"I'm gonna start a revolution from my bed." Der Oasis-Song "Don't Look Back in Anger" wurde in den vergangenen beiden Wochen zu einer Art Hymne gegen den Terror. Einem Lied, das nicht nur den Widerstand gegen Gewalt vieler zum Ausdruck brachte, sondern auch eine tröstende Botschaft verbreitete: Wir lassen uns nicht unterkriegen. 

Es begann wohl bei einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in Manchester. Eine Frau stimmte den Indie-Klassiker aus den 90ern an:

Wenig später sang auch die aus Manchester stammende Indie-Band Courteneers das Lied gemeinsam mit ihren Fans. Zuletzt brachte Coldplay-Frontmann Chris Martin das Lied beim Benefizkonzert von Ariana Grande für die Opfer des Anschlags, 50.000 Menschen vor der Bühne stimmten ein (bento). Ein Gänsehaut-Moment, wie es ihn nur selten gibt:

Chris and Jonny perform Don't Look Back in Anger for Ariana Grande and the people of #OneLoveManchester

Posted by Coldplaying on Sunday, June 4, 2017


Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen nach Terroranschlägen ihre Stimme erheben und singen. 

Als Besucher am ersten Juni-Wochenende nach einer Terrorwarnung das Festivalgelände von Rock am Ring verlassen mussten, sangen sie "You'll Never Walk Alone":

Auch nach dem Terroranschlag im Dezember am Berliner Breitscheidtplatz in Berlin stimmten Menschen gemeinsam "Stille Nacht, heilige Nacht" an. (Welt)

Warum neigen wir dazu, in solchen Momenten zu singen?
(Bild: Andreas Heye)

Darüber haben wir mit dem Musikwissenschaftler und Musiktherapeuten Andreas Heye von der Universität Paderborn gesprochen. 

Was bringt Menschen dazu, im Angesicht des Terrors zu singen?

"Singen entfaltet eine Gruppendynamik: Es ist ein gemeinschaftliches Event, das nach traumatischen Ereignissen wie Terroranschlägen Menschen Trost und Zusammenhalt stiften kann. Dabei ist es dann relativ zweitrangig, was gesungen wird. Es geht vor allem um das Gefühl von Zusammenhalt."

So feierten die Fans beim Benefizkonzert von Ariana Grande in Manchester:
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Es ist also völlig egal, welches Lied gesungen wird? Bei Oasis geht es um eine zerbrochene Liebe.

"Musik löst bei Menschen Emotionen aus. Diese sind zwar von Mensch zu Mensch und je nach Situation total unterschiedlich. Häufig identifizieren sich die Menschen jedoch in den Momenten mit der Musik oder dem Text, wie jetzt mit der Zeile "Don't Look Back in Anger" von Oasis. Oft passt auch die Band: Oasis kommen ja zum Beispiel aus Manchester. "

"You'll Never Walk Alone" ist aber ja eigentlich eine Fußballhymne...

"Ja, aber die wurde auch von den Toten Hosen interpretiert, die beim Rock am Ring auftraten. Damit entspricht der Song auch den Musikpräferenzen vieler Besucher des Rock am Ring Festivals."

Singen hat eine angstmindernde Wirkung
Andreas Heye
Kann man mit Singen auch gezielt Ängste bekämpfen?

"Man hat herausgefunden, dass beim Hören von Musik, die Gänsehaut auslöst, Glückshormone ausgeschüttet werden. Das Belohnungszentrum im Gehirn wird aktiviert und die Aktivität des Angstzentrums reduziert – Musik hat also definitiv eine angstmindernde Wirkung. Das sieht man ja auch schon daran, dass man oft automatisch anfängt zu summen oder zu pfeifen, wenn man sich alleine fühlt – etwa wenn man in einen dunklen Keller geht." 

Und funktioniert das auch bei Menschenmassen wie bei Rock am Ring? Geht diese Dynamik so weit, dass sie Panik verhindern?

"Wissenschaftliche Studien zeigen einen beruhigenden Effekt von Musik auf den Menschen. Zudem trägt der Rhythmus der Musik zur Synchronisation von Bewegungen bei – wie etwa beim Tanzen. Deshalb ist es gut vorstellbar, dass das Rudelsingen auch förderlich gegen eine Massenpanik sein kann, vorausgesetzt die Mehrheit lässt sich darauf ein."


Gerechtigkeit

Das sagen junge Briten ein Jahr nach der Brexit-Entscheidung
Wir haben sie vor der Parlamentswahl noch einmal gefragt

Am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament. Eigentlich wäre es noch gar nicht Zeit gewesen für eine Wahl, die letzte fand schließlich erst vor zwei Jahren statt. Aber Premierministerin Theresa May wollte es so: Sie hofft auf eine große Mehrheit für ihre konservative Partei – und damit eine starke Machtposition für die anstehenden Brexit-Verhandlungen.

Tatsächlich sah es erst so aus, als würden Mays Tories haushoch gewinnen. Doch in den vergangenen Wochen hat die Labour-Partei unter Jeremy Corbyn aufgeholt, vor allem junge Wähler unterstützen den Linken (bento).