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"Ich habe einen Idiotenfilter."

Neulich im Fitnessstudio ist es wieder passiert: Eine junge Frau vom Laufband neben mir lächelte mich an. Wir tauschten ein paar freundliche Sätze und wechselten zu anderen Geräten. Dann fragte sie mich: "Wie heißt du?" Meine Antwort hat sie offenbar zu Tode erschreckt. Ihr Lächeln stürzte vom Gesicht und sie mit den Worten "Ich gehe kurz duschen“ Richtung Umkleide.

 

Zur Person

Lex Marmor heißt eigentlich anders und verwendet im Alltag zwei unterschiedliche Vornamen, einen Männer- und einen Frauennamen. Hier schreibt Lex, was das bedeutet: im Alltag, in der Liebe und bei der Arbeit. 

Dabei hatte ich nichts weiter gesagt als einen Frauennamen – einen recht geläufigen übrigens. Einen Namen, der so schlecht zu mir zu passen schien, dass er sie in die Flucht geschlagen hat.

Jetzt lebe ich seit Jahren in einer stabilen Beziehung – ein gescheiterter Flirtversuch muss mich nicht aus der Bahn werfen. 

Und trotzdem kann ich ihre Reaktion nicht vergessen.

 

Denn dieser kurze Moment war für mich genauso unangenehm wie für sie – wenn auch aus anderen Gründen. Abgelehnt zu werden schmerzt – das kennen alle, die jemals an jemandem Interesse gezeigt haben. Aber dieses Gefühl ist nicht der klassische Mix aus leichter Kränkung und Enttäuschung, den die meisten dann empfinden. Denn diese Art der Ablehnung, die ich schon oft erlebt habe, ist nicht der klassische Korb. Sie ist eine Mischung aus Abgestoßensein, Erschrecken und in manchen Fällen auch Aggression.

 

Auf ein Mal bin ich ein Monster

Von einem Moment auf den anderen verändert sich der Blick auf mich radikal: Gerade war ich noch ein potentiell interessanter Flirtpartner, auf einmal bin ich ein Monster, ein Freak, oder zumindest auf keinen Fall begehrenswert. Schneller kann man auf der Treppe der sozialen Anerkennung kaum in den Keller gestoßen werden.

Ich kann mir natürlich rational erklären, woher das kommt. Dank meines Namens war ich für sie plötzlich sichtbar als das, was ich nun einmal bin: Ein Mensch, der mehr als ein Geschlecht hat – oder jedenfalls nicht zu hundert Prozent eines lebt. An guten Tagen genieße ich es, so zu sein wie ich bin, an schlechteren schäme ich mich zumindest nicht dafür. Und natürlich gibt es weder eine Garantie noch ein Recht darauf, einer Person zu gefallen, der man gefallen möchte.

Aber: Wer sichtbar nicht in Geschlechtergrenzen passt, ist als Dating-Partner fast automatisch undesirable, also unerwünscht und nicht begehrenswert. Warum eigentlich? 

Warum macht mein Name mich plötzlich abstoßend, wenn es davor weder mein Aussehen noch meine Stimme oder mein Verhalten, nicht mal der Schweißgeruch im Fitnessstudio waren?

Ist es die Angst davor, dass ich kompliziert sein könnte? Die Sorge, dass meine Geschlechtsidentität nicht das "männliche" Gegenstück zu ihrer sein könnte, wie wir es von Hollywood lernen?

Oder ist es die diffuse, aber mächtige Angst davor, wie mein Körper ohne Kleider aussehen könnte?

 

Bis heute werde ich den Verdacht nicht los, dass letzteres eine verdammt große Rolle spielen könnte. Und das ist sehr deprimierend. Weil meine Geschlechtsidentität oft schlicht irrelevant ist, beim Sport zum Beispiel, im Supermarkt und ja, meist auch auf der Arbeit. 

Aber auch in solchen Momenten werde ich angeflirtet – was vollkommen in Ordnung ist – und dann werde ich hart zurückgewiesen, falls mein Name für mein Gegenüber eine Überraschung ist – was für mich nicht in Ordnung ist. Ich habe die Begegnung in diesem Fall nicht herausgefordert und nicht initiiert – und bin trotzdem diejenige Person, die mit dem Gefühl zurückbleibt, ein Monster zu sein.

 

Ich lebe beständig mit der paradoxen Situation, dass unsere Körper von der Gesellschaft einerseits als unschön und abstoßend, andererseits als stark sexualisiert und irgendwie bedrohlich wahrgenommen werden. Es ist kein Zufall, dass Transfrauen besonders oft Übergriffen und sexueller Gewalt ausgesetzt sind und Transmänner als boybandhaft-geschlechtslos und „irgendwie niedlich“ bis präpotent abgestempelt werden.

Aber Körperlichkeiten und Sex gehören für "uns" ebenso wenig zu den Smalltalk-Themen wie für "euch". Ich finde es nicht nur schade, am Körper festzumachen, wie ich mit einer Person umgehe – ich kann auch versichern: 

Die meisten von uns haben auch nichts, was ihr nicht kennt.

Aber selbst, wenn es so wäre, sollte das doch beim ersten Kennenlernen nicht so wichtig sein, oder? Ich zumindest möchte nicht mit jemandem zusammen sein, für den meine Genitalien ein derart wichtiges Kriterium sind. Und das ist vielleicht der große Vorteil daran, ein Mensch zu sein, der nicht in die Normvorstellungen von vielen passt: Genderqueer zu sein ist ein ziemlich guter Idiotenfilter.

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Pizza, Pasta und Fuoco?

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In Florenz haben nun drei US-Studentinnen das wohl übersehen – und versucht, die im Supermarkt gekaufte Pasta ohne Wasser zu kochen. Die Nudeln sind nicht nur angebrannt, sondern haben auch ein Feuer in der Studentenwohnung entfacht. (Il Giornale)