Bild: Annika Eliane Krause

Herzklopfen, Bauchkribbeln und Händchenhalten: Die ersten Wochen in einer Beziehung sind aufregend und fühlen sich endlos an. Doch so sehr wir uns auch wehren, irgendwann verblasst die Faszination und die ersten Marotten schleichen sich ein. Langsam sinkt die Wolke sieben und wir müssen uns dem Alltag als Paar stellen. 

Wir haben vier Paare getroffen und sie gefragt, welche Liebesrituale sie verbinden. 

Franzi und Michi, beide 25 Jahre, seit fünfeinhalb Jahren ein Paar

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Franzi: Ich hatte als Vorbereitung für mein Musikstudium Geigenunterricht bei Michis Vater. Im Sommer waren wir gemeinsam bei einem zweiwöchigen Instrumentalkurs, den Michis Eltern jährlich organisieren. Es war eine sehr intensive Zeit, in der Michi und ich uns zum ersten Mal näher gekommen sind. Nach dem Abschlusskonzert des Kurses waren wir in einer Kneipe und auf dem Rückweg gingen wir an einem Verkehrsspiegel vorbei. Dort kam es zum ersten Kuss. Wir fahren noch immer zusammen zu diesem Meisterkurs und jedes Mal, wenn wir an dem Verkehrsspiegel vorbeigehen, küssen wir uns.

Michi: Letztes Jahr machte ich Franzi einen Heiratsantrag unter dem Spiegel. Das war immer mein Plan, denn irgendwie ist es "unser Ort". Wo alles begann und wo ich ihr sagen wollte, dass ich meine Zukunft mit ihr verbringen möchte. Da wir beide Musiker sind und an verschiedenen Orten arbeiten, hatten wir bisher noch keine gemeinsame Wohnung. Ich bin die halbe Woche bei Franzi, damit wir möglichst viel Zeit miteinander verbringen können. Wenn wir uns nicht sehen, telefonieren wir abends und erzählen uns vom Tag.

Naomi, 28 Jahre und Milad, 25 Jahre, seit zwei Jahren zusammen

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Milad: Wir sind seit ungefähr zwei Jahren zusammen. So genau weiß ich es gar nicht, denn wir haben kein festes Datum. Wozu auch? Wir leben in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit oder Zukunft. Wir haben uns in einer Latino Bar kennengelernt. Die lateinamerikanische Musik verbindet uns, letztes Jahr haben wir gemeinsam einen Salsa- Kurs besucht und lieben es, Salsa tanzen zu gehen. Ich werde schnell ungeduldig, wenn ich die Schritte nicht richtig hinbekomme. Naomi hingegen ist ganz entspannt.

Naomi: Milad ist vor viereinhalb Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen, für sein Studium. Er ist also in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen, ich bin in Deutschland geboren. Ihm fehlt seine Heimat und ich freue mich darauf, mit ihm dorthin zu reisen. Dafür lerne ich persisch und Milad kocht häufg für uns iranisches Essen, was ich sehr mag. Seit ich seine Schwester kennengelernt habe, kann ich ihn und seine Angewohnheiten viel besser verstehen. Vorher hatten wir oft Missverständnisse, denn die Mentalität und der Humor sind ganz anders. Zum Beispiel sagt man im Persischen zu jemandem, den man sehr mag: "Ich esse deine Leber." – Das war für mich erstmal seltsam.

Milad: Wir diskutieren sehr oft, ich bin ein leidenschaftlicher und emotionaler Mensch. Für mich gehört das zu einer Beziehung dazu, es zeigt, dass wir uns viel bedeuten. Menschen, mit denen ich mich nicht streite, sind mir egal. Aber ich kann nicht lang sauer sein, wir versöhnen uns immer schnell. Wir beide haben sehr viel zu tun – ich arbeite am Wochenende im Club, um meine Ausbildung zu finanzieren. Naomi arbeitet im Schichtdienst. Es sind Kleinigkeiten, mit denen wir unsere Zuneigung ausdrücken: Naomi bringt mich morgens zur Tür, obwohl sie länger hätte schlafen können. Sonntags frühstücken wir gemütlich zusammen, auch wenn ich die Nacht davor durchgearbeitet habe. 

Vanelynn und Tom, beide 25 Jahre, seit einem Jahr zusammen

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Tom: Wir sind beide Schauspieler und haben uns beim Dreh eines Werbespots kennengelernt. Zunächst waren wir Freunde, zwei Jahre lang. Bei einer Schauspielübung knisterte es dann zwischen uns. Nachdem wir vier Monate zusammen waren, sind wir in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen. Wir haben ähnliche Ziele und Werte, es passt einfach zwischen uns.

