Bild: Parker Whitson/Unsplash
Warum es so weh tut und was dagegen hilft.

Als ich das erste Mal "Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück" sah, war ich 13. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben schlimmen Liebeskummer. Ich verstand Bridget – obwohl sie siebzehn Jahre älter war als ich. Sie ertränkte ihr Leid und die Einsamkeit in Schokolade, Alkohol und viel zu vielen Zigaretten. 

Ich trank Fanta statt Alkohol, aß ebenfalls Schokolade und statt Céline Dion – wie bei Bridget – schallte Silbermond in voller Lautstärke durch das ganze Haus. Bridget und ich weinten beide ziemlich viel und fühlten uns einsam. Am Tiefpunkt angekommen kämpften wir uns dann mit Freunden aus dieser Krise heraus.

Trennungen tun weh. Ob mit 13 oder 27. Nur teilt man sich mit 27 vielleicht schon eine Wohnung, schmiedet Pläne, hat Kinder oder einen Hund. Die Beziehungen dauern nicht mehr nur ein paar Wochen. Sondern Jahre oder Jahrzehnte. 

Und dann ist Schluss. Weil einer geht, das Vertrauen missbraucht. Oder man beschließt, dass es "irgendwie nicht mehr passt". Ja, das ist scheiße. Aber durch den Trennungsschmerz muss man durch – um danach wieder lieben zu können.

Du hast das Gefühl, du hast dein Leben nicht im Griff? Das ist erstens ganz normal und zweitens bist du nicht allein

Manchmal fühlt man sich von allem überfordert: dem "normalen" Leben, den Möglichkeiten, die einem offenstehen, den Entscheidungen, die man treffen muss. Du verstehst dich und die Welt nicht mehr? An dieser Stelle erklären wir mit Hilfe von Experten, Ratgebern und unseren eigenen Erfahrungen Probleme, die uns im Alltag beschäftigen. Und wir suchen Lösungen, damit nach dem Tief wieder ein Hoch kommt. 

Aber warum tut eine Trennung so weh?

"Eine Trennung ist eine große Verlusterfahrung und eine Enttäuschung, die gleichzeitig so etwas wie einen Entzug auslöst", sagt Psychologin Christine Geschke. Sie leitet seit mehr als zehn Jahren eine Praxis für Paartherapie in Hamburg. Tatsächlich lässt sich das Liebesgefühl mit Drogen vergleichen: Forscher fanden heraus, dass Verliebtsein im Hirn ähnliche Areale aktiviert wie Kokain (The Guardian). Ist die Beziehung vorbei, verschwinden die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin, die sogenannten "Botenstoffe des Glücks", die vorher ausgeschüttet wurden. Diese Entzugserscheinungen fühlen sich entsprechend furchtbar an – körperlich und psychisch. 

Aber nicht nur der Verlust schmerzt, sagt Geschke: "Zum einen verliert man bei einer Trennung einen geliebten Menschen, zum anderen ist aber auch das eigene Selbstwertgefühl angegriffen." 

Immer wieder stolpert der oder die Verlassene über die gleichen Fragen: Warum ist mir das passiert? Bin ich es nicht wert, geliebt zu werden? Und: Bin ich nicht gut genug? 

Was passiert nach einer Trennung?

Nach einer Trennung kommt es typischerweise zu vier Phasen. Aus psychologischer Sicht ähneln sie der Verarbeitung eines Trauerfalls oder einer schweren Erkrankung, sagt Geschke. Das Gute: Irgendwann ist auch die letzte Phase durchlebt. Also: Egal, wie schlecht du dich gerade fühlst – es wird besser

Die typischen Phasen einer Trennung 

  1. Verleugnung und Schock: Man kann es nicht fassen, dass es vorbei ist und fragt sich, ob es doch möglich ist, die Beziehung zu retten.
  2. Gefühlschaos: Trauer, Wut und Selbstzweifel werden groß und man ist sich nicht sicher, ob man jemals wieder glücklich sein kann.
  3. Neuorientierung: Der Verlust ist nicht mehr ständig präsent. Ganz vorsichtig kann man den Blick nach vorne richten und beginnen, die Trennung zu akzeptieren. Alles fühlt sich ein bisschen leichter an.
  4. Neuordnung: Jede Ordnung, die kaputt geht, hinterlässt zunächst Chaos. Daraus kann aber etwas Neues entstehen. Die Gedanken um das gemeinsame Leben können durch etwas anderes ersetzt werden, was einem wichtig ist.

