu 30 ml Blut auf und muss am Tag nur 2-3 Mal entleert werden. Da bleibt mehr Zeit für die wichtigen Sachen im Leben – zum Beispiel Nr. 5.

5. Anderen Frauen helfen
Kenianische Frauen lernen die Menstruationstasse kennen.(Bild: flickr.com / SuSanA-Secretariat / CC BY)

Einige Anbieter von Menstruationstassen spenden einen Teil der Einnahmen an Projekte, die Frauen helfen, ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben zu führen. AvaLoona unterstützt zum Beispiel den gemeinnützigen Hamburger Verein Terre des Femmes. RubyCup spendet für jede verkaufte Menstruationstasse eine weitere an ein kenianisches Mädchen.

In vielen Teilen der Welt ist die Regelblutung stark stigmatisiert und der Zugang zu Hygieneprodukten schwierig. Wenn das Entsorgungssystem dazu nicht funktioniert, führen Wegwerfprodukte zu weiteren Problemen. Das hat ein internationales Wissenschaftsteam im südafrikanischen Durban untersucht. Schon mal auf einer öffentlichen Toiletten vergeblich nach dem Mülleimer gesucht? Mit der Menstruationstasse kannst du ein feministisches Zeichen setzen und Frauen weltweit unterstützen.

6. Grüner leben
(Bild: flickr.com / Martin Fisch / CC BY-SA)

Verpackungsfreie Supermärkte poppen gerade in den Großstädten auf. Nudeln, Cornflakes und Joghurt werden in wiederverwendbaren Behältern verkauft. Die meisten Frauen nutzen bei der Monatshygiene aber (noch) Wegwerfprodukte.

Da kommt einiges zusammen: Dauert die Periode eine Woche, muss mit mindestens 21 Tampons gerechnet werden (natürlich ist das je nach Frau sehr individuell). Eigentlich muss der Tampon alle acht Stunden gewechselt werden, besser noch alle drei bis sechs Stunden. Bei einer stärkeren Regelblutung steigt die Zahl der verbrauchten Tampons an. Dazu kommen Ressourcen wie Wasser, Bleichmittel und Plastikverpackungen, die bei der Herstellung benötigt werden. Menstruationstassen sind wiederverwendbar und umweltfreundlich.

7. Geld sparen
„Während der maximalen Lebensdauer der Menstruationstasse können so einige hundert Euro gespart werden. Wie wär’s mit neuen Schuhen?“

Eine Menstruationstasse kostet zwischen 15 und 30 Euro. Bei regelmäßiger und gründlicher Pflege kann sie bis zu zehn Jahre (!) verwendet werden. Sind die Tage vorbei, wird die Tasse kurz ausgekocht und bis zur nächsten Periode in einem Stoffbeutel aufbewahrt. Binden und Tampons kosten im Jahr etwa 50 Euro.
8. Die eigene Gesundheit schützen
Viele Frauen klagen über ausgetrocknete Schleimhäute und Juckreiz während der Periode.(Bild: flickr.com / Jason Pettitt / CC BY)

Das Toxische Schocksyndrom, kurz TSS ist die gefährlichste Nebenwirkung von Tampons. Diese bakterielle Infektion tritt zwar sehr selten auf, kann aber lebensgefährlich sein. Eine viel häufigere Erscheinung während der Tage: Ausgetrocknete Schleimhäute. Gerade an den leichteren Tagen, wenn nicht mehr so viel Blut fließt, trocknen Bleichmittel in der Tamponwatte die empfindliche Schleimhaut aus.

Juckreiz und sogar Pilzinfektionen können die Folge sein. Binden fördern ebenfalls ein bakterienfreundliches Klima durch einen Hitzestau. Das medizinische Silikon in der Menstruationstasse lässt die Schleimhaut in Frieden und der Juckreiz bleibt aus. Bisher ist noch kein Fall von TSS im Zusammenhang mit der Menstruationstasse bekannt. Die Zahl der Bakterien auf der Oberfläche ist sogar geringer als bei anderen Hygieneprodukten.

9. Das Körperbewusstsein steigern
(Bild: flickr.com / Jaan / CC-BY)
Je besser ich meinen persönlichen „Normalzustand“ kenne, desto besser kann ich Abweichungen erkennen und auf sie reagieren. So ist das auch bei der Periode. Mit Tampon und Binde verschwindet das Menstruationsblut erst im Wattebausch und dann im Mülleimer. Wie viel Blut das ist, welche Konsistenz und welche Farbe das Blut hat, ist schwer nachzuvollziehen. Mit der Menstruationstasse rückt das Menstruationsblut ins Sichtfeld und Frauen lernen den Verlauf der persönlichen Periode besser kennen.
Fazit

Bei so vielen Vorteilen gibt es natürlich auch Nachteile. Besonders das Einsetzen und die Reinigung der Menstruationstasse wird von Frauen als störend empfunden. Langzeitstudien darüber, wie sich die Menstruationstasse im Alltag bewährt, gibt es bisher nicht.

Auf öffentlichen Toiletten möchte man eventuell nicht die Tasse am gemeinsamen Waschbecken ausspülen. Für solche Momente gibt es allerdings einfache Tricks: Eine kleine Flasche Wasser in der Handtasche hilft und zur Not tut es auch ein bisschen Klopapier zum Auswischen.

Vielleicht verändert sich auch der Umgang mit der Periode durch die Menstruationstasse. Bisher halten Frauen ihre Menstruation am liebsten geheim. Nur wenige Frauen und Männer sprechen darüber. Bald fragen wir vielleicht in der Club-Toilette nicht mehr nach einem Tampon, sondern waschen gemeinsam unsere Menstruationstassen aus.

Ausprobieren lohnt sich. Was hast du schon zu verlieren?