Vanelynn: Da wir beide selbständig sind, haben wir immer unterschiedliche Tagesabläufe. Damit wir zwei uns dabei nicht aus den Augen verlieren, haben wir uns gemeinsame Rituale überlegt. Einmal am Tag setzen wir uns zusammen und reden miteinander. Oft ist es das gemeinsame Frühstück – wir versuchen, immer gemeinsam schlafen zu gehen und aufzustehen, auch wenn unsere Termine unterschiedlich sind. Zudem ist der Sonntag "unser Tag". Wir schalten unsere Handys aus und machen etwas Schönes zusammen. Wir gehen spazieren, meditieren, machen AcroYoga – einfach bewusst Zeit miteinander verbringen und etwas machen, was uns guttut.

Tom: Oft bringen wir uns Kleinigkeiten mit, beispielsweise Blumen. Dafür brauchen wir keinen besonderen Feiertag, wie Valentinstag oder unseren Jahrestag. Wir finden es wichtig, im Alltag unsere Liebe zu zeigen. Oft hinterlassen wir kleine Nachrichten auf einem Zettel und sagen uns täglich, dass wir uns lieben. 

Lea, 28 Jahre und Chris, 30 Jahre, seit vier Jahren ein Paar

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Chris: Wir haben uns über Tinder kennengelernt. Zunächst war es einfach freundschaftlich. Sie ist noch immer unter "Schlechter Einfuss Lea" in meinem Handy abgespeichert, weil sie mich ständig überredet hat, mit ihr feiern zu gehen. Nach einem halben Jahr hat es doch zwischen uns gefunkt und seitdem sind wir ein Paar. Als wir noch nicht zusammengewohnt haben, haben wir uns gegenseitig Plüschtiere geschenkt, als Kuschel-Ersatz. Ich habe ein Schweinchen, Lea ein Äffchen. Das sind zwei unserer vielen Spitznamen, die wir uns gegenseitig geben.

Lea: Wir können alles zusammen machen, sei es Playstation spielen, auf Festivals gehen oder reisen. Gerade kommen wir von einer zehnmonatigen Reise zurück, für die wir beide eineinhalb Jahre gespart und unsere Jobs gekündigt haben. Wir waren in Asien, Neuseeland, an der USA-Westküste und in Mexiko. Ich hatte vorher Sorge, dass wir uns nerven werden. Aber im Endeffekt war es das Gegenteil: In den zehn Monaten waren wir einmal für eine halbe Stunde getrennt – wegen eines Streits. Ansonsten haben wir alles zusammen gemacht und es hat super funktioniert zwischen uns. Abends haben wir oft zusammen Hörspiele gehört, das machen wir zu Hause auch. Wir können sehr gut zu TKKG, Alf oder Benjamin Blümchen einschlafen.

Chris: Während unserer Reise haben wir uns überlegt, inwiefern wir unser Leben hier in Deutschland verändern wollen. Wir möchten unseren Müllverbrauch reduzieren und optimieren, besonders hinsichtlich der Lebensmittel. Keine Lebensmittel mehr wegschmeißen, öfter mal Restegerichte zubereiten. Außerdem ernähren wir uns seit einem Monat plant-based – das heißt, wir verzichten auf verarbeitete Produkte wie Weizenmehl und Zucker und ernähren uns vegan. Das ist unser gemeinsames Ding – wenn Lea aufhören würde, würde es mir extrem schwerfallen, weiterzumachen.

Alle Fotos: Annika Eliane Krause. Besuche ihr Portfolio oder ihre Webseite für Hochzeitsfotografie, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.


Gerechtigkeit

"Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal": Warum dieser junge Brite am Brexit festhält
David, 25: "Ich wurde schon für meine Meinungen angegriffen"

Noch sechs Wochen bis zum geplanten Brexit, bis Großbritannien die Europäische Union verlässt. Die Einzelheiten des Austritts sind nach wie vor unklar. Fest steht: Junge Britinnen und Briten werden am längsten mit dem Brexit leben. 

Beim Referendum 2016 stimmte die Mehrheit der jungen Wählerinnen und Wähler gegen den EU-Austritt. (bento) Jetzt fürchten viele von ihnen, dass der Austritt aus der EU eine Gefahr für die Zukunft junger Menschen birgt. 

Doch auch unter den jungen Britinnen und Briten gibt es welche, die sich aktiv für den EU-Austritt einsetzen. Sie sehen den Brexit nicht als Gefahr, sondern als Chance.

So wie der 25-jährige David Scullion. Er kommt aus Warwickshire in den englischen Midlands. David hat Geschichte studiert. 2016 stimmte er für den Brexit. David schreibt für die Seite BrexitCentral. Er fordert, dass Großbritannien jetzt wie geplant am 29. März austritt – zur Not auch ohne ein umfangreiches Abkommen, ohne Deal mit der EU.

Im Gespräch mit bento erzählt David, warum er für den Brexit gestimmt hat und warum er glaubt, dass der EU-Austritt jungen Menschen in Großbritannien nützt.

"Mir fiel die Entscheidung für den Brexit leicht. Für die Menschen in Großbritannien war die EU nie emotional behaftet: Der EU beizutreten, erschien einfach praktisch.