"Ich habe mich gefragt, ob ich jetzt sterben muss."

Schmerzen in der Brust, Übelkeit, blaue Flecken, Antriebslosigkeit: Wer diese Symptome googelt, landet schnell bei der Diagnose Krebs. Meistens stellt sich die Einschätzung von Doktor Google als falsch heraus.

Bei Elisa war das anders. 

Sie hatte gerade ihren 18. Geburtstag gefeiert und kam von einer Studienfahrt aus Wien zurück, als die Schmerzen und die Antriebslosigkeit immer stärker wurden.

Das Atmen fiel ihr schwer. Ihr Arzt schickte sie in eine Fachklinik. Auf dem Überweisungsschein, den er ihr ausdruckte, stand irgendetwas von Lymphomen. Elisas Internet-Recherche ergab die Diagnose Krebs. 

Dieses Mal hatte Google recht. Im Oktober 2016 fanden die Ärzte einen zehn Zentimeter großen Tumor unterhalb von Elisas Brustbein, der auf ihre Luftröhre drückte. Außerdem waren mehrere Lymphknoten von der Krankheit befallen. 

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Nach einer Operation lag Elisa eine Woche lang im Koma. Danach war klar, dass sie über mehrere Monate eine Chemotherapie machen musste. Mitgezählt, wieviele Therapie-Durchgänge sie während der 14-monatigen Behandlung über sich ergehen lassen musste, hat sie nicht. 

Auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Account geht Elisa offen mit ihrer Krankheit um. Ihren Blog hat sie "Ich und Voldemort" genannt – denn Voldemort ist eine finstere Figur aus "Harry Potter", die am Ende besiegt werden kann. 

Heute ist die 19-Jährige tatsächlich krebsfrei. Ihr Abitur hat sie vor einigen Wochen bestanden. Von der Zeit, die hinter ihr liegt, erzählt sie im Interview. 

Was war dein erster Gedanke, als du von deiner Krebserkrankung erfahren hast?

Ich habe mich gefragt, ob ich jetzt sterben muss und hatte riesige Angst. In allen Geschichten, die ich bis dahin gehört hatte, bedeutete die Diagnose Krebs den Tod. Mir war damals nicht klar, dass es inzwischen viele Möglichkeiten gibt, die Krankheit zu behandeln.

Lymphatische Leukämie

  • Als Leukämie oder Blutkrebs werden verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems bezeichnet. 
  • Bei der Lymphatischen Leukämie ist die Bildung der Lymphozyten gestört. Lymphozyten sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die im Körper für die Abwehr von Infektionen zuständig sind. 
  • Durch die Krankheit entstehen große Mengen unreifer Lymphozyten, die sich unkontrolliert vermehren. Dadurch drängen sie die reifen, gesunden Blutzellen zurück. Auch ein Mangel an roten Blutkörperchen und Blutplättchen entsteht.
  • Es gibt zwei Formen der Lymphatischen Leukämie: die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) und die Chronische Lymphatische Leukämie (CLL). Elisa ist an einer Unterform der ALL erkrankt.
  • Zu den Symptomen, von denen Betroffene berichten, gehören unter anderem Abgeschlagenheit, Blässe, Kurzatmigkeit, Infektanfälligkeit, Gelenk- und Knochenschmerzen.

Welcher Moment während der Therapie war besonders schlimm für dich?

Da gab es viele. Nach der OP lag ich eine Woche lang im Koma. Als ich dann wieder aufgewacht bin, litt ich am Durchgangssyndrom, das sind Psychosen, die vor allem nach großen chirurgischen Eingriffen auftauchen.

Ich hatte schreckliche Bilder vor Augen. Meinen Arzt habe ich als Fuchs gesehen, meine Tante hatte überall Federn und ich war in einem Raum, in dem sich die Wände gedreht haben. Das war ganz schlimm. 

Nach der OP konnte ich nichts essen, nichts trinken.
Elisa

Ich hatte starke Schmerzen und stand ständig unter Medikamenten. 

Mit am Schlimmsten war es aber, mitzubekommen, dass einige meiner Mitpatienten die Krankheit nicht überlebt haben. Vor allem als eine Freundin von mir, die ich im Krankenhaus kennengelernt hatte, gestorben ist, war das unglaublich niederschmetternd für mich. Sie hatte ebenfalls Leukämie.

Wie hat sich dein Körper durch die Chemotherapie verändert?

Zwei Wochen nach dem ersten Durchgang fingen meine Haare an auszufallen. Meine Friseurin hat sie dann komplett abrasiert. Ich habe mich entstellt gefühlt und hatte Angst, was mein Freund Yale darüber denken könnte. 