Es kommt darauf an, wie schnell man es schafft, den Fokus auf andere Dinge im Leben zu richten. "Die Verarbeitung einer Trennung kann ein oder eineinhalb Jahre dauern", sagt Geschke. Den Trennungsschmerz zuzulassen sei sehr wichtig. 

„Diese unangenehmen Gefühle gehören zum Verarbeitungsprozess. Blendet man sie aus, kann dieser Prozess nicht richtig vollzogen werden.“
Christine Geschke

An die Decke starren, wütend sein, während die "Break-Up-Playlist" läuft in das Kopfkissen schluchzen – all das hilft. Denn dann ist es auch irgendwann wirklich vorbei. Und man ist stärker als davor.

Warum können wir nach einer Trennung nicht einfach gleich weitermachen? 

Die Anthropologin Helen Fisher hat Liebe und Trennungsschmerz genauer untersucht und sich gefragt, warum wir überhaupt während einer Trennung leiden. In den Neunzigerjahren wurden 144 Menschen von Soziologen untersucht, die gerade verlassen wurden. Vierzig Prozent davon wurden als klinisch depressiv diagnostiziert (NCBI). Fisher versuchte später, anhand der Evolutionsbiologie zu erklären, warum das so ist:

"Die Depression ist ein ehrliches, glaubhaftes Signal an andere, dass etwas absolut falsch läuft", schrieb sie 2004 in einer Ausgabe des Wissenschaftsmagazins New Scientist. In der Steinzeit motivierte eine solche Depression oder Trauer nach einer Trennung die Familie oder den Stamm, sich um den verlassenen Menschen zu kümmern, damit sie oder er über den Kummer hinwegkommen konnte.

Und auch der Hass auf den Ex-Parner oder die Ex-Partnerin sei völlig normal, sagt Fisher. Man entwickelt ihn, damit man mit der Person abschließen und neu anfangen kann. (New Scientist

„Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“
Helen Fisher

Was kann ich gegen den Trennungsschmerz und Liebeskummer tun? 

Das Gefühl von großer Liebe ist aus biologischer Sicht für uns Menschen essenziell. Es sorgt unter anderem dafür, dass wir uns fortpflanzen. Deshalb ist der Verlust von Liebe auch besonders schlimm. Die Empfindungen von Liebe und Liebesverlust finden im Stammhirn statt, dem ältesten Teil unseres Gehirns. Psychologin Geschke sagt, dass Liebe daher einen großen Stellenwert einnehme: "Alles, was im Stammhirn stattfindet, sind sogenannte Überlebensthemen, wie zum Beispiel auch die Atmung oder der Herzschlag."

Dopamin, Depression, Stammhirn – diese neurologischen, psychologischen und biologischen Erklärungen klingen zwar nicht besonders romantisch. Sie können aber helfen, sich besser zu fühlen: Weil man versteht, warum man fühlt, wie man fühlt. Damit wir Prozesse in Gang setzen können, um mit der alten Beziehung abzuschließen. 

Sechs Tipps, um nach einer Trennung wieder klarzukommen:

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Und: Nicht immer muss Trennung sein. 

"Wenn es in einer Partnerschaft zu Schwierigkeiten kommt, heißt das nicht, dass man den falschen Beziehungspartner hat", erklärt Gechke. Jede Beziehung ist störanfällig. Die Kunst bestünde darin, die Probleme gemeinsam aufzulösen. "Häufig wird heute nicht gut genug nach einer Bewältigunsstrategie gesucht", sagt die Expertin.  

Findet man einen gemeinsamen Umgang mit den Problemen, kann eine Beziehung wachsen. Entpuppt sich das als aussichtlos, ist es vielleicht nicht schlecht, weiterzuziehen. Schließlich kann noch viel passieren: Vielleicht treffen wir die Person erst noch, die für noch viel mehr Dopamin in unserem Hirn sorgt. 

Und dafür lohnt es sich, sich nach der Trennung mit guten Freunden durch tiefe Trauer und Wutanfälle zu kämpfen. Denn dann kann man weitermachen, daran zurückdenken und fühlen: Alles wird wieder gut.


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