Bild: Dimitar Belchev

Seit Luisa (24, Sozialpädagogin) und Tobias (24, Heilerziehungspfleger)  zusammen sind, hat sie mit vier anderen Männern geschlafen, er mit drei anderen Frauen. Die beiden, die eigentlich anders heißen, haben sich während ihres FSJs 2011 kennengelernt.  Ein Paar sind sie seit Juni vergangenen Jahres. Für sie war von Anfang an klar, dass sie sich gegenseitig nicht einschränken wollen – auch nicht in ihrer Sexualität. 

Sie leben in einer "polyamoren" Beziehung. Das heißt: man darf nicht nur mit mehreren Menschen schlafen. Man darf sich auch verlieben. Wir haben mit den beiden über Regeln beim Sex mit Anderen, Monogamie und Eifersucht gesprochen.


Ihr wart vorher beide längere Zeit in monogamen Beziehungen, warum habt ihr euch für die Polyamorie entschieden?

Tobias: Luisa hat mir erzählt, dass sie ihren Exfreund betrogen hat. Das war noch bevor wir zusammen kamen. Da haben wir das erste Mal über das Thema offene Beziehungen gesprochen. Ich war in meinen bisherigen Beziehungen schon fast immer treu, aber habe mit der Zeit gemerkt, dass mir monogam sein nicht ausreicht.

Luisa: Wir mussten uns eingestehen, dass wahrscheinlich keiner von uns treu wäre, wenn wir uns auf eine neue Beziehung einlassen. Als wir zusammenkamen, war von Anfang an klar, dass wir uns sexuell und liebestechnisch nicht einschränken wollen. Die Polyamorie war für uns beide neu und wir wollten es ausprobieren.

Willst du wissen, wie durchschnittlich deine Beziehung ist? Mach den Test:
Wie fühlt ihr euch, wenn der andere sich mit anderen Männern bzw. Frauen trifft?

Tobias: Als Luisa sich das erste Mal mit einem anderen getroffen hat, war das für mich sehr schwierig. Ich habe extrem gelitten. Da waren Gedanken wie: "Warum will sie jetzt lieber Zeit mit ihm verbringen als mit mir?" Ich habe dann Serien geschaut, um mich irgendwie abzulenken. 

In meinen bisherigen Beziehungen war ich nie eifersüchtig. Monogamie ist in gewisser Weise ein Schutz davor, dass man sich mit Eifersucht auseinandersetzen muss.

Luisa: Wenn Tobias bei einer anderen ist, geht mir oft der Gedanke durch den Kopf: "Was, wenn er sich in die verliebt?". In dem Moment ist es schwer. Man muss schauen, was einem dann gut tut: währenddessen alleine zuhause sitzen oder Freunde treffen und mit denen darüber reden.  Ich unternehme in der Zeit dann oft was mit anderen. 

Es wühlt mich weniger auf, wenn ich weiß, dass das zwischen den beiden was rein Sexuelles ist.
Luisa

Dann kann ich es leichter abhaken. Ich hab auch das Gefühl, je öfter sowas ist, desto entspannter werden wir und desto besser können wir damit umgehen. Mir hilft es, wenn wir darüber sprechen. Je mehr Details – auch sexuelle – ich weiß, desto leichter wird es für mich.

Tobias: Die eigene Fantasie spielt einem oft viel mehr vor, als eigentlich passiert ist. Wenn man dann weiß, was wirklich war, ist es vielleicht einfacher, die eigene Fantasie in die Schranken zu weisen.

Habt ihr feste Regeln für den Kontakt mit anderen?

Luisa: Wir haben ausgemacht, dem anderen immer rechtzeitig Bescheid zu sagen, wenn man jemandem treffen will. Das ist manchmal schwierig, weil Tobias sowas gern spontan macht, aber damit komme ich überhaupt nicht klar. Ich brauche Zeit, um mich darauf einzustellen.

Tobias: Wir haben weniger allgemeine Regeln, weil uns unterschiedliche Sachen stören: Ich will zum Beispiel nicht, dass Luisa Oralverkehr mit anderen Typen hat. Sie hingegen stört das nicht. 


Mein Ziel ist es, dass wir irgendwann keine Regeln mehr brauchen.
Tobias

Jetzt will ich beispielsweise noch nicht, dass Luisa jemand anderen küsst, während ich dabei bin. Aber ich wünsche mir, dass es mich irgendwann vielleicht sogar erregt, dabei zuzusehen.

Luisa: Außerdem ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Wenn wir mit jemandem schreiben, mit dem wir was haben oder wahrscheinlich ist, dass da was laufen wird, sagen wir uns das immer. Ich fühle mich sonst ausgeschlossen, wenn er auf Heimlichtuerei macht. 


Polyamorie als Politikum

Eine der berühmtesten polyamoren Beziehungen führten die Philosophen und Schriftsteller Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre und Olga Kosakiewicz. Simone de Beauvoir war der Meinung, in einer klassischen Verbindung würde "die Frau immer die Frauenrolle spielen." Eine offene Beziehung war für sie auch die Möglichkeit, eine Beziehung anders zu gestalten.

