Bild: Handout Warner Bros

Es ist, als ob du beim Aufräumen zufällig ein Foto von dir und deinem Ex findest. Ihr beide damals beim Baden am Gardasee. Du schaust in das lächelnde Gesicht, dein Magen zieht sich zusammen. Hach, war schon ein guter Typ.

Mein Fotoalbum heißt “Soloalbum”. Der Film, bei dem ich mich in Matthias Schweighöfer verliebte. Er spielte den schludrigen Musikjournalisten, der seiner großen Liebe nachtrauert und ihr am Ende ein Buch schreibt, um sie zurückzuerobern.

Ich spielte die 15-jährige Romanze an seiner Seite, die mit ihm über den roten Teppich ging.

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Du erschienst so lässig, witzig, unbeholfen, dachte ich, als ich am Samstagabend die zugestaubte DVD in den Fernseher schob. Du warst für mich eine Version des coolsten Typen aus der Oberstufe, in berühmt.

Was ich am besten fand? Wie du dich in Interviews über dich selbst halb totgelacht hast: Du warst dick als Kind, wurdest gehänselt? Kein Problem. Um den Bauch zu verstecken, hast du immer den Rücken rund gemacht. Bis heute ist die Haltung so geblieben – nur der Bauch ist weg. Auch ich konnte nicht aufhören zu lachen, als du die Bewegung vor der Kamera nachgemacht hast.

Du warst nicht einer dieser abgehobenen Schauspieler, der gleichzeitig noch Produzent und Regisseur sein wollte. Mein Schatz, mit dir wollte man abends in der Kneipe abhängen, bis der Wirt einen rausschmeißt, und danach noch auf die Suche nach einem geöffneten Dönerladen gehen.

Du warst mein Leonardo DiCaprio – irgendwie niedlich, irgendwie auf Herzschmerz-Geschichten abonniert, aber mit Potenzial für die ganz großen Rollen. Nachdem du in "Der Rote Baron" den Held der deutschen Fliegertruppe im ersten Weltkrieg mimtest und Tom Cruise als Stauffenberg in "Operation Walküre" verrietest, sah ich dich in Hollywood. Ich wäre natürlich mit dir gegangen.

Wir waren so glücklich. Das dachte ich zumindest.

Jetzt veröffentlichst du ein Musikalbum.

“Lachen, Weinen, Tanzen” heißt es. Ja, vor allem zum Weinen ist das.

Du klingst wie Tim Bendzko und Andreas Bourani, in deinen Filmen machst du nur noch den Schweiger.

In der Slideshow: Matthias Schweighöfer bei Instagram

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Wo bist du hin, Matthias, mein schludriger Musikjournalist, mein Kneipen-Homie, mein Witzereißer, mein Lieblingsschauspieler?

Du hast jetzt keine Augen mehr für mich. Du sitzt jede zweite Woche bei deinem besten Kumpel Joko auf dem “Circus Halligalli”-Sofa und machst Werbung für irgendein neues Projekt. Eine Amazon-Serie. Ein eigenes Musiklabel. Eine eigene Modelinie. Nein danke, ich kaufe nichts und dir das nicht ab.

(Bild: dpa/ Jörg Carstensen)

Wie sahst du noch gleich als Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki oder als intriganter Adelssohn im "Tatort" aus? Ich kann mich kaum noch erinnern. Jetzt sehe ich dir zu, wie du im Bett liegst und dir ein Frettchen in den Penis beißt – im Trailer zu deiner Eigenproduktion "Vaterfreuden". Hast du mal daran gedacht, dass ich dieses Bild nie wieder aus meinem Kopf kriege.

Wahrscheinlich hätte ich mit 15 zu “Soloalbum”-Zeiten auch noch darüber gelacht. Aber ich hab mich weiterentwickelt und du. Du bist irgendwie stehen geblieben.

Es ist eben, wie wenn du beim Aufräumen zufällig das Fotoalbum von dir und deinem Ex findest. Nach dem Stich ins Herz kommt die Erkenntnis: Alles gut so.

Wir passen einfach nicht mehr zusammen.

Was Schweighöfer jetzt alles so macht:


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