Bild: Laura Moneke
Influencerin und Comedienne Mademoiselle Nicolette im Interview

Liebe, Partnerschaft, Sex – das sind die bevorzugten Themen von Mademoiselle Nicolette. Auf Instagram beantwortet die 32-Jährige die Fragen ihrer Followerinnen und Follower mit viel Witz und wenig Tabus. 

Auch um ihr Äußeres geht es in ihren Beiträgen oft. Aufgespritzte Lippen, geliftete Augenbrauen und ein von der Chirurgie geformter Körper – Mademoiselle Nicolette macht kein Geheimnis daraus, dass sie von Kopf bis Fuß "gemacht" ist. Ihre Follower nimmt sie quasi mit in den OP, die schmerzhafte Zeit unmittelbar danach können sie ebenso hautnah miterleben. 

Im Interview mit bento spricht Mademoiselle Nicolette darüber, warum Body Positivity und Schönheitschirurgie für sie kein Widerspruch sind.

(Bild: Laura Moneke)

bento: Nicolette, du bist Sex-Vloggerin, Influencerin und Comedienne. Habe ich etwas vergessen?

Mademoiselle Nicolette: Ja, ich bin auch Unternehmerin. Ich habe meine Finger in ein paar Unternehmen. Welche das sind, möchte ich nicht verraten, weil ich möchte, dass die unabhängig von meiner Social Media-Präsenz erfolgreich sind. 

bento: Ein Thema, das du bei Instagram sehr offen besprichst, ist plastische Chirurgie. Wie viele Operationen hattest du bisher?

Nicolette: 20.

bento: Gleichzeitig stehst du auf deinem Account ein für Body Positivity, indem du predigst, dass man sich nicht von einem Schönheitsdiktat unter Druck setzen lassen sollte. Wie passt das zusammen?

Nicolette: Es gibt ja kein Buch, in dem geschrieben steht, wie ich mich wohlzufühlen habe und was Body Positivity ist. Am Ende des Tages ist das Ziel, dass man sich selber leiden kann, egal ob Mann oder Frau. Es gibt Menschen, die haben irgendwas am Körper, das sie gerne verändern möchten. Irgendein Körperkult wird immer betrieben. Ob das jetzt der Friseurbesuch oder Sport oder tatsächlich eine Operation ist. 

Wenn du am Ende mit dir cool bist und dein Leben dadurch an Qualität gewinnt, weil du dich wohl in deiner Haut fühlst, dann, glaube ich, ist das Body Positivity. Ich kann andere Frauen ganz toll finden, die natürlich sind oder komplett anders aussehen als ich. Aber für meinen Geschmack habe ich meine eigenen Vorstellungen, wie ich aussehen möchte, und das setze ich konsequent um.

bento: So eine OP ist ein ziemlicher harter Eingriff in den eigenen Körper. Gibt es nicht einen Punkt, an dem man Halt machen muss, um dem Körper nicht zu viel zuzumuten?

Nicolette: Es ist nicht so, dass diese Operationen spurlos an mir vorbeigehen. Ich werde ja auch nicht jünger. Die Wundheilung funktioniert irgendwann nicht mehr so wie mit 19 Jahren. Diese ganzen Vollnarkosen und Schmerzmittel. Die Bettlägerigkeit und die Zeit, in der du dich regenerierst, wird mit jedem Jahr immer länger. Mein Körper ist schon richtig in Mitleidenschaft gezogen von diesen ganzen Operationen. Nach außen sieht das ganz toll aus, aber die Narben sieht keiner. 

Dann denke ich mir natürlich manchmal, musste das sein? Wie weit kann ich noch gehen, bevor mein Körper das nicht mehr so mitmacht?

bento: Gibt es Eingriffe, die du bereust?