Auch mit meiner Figur habe ich mich unwohl gefühlt. Erst war mein Körper von den ganzen Medikamenten aufgequollen. Und dann habe ich so viel abgenommen, dass ich rappeldürr war, weil ich wegen der Chemo kaum etwas essen konnte. Als ich mich beim Umziehen im Spiegel gesehen habe, musste ich weinen. 

Der Haarverlust, die Figur, die Abgeschlagenheit.
Elisa

Die Krankheit hat mir mein Selbstbewusstsein genommen. Es gab Momente, in denen ich mich so hässlich gefühlt habe, dass ich Yale verboten habe, mich zu berühren oder mir zu nahe zu kommen. Aber er hat nicht aufgehört, mir zu sagen, dass er mich noch immer super hübsch findet. Das hat mir sehr geholfen.

Seid ihr noch zusammen?

Als ich von meiner Krankheit erfahren habe, waren wir erst seit sechs Monaten ein Paar. Als Yale mich im Krankenhaus besucht hat, war ich sehr abweisend, habe fast gar nicht mit ihm geredet. Ich wusste nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte und hatte Angst, dass er mit mir Schluss machen würde. 

Aber er war auch in den schlimmsten Phasen für mich da und hat nie gesagt, dass ich aufhören sollte, rumzunörgeln. Verändert hat sich unsere Beziehung durch die Krankheit kaum. 

Wie jedes andere Paar streiten auch wir uns manchmal über Kleinigkeiten.
Elisa

Wie ging es deiner Familie in dieser Zeit?

Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass sich in den vergangenen Monaten fast alles um mich gedreht hat. Ich glaube, dass alle ihr eigenes Leben ziemlich vernachlässigt haben. Das tut mir total leid. Aber alle um mich herum halten das für selbstverständlich und sagen, dass das eine gute Familie ausmacht.

Trauen sich deine Freunde weiterhin, mit dir über Alltagsprobleme zu sprechen?

Ja, mit meinen besten Freunden ist alles so wie früher. Nur ganz am Anfang der Krankheit habe ich manchmal gedacht, dass die anderen sich nicht so anstellen sollen, wenn sie sich zum Beispiel beschwert haben, dass sie lernen müssen. In dieser Zeit hätte ich mich gerne selbst auf das Abi vorbereitet. 

Aber wenn ich jetzt selbst lernen muss, habe ich auch manchmal keinen Bock. 

Eine gute Freundin von mir, die inzwischen an ihrer Krebserkrankung gestorben ist, hat immer gesagt, dass man sich nicht länger als fünf Minuten über eine Sache aufregen sollte, die in fünf Jahren schon wieder uninteressant ist. Das versuche ich zu beherzigen.

Heute ist Elisa krebsfrei

Warum hast du dich dazu entschieden, bei Instagram von deiner Krankheit zu erzählen?

Ich habe gemerkt, dass mir das gut tut. Es macht mir Spaß, jeden Tag neue Storys hochzuladen. Das ist für mich zu einem Hobby geworden. 

Durch Instagram habe ich viele andere Betroffene kennengelernt, mit denen ich mich austauschen kann.
Elisa

Du bist inzwischen krebsfrei. Denkst du noch häufig an die Krankheit und an das, was hinter dir liegt?

Ja, das kommt immer wieder hoch und es ist schwer, aus diesen depressiven Phasen wieder rauszukommen. Ich verstehe häufig selbst nicht, warum es mir so schlecht geht, weil doch eigentlich alles vorbei ist. 

Ich habe mir vorgenommen, dass ich der schlechten Laune Raum gebe, mir zugestehe, zu verarbeiten, was passiert ist. Aber dann muss auch wieder etwas Positives kommen. Ich habe mich vor einigen Monaten dazu entschieden, zum Psychologen zu gehen und hoffe, dass mir das helfen wird.

Hast du Angst, dass der Krebs wiederkommt?

Natürlich. Aber ich versuche, so wenig wie möglich darüber nachzudenken. Wenn ich mir ständig vor Augen halten würde, dass ich wieder erkranken kann, würde mich das davon abhalten, mich mit ganzem Herzen ins Leben zu stürzen.


Haha

Diese Sätze kann man sowohl beim Zocken als auch beim Sex sagen
"Nein Mama, man kann NICHT mittendrin unterbrechen!"

Computerspiele und Doktorspiele – auf den ersten Blick haben sie nicht sonderlich viel gemeinsam.