Es ist ein Grundsatz der Polyamorie, dass alle Beteiligten davon wissen sollten. Das heißt, wir sagen auch den potenziellen Sexpartnerinnen, dass wir in einer polyamoren Beziehung sind.

Tobias: Das sehe ich genauso. Ehrlichkeit ist für mich das Wichtigste in einer Beziehung. Ich würde sogar sagen, dass Ehrlichkeit wichtiger als Treue ist.

 

Manche Menschen trauen sich erst nach der Beziehung ehrlich zu sein. Was bento-Leser ihren Ex-Lieben gern noch sagen würden, lest ihr hier:
Deine Zahnlücke sieht doch dümmlich aus.
Du hättest mir einfach mal vertrauen sollen.
Du hast echt schleimig geküsst.
Manchmal trage ich immer noch deine Boxershorts. Ich kann sie nicht wegwerfen.
Dein Intellekt macht dein fehlendes Herz leider nicht wett.
Nach mehr als einem Jahr darfst du ruhig aufhören zu meiner Familie zu fahren.
Ich liebe dich.
Dein Schweiß stinkt echt widerlich, auch wenn ich es immer verneint hab.
Schon mal über eine klinische Therapie nachgedacht?
Du pupst im Schlaf.
Es tut mir leid, dass ich es dir so schwer gemacht habe.
Ja, du hattest Recht, ich hasse deine Mutter.
Du bist ein Mensch, den ich nicht missen will. Es war schön.
Deine Hosen waren enger als meine und du bist doof wie Stroh.
Fick dick.
Ich werde nie ein schlechtes Wort über dich verlieren.
Du hättest mich nicht aus unserer Beziehung rausmobben dürfen.
Du mit deinen dämlichen Schritten die du jeden Tag gehen "musst", DAS ist Schwachsinn!!!
Gut, dass du beim Sex die Socken anbehalten hast. Deine Füße waren nämlich echt ungepflegt.
Du warst mein bester Freund.
1/12
Könnt ihr euch vorstellen, irgendwann Beziehungen mit mehreren Partnern zu haben?

Luisa: Ich denke, dass das noch viel mehr Konfliktpotenzial mit sich bringt. Im Moment kann ich mir das noch nicht vorstellen. Außerdem käme dann die Frage auf, ob das eine nun die Hauptbeziehung ist und das andere die Nebenbeziehung – wie soll man das kategorisieren?

Tobias: Zurzeit haben wir beide noch keine potenziellen Partner in Aussicht. Man sucht ja auch nicht aktiv nach jemanden. Es ist eher eine Option, dass aus etwas Lockerem  etwas Emotionales werden kann. Und das würde ja auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, bis ich mit jemand anderem ansatzweise so eine gute Beziehung führen könnte wie mit Luisa.

 

Würdet ihr nach euren bisherigen Erfahrungen sagen, dass es den Schmerz und die Eifersucht wert ist?

Tobias: Für polyamore Beziehungen gibt es kaum Regeln, man gestaltet sie nach eigenen Vorstellungen. Man lernt dadurch, seine Bedürfnisse und Ängste wahrzunehmen und zu äußern. Das schafft großes Vertrauen und damit eine sehr stabile Basis für die Beziehung.

Luisa: Wenn man so eine Vertrauensbasis und intensive Nähe in einer Beziehung erstmal erlebt hat, will man das nicht mehr missen. Und offen gestanden: Ich kann auch einfach nicht monogam sein, weil immer der Reiz des Verbotenen da ist.


Wie haben eure Familien und Freunde auf eure polyamore Beziehung reagiert?

Luisa: Als ich meiner Mutter von der offenen Beziehung erzählt habe, war ihr erster Kommentar: "Bitte pass auf, dass du dich nicht verliebst". Nun ja, dafür war es wohl zu spät. In meinem Freundeskreis haben die meisten sehr aufgeschlossen reagiert.

Tobias: Meine Familie hat das locker aufgefasst. Ich hab aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Gerade bei Leuten, die man nicht so gut kennt, passiert es schnell, dass sie abwertend reagieren. Neulich hat mir eine gesagt, dass Polyamorie der beste Weg sei, Liebe und Beziehung in den Dreck zu ziehen, und mir unterstellt, dass ich in Wirklichkeit nur vögeln wollen würde. Das hat mich schon getroffen. Ich glaube, dass viele so reagieren, weil sie sich in ihrer Monogamie angegriffen fühlen.


Tech

Nintendo macht Retroträume wahr – mit einer Neuauflage der SNES

Nintendo bringt dich zurück in die Zukunft – und legt eine seiner klassischen Konsolen wieder neu auf. Die Super Nintendo Entertainment System (SNES) soll am 29. September auf den Markt kommen. Allerdings in einer kleineren Version, kosten soll sie etwa 80 Euro (Nintendo). 

Außerdem gibt's 21 Spieleklassiker, die für die Mini-SNES verfügbar sein werden.