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Drei von ihnen berichten.

Einen hundertseitigen Liebesbrief schreiben? Sich zum Geburtstag der Partnerin mit deren Lieblingsessen einreiben? Nachts vor dem Balkon des Angebeteten ein Ständchen singen? 

Kann man super romantisch finden – oder einfach nur gruselig. So oder so: Die vermeintlich große Geste gehört für viele zu einer guten Liebesgeschichte dazu.

Nehmen wir den Liebesfilm par excellence: "Wie ein einziger Tag". Um Allie von sich zu überzeugen, scheut Noah es nicht, sich in Lebensgefahr zu bringen, und springt furchtlos auf ein Riesenrad, zwischen sie und ihr Date.

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Für Seth Cohen aus "O.C. California" tut es auch kein simples "Ich liebe dich": Es muss schon das große Geständnis vor der versammelten Schülerschaft sein.

(Bild: Giphy)

Und Mark muss in "Tatsächlich... Liebe" seine Gefühle ausgerechnet am Weihnachtsabend mit emotionalen Worten auf Pappschildern und einer Musikbox im Hintergrund gestehen – selbst wenn das Manöver aussichtslos ist, denn das Geständnis geht an Juliet, die Frau seines besten Freundes.

(Bild: Giphy)

Aber warum sind es eigentlich so oft Männer, die in Filmen und Popsongs ihre Gefühle mit einer ganzen Blaskapelle zum Ausdruck bringen müssen? Das Klischee will uns glauben machen: Die ganz großen Gefühle zeigen, sich selbst überwinden, keine Peinlichkeit scheuen und in Sachen Liebe selbst aktiv werden – Männersache. 

(Bild: Giphy)

Wir glauben: Das geht auch anders. 

Deshalb haben wir mit drei Frauen gesprochen, die sich für die Liebe ganz schön ins Zeug gelegt haben. 

Marie, 27, scheute keine Gefahren 

Wir lernten uns auf einer Party kennen. Ich war eigentlich gar nicht in Stimmung. Er kam auf mich zu und sagte, er fände mein Lächeln toll. Wir tanzten, knutschten, dann fragte er nach meiner Nummer. Wir trafen uns, gingen zusammen klettern. Ein halbes Jahr später sagte ich ihm, dass ich ihn liebe – doch seine Gefühle reichten nicht für eine Beziehung.

Auf einen Klettertrip nach Österreich, den er organisiert hatte, ging ich trotzdem noch mit. Ich hatte immer noch Hoffnung, dass das mit uns etwas werden würde. Auf einer unserer Touren sah ich dann ein Edelweiß. Ich hatte gelesen, dass es früher als Mutprobe galt, ein Edelweiß zu pflücken, weil sie nur an Stellen wachsen, die schwierig zu erreichen sind. Männer sollen ihren Frauen damit gezeigt haben, wie sehr sie sie lieben. Ich dachte mir: Warum sollen nur Männer um die Liebe einer Frau kämpfen dürfen?

Weil meine Kondition nicht so gut war, ging ich sowieso ein Stück hinter den anderen her. Niemand bemerkte, dass ich mich von der Gruppe entfernt hatte. Er sah mich auch nicht auf den Felsen klettern, um das Edelweiß zu pflücken – erst als ich hinunterstürzte und schrie, bemerkten sie mein Fehlen und kamen zu mir gerannt. Alle waren stinksauer, ich hatte mir das Bein verletzt und jemand musste mich zur letzten Hütte zurückbringen – aber ich hatte das Edelweiß.

Gebracht hat das leider nichts. Nach diesem Zwischenfall hatten wir etwa ein Jahr keinen Kontakt – ich schämte mich für die Aktion. Als wir uns dann wiedersahen, erzählte ich ihm von dem Edelweiß. Er musste lachen, aber er wollte die inzwischen getrocknete Blume nicht annehmen. Er meinte, ich bräuchte sie eher als er.

Annika, 19, griff zu großen Worten

(Bild: Privat)

Wir waren damals erst ein paar Monate zusammen, als es zum ersten Streit kam: Er hatte etwas sehr Romantisches auf Facebook über uns gepostet – ich glaube, ich fand das damals einfach kitschig, und bat ihn, den Post zu löschen. Ihn verletzte das. 

Er las daraufhin meine Nachrichten nicht mehr und wollte mich auch nicht sehen. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen, also ging ich zu dem Internat, in dem er damals wohnte, und schrieb in riesigen Buchstaben mit Kreide auf die Straße "Ich liebe dich". Er hat die Nachricht dann wohl am nächsten Morgen gesehen, als er das Haus verlassen hat und zur Schule musste. Jedenfalls hat er dann am Nachmittag endlich auf meine Nachricht geantwortet und wir haben uns wieder versöhnt. Es hat also geholfen.

Nach einigen Streits und Krisen sind wir heute immer noch zusammen – im Frühling sind es drei Jahre.

Nadine, 25, nahm jeden Umweg auf sich 

(Bild: Privat)

Letztes Jahr verliebte ich mich in eine Studienkollegin. Es war von Anfang an kompliziert zwischen uns, sodass wir nur wenig Zeit miteinander verbringen konnten. An einem Tag musste sie an ihren Heimatort zurückreisen, das bedeutete zwei Stunden Zugfahren. Ich stieg ebenfalls in den Zug, um mit ihr Zeit zu verbringen. 

Ich hatte ihre Lieblingssnacks gekauft, etwas zu trinken und ein Kartenspiel mitgebracht. Der Plan war, dass ich am Ankunftsort aussteige, sofort in den nächsten Zug nach Hause springe, und nach vier Stunden wieder zurück bin. 

Leider lief alles völlig schief. Ich verpasste den Zug und dann stand ich noch zwei Stunden wegen einer technischen Störung auf der Strecke. Dann ging auch noch mein Handyakku leer. Nach etwa sieben Stunden kam ich wieder zu Hause an. Trotzdem würde ich es ohne zu zögern wieder machen – wir sind heute immer noch zusammen.

Hast du auch schon mal etwas ganz Ungewöhnliches für die Liebe gemacht? Schicke uns deine Geschichte an redaktion@bento.de.

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Tech

Mark Zuckerberg verspricht Privatsphäre – doch dahinter steckt eigentlich etwas anderes
"Wir haben derzeit keinen guten Ruf" – korrekt.

Mark Zuckerberg will es noch einmal versuchen: Im 15. Jahr nach der Gründung von Facebook soll jetzt wirklich alles anders werden. Es klingt wie die letzte Hoffnung in einer langen On-Off-Beziehung: Nie wieder flunkern, nie wieder die Privatssphäre verletzen und ab jetzt immer richtig gut zuhören. 

So lässt sich ungefähr zusammenfassen, was der einst jüngste Milliardär der Welt am Mittwoch mit rekordverdächtigen 19.500 Zeichen als – natürlich – Facebook-Posting aufgeschrieben und veröffentlicht hat (hier nachzulesen).

Gleich zu Beginn steht, was ohnehin schon alle über Facebook wissen: