Bild: Nhia Moua/Unsplash

Den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, zwischendurch Assistenzärzte bei der Visite zusammenfalten, jede Menge Geld verdienen: So stellen sich viele das Leben einer Chefärztin vor. Vielleicht auch einige Abiturientinnen und Abiturienten bei der Bewerbung fürs Medizinstudium. An der Uni angekommen, dürften sie allerdings schnell merken: Bis man auch nur als Assistenzarzt in einem Krankenhaus anfängt, ist der Weg lang.

Für Medizinstudierende beginnt er im Präpariersaal. Der Präparierkurs ist Teil der Anatomie-Ausbildung und findet meist direkt zu Anfang des Studiums statt und dauert mehrere Monate. 

In Gruppen wird den Studierenden jeweils eine Leiche zugeteilt, die sie Woche für Woche, Stück für Stück zerlegen, also präparieren. Sie verbringen viele Stunden mit dem Körper, lernen an ihm das Innere des Menschen kennen und setzen zum ersten Mal ein Skalpell an.

Wir haben eine Medizinstudentin gefragt: Wie ist die Arbeit mit der Leiche? Hat sie sich geekelt? Oder eine Beziehung aufgebaut? Wie war der Abschied?

Elena*, 23, studiert im siebten Semester Medizin.

Mir war bewusst, dass ich während des Medizinstudiums viele innere Schweinehunde überwinden muss. Das Arbeiten mit menschlichen Leichen gehört dazu.

Sechs Wochen nachdem die Uni begonnen hatte, sah ich das erste Mal einen toten Menschen.

Das war im Vorlesungssaal. Neben mehr als 200 anderen Erstis, denen es wohl genauso ging wie mir, inspizierten unsere Dozenten das Äußere eines "Körperspenders". So nennen wir die Leichen. Wir starrten auf die Dozenten, die abgeklärt die Todesursache und die Umstände feststellten. Mir gefiel es, dass wir nicht direkt und aus nächster Nähe damit konfrontiert, sondern langsam herangeführt wurden. Ich habe gedacht: "Wow, das ist krass. Ab nächster Woche muss ich das selbst machen - ich weiß nicht, ob ich dafür schon bereit bin.

Dann stand der erste Tag im Präp-Saal an. In Fünfergruppen bekamen wir "unsere" Körperspender zugeteilt. 

Wir wussten nur das Alter, das Geschlecht und die Todesursache der Person, keine weiteren persönlichen Details, wie etwa den Namen. Nach dem Tod kommen die Körperspender in ein Formalin-Bad. Dadurch verwesen sie nicht und fangen auch nicht an zu riechen – obwohl sie zu Beginn des Präp-Kurses schon etwa neun Monate tot sind. 

Auf unseren Präp-Tischen liegen nur Menschen, die zu Lebzeiten eingewilligt haben, dass ihr Körper von Medizinstudierenden präpariert werden darf. Außerdem müssen sie eines natürlichen Todes gestorben sein, also an Altersschwäche oder inneren Defekten. Deshalb sind die Toten auf den Tischen meistens 70 Jahre oder älter geworden. Wenn eine Familie, trotz Einwilligung der verstorbenen Person, nicht möchte, dass die Leiche zum Präppen verwendet wird, gilt der Wille der Lebenden vor dem des Toten

Als ich das erste Mal die Decke, mit der der Körperspender bedeckt war, beiseite zog, hatte ich ein flaues Gefühl im Magen.

Das erste Anfassen und Wenden eines toten Menschen werde ich nie vergessen. Es ist anders, als ich mir das durch "Scrubs" oder "Grey's Anatomy" vorgestellt habe. Vor mir lag eine Frau, die 85 Jahre alt geworden war. Man konnte einen großen Tumor erkennen. Die genaue Todesursache darf ich aber nicht sagen – aus Patientenschutz-Gründen.

Es war heftig. Aber die Neugier und das Interesse haben bei mir am Ende überwogen. Es gab auch sonst niemanden, der sich übergeben musste oder "weggeklappt" ist. So sagen wir zu "in Ohnmacht fallen".

Das lag sicher auch an der guten Vorbereitung durch unsere Dozenten. Durch Bilder, Gespräche und Informationsveranstaltungen wussten wir alle, was auf uns zukommt. Ich hatte das Gefühl, in einem sicheren Raum zu sein, wo es nicht schlimm ist, wenn man nicht gleich damit klarkommt, einen toten Menschen zu sehen. Dank dieser Sicherheit fiel es mir leichter, mich der Körperspenderin anzunähern. Von anderen Unis kenne ich Geschichten, wo Studenten einfach ins kalte Wasser geschmissen werden.

Damit wir Schritt für Schritt den Aufbau des menschlichen Körpers kennenlernen konnten, entfernten wir zunächst, mit Skalpell und Pinzette, die oberste Hautschicht der Körperspenderin. Es war anfangs komisch zu sehen, was ich nur aus einem Buch kannte. Aber ich konnte das Wissenschaftliche gut vom Emotionalen trennen. Das wird mir bestimmt auch in Zukunft in dem Job noch helfen. 

Man blendet irgendwann aus, dass irgendetwas eigentlich "eklig" oder "komisch" sein sollte, sondern funktioniert mit dem Bewusstsein, dass man Menschen hilft.

Nach der Haut präppten wir dann die Fettschicht darunter ab, damit wir die Muskeln sehen konnten. Das sah aus wie im Anatomiebuch, bloß in 3D. Die Haut und das Fett, dass wir abgepräppt hatten, musste in eine Kiste, die unter dem Tisch stand. Alle Teile des Körperspenders müssen immer zusammenbleiben, damit man im Anschluss eine angemessene Bestattung garantieren kann - so ist die Regel. 

Einige Wochen später fingen wir an, den Körper aufzuschneiden, um die Organe zu sehen und kennenzulernen.

Was andere Menschen wahrscheinlich anekelt, konnte ich gar nicht abwarten.

Endlich durfte ich in echt sehen, was ich vorher nur aus Büchern kannte. Es ist echt irre, dass alle Menschen von innen gleich aussehen. Eine schöne Erkenntnis, finde ich. Gerade, wenn man manchmal hört, dass Personen sich aufgrund ihrer Ethnie für etwas Besseres halten.

Von November bis Juli stand ich jede Woche mehrere Stunden am Präp-Tisch. Gegen Ende des Kurses war ich froh, dass das Ganze vorbei war, und damit auch die "Testate", also Protokolle: Unsere Erkenntnisse aus dem Kurs wurden regelmäßig abgefragt. 

Ein paar meiner Gruppenmitglieder beschäftigte die Sache mit unserer Körperspenderin sehr. Ich erinnere mich, dass ein Kommilitone damals meinte: "Wir gehen jetzt für immer weg von hier und sehen die Person nie wieder. Muss man sich nicht irgendwie verabschieden?"

Auch das hatte die Uni bedacht. Körperspender werden immer eingeäschert, denn sie würden durch die Formalin-Fixierung in einem normalen Sarg niemals verwesen. Deswegen gab es kein Begräbnis, sondern einen riesigen Gedenkgottesdienst. Die Trauerfeier war angenehm. Wir Studenten trafen in großer Runde auf die Angehörigen der Verstorbenen und hatten die Möglichkeit, uns auszutauschen und von unseren Erkenntnissen zu berichten. Der Uni-Chor sang und der Pastor hielt eine kurze Andacht. Danach wurden die Namen der Körperspender vorgelesen. 

Auch, wenn ich nicht weiß, welcher Name zu 'unserem' Körper gehörte, war es ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ich ihn gehört habe.

Ich selbst musste nach meiner Präp-Zeit häufig über das Körperspenden nachdenken und habe schließlich beschlossen, meinen Körper nach meinem Tod nicht einer Universität zur Verfügung zu stellen. Ich hätte das bei meiner eigenen Oma zum Beispiel auch nicht gewollt. Der Gedanke, dass man komplett nackt und entblößt dort liegt, während die Angehörigen darauf warten, Abschied nehmen zu können, gefällt mir einfach nicht. Das macht meinen Respekt vor den Menschen, die sich für eine Körperspende entscheiden, aber nur noch größer.

*Name geändert – der echte Name ist der Redaktion bekannt.


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