Nicolette: Ja, ohne Ende. Gott sei Dank ist noch nie was richtig schiefgelaufen. Aber im Nachhinein frage ich mich schon, ob die zweite Po-Vergrößerung im letzten Jahr, fünf Monate nach der ersten, wirklich nötig war. Und musste ich die Brüste beim dritten Mal so riesig machen lassen?

(Bild: Laura Moneke)

bento: Große Brüste, volle Lippen: Ist das nicht auch ein Schönheitsideal, das sich vor allem am vermeintlichen Geschmack von Männern orientiert?

Nicolette: Es nervt mich, wenn man mir vorwirft, ich richte alles danach aus, dem anderen Geschlecht zu gefallen, sei es die Optik oder meine Handlungen. Ich würde mich selber aufgeben, um es meinem Mann recht zu machen, sagt man mir nach. Dabei vergessen viele, dass ich selbst etwas auf die Beine gestellt habe. Mein erfolgreicher Instagram-Account, meine Karriere als Comedienne, mein Dasein als Geschäftsfrau – das, was ich erreicht habe, habe ich ohne die Hilfe eines Mannes geschafft. 

bento: Würdest du dich selbst als Feministin bezeichnen?

Nicolette: Auf meine Art, ja. Ich vertrete ganz altmodische Werte, was die Rolle der Frau betrifft. Ich bekoche meinen Mann gerne und mache den Haushalt. Viele werfen mir deshalb vor, ich sei antifeministisch. Aber ich kann ja nur von meiner Wertevorstellung für mein eigenes Leben sprechen – das, was mir gut tut und zu meinem Leben passt. In einer Partnerschaft übernehme ich sehr gerne die klassische Rolle der Frau. Damit fühle ich mich wohl, vergesse aber dennoch nicht, dass jeder das tun muss, wonach ihm ist.

bento: Also ist für dich auch Feminismus und Schönheitschirurgie kein Widerspruch?

Nicolette: Ich glaube, dass viele Feministinnen sich nicht bewusst darüber sind, was das Wort wirklich bedeutet. Eine Sache, für die sich der Feminismus ja einsetzt, ist die Selbstbestimmung – und das kann bedeuten, entweder nehme ich meinen Körper so hin, wie er ist oder ich lege mich, so oft ich will, unters Messer. Wenn jede Frau das macht, was sie möchte, und andere auch in ihren Entscheidungen respektiert, dann ist das für mich Feminismus. Und mit dem Finger auf andere Frauen zu zeigen, hat damit ganz wenig zu tun.

bento: In deinen Instagram-Stories erzählst du manchmal von einer Phase, in der es dir schlecht ging und du stark an Gewicht verloren hast. Wie hast du es geschafft, wieder eine gesunde Beziehung zu dir und deinem Körper herzustellen?

Nicolette: Therapie is the key. Gute psychotherapeutische Hilfe ist Gold wert. Ich glaube sowieso, dass Reden hilft. Und sich vor den Spiegel zu stellen, ehrlich zu sich selbst zu sein – sich zu fragen: Ist das eigentlich cool, was ich gerade mache? Sich nichts vorzumachen, das hilft schon. Und das habe ich gemacht. 

bento: Bei Instagram offenbarst du viel von dir. Gibt es trotzdem eine Trennlinie zwischen der privaten Nicolette und der öffentlichen Person?

Nicolette: Ja, absolut. Für mich ist es in Ordnung, mein Sexspielzeug in die Kamera zu halten. Manche Follower verstehen nicht, warum ich Freunde und Familie oder meine Wohnung dem Internet vorenthalte. Aber ich will keinen Menschen mit in mein Licht ziehen, der darauf keinen Bock hat. Ich schütze mein Heim, das ist mir sehr wichtig. Mir macht die Vorstellung Angst, dass Leute mich zu Hause aufsuchen, gestalked oder verfolgt zu werden. Deshalb wohne ich wie auf Alcatraz, es ist alles komplett videoüberwacht. Alles, womit man mir zu nahe kommen könnte, behalte ich für mich.


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