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Käthe: "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells

Wer ist dir nah, wenn deine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind? Vielleicht hast du Geschwister, einen Partner – und vor allem einen guten Freund. So wie in Benedict Wells’ “Vom Ende der Einsamkeit”.

Jules’ Vater stirbt bei einem Autounfall. Noch vor dem tragischen Unglück gibt er seinem Sohn einen Ratschlag fürs Leben: "Am wichtigsten ist, dass du deinen wahren Freund findest, Jules." Nie mehr wird Jules diese Worte vergessen. Er glaubt später, in seiner Internatskollegin Alva eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch dann wird er von ihr zutiefst enttäuscht. Jahrelang hören die beiden nichts voneinander und finden dann doch wieder zusammen.

Wells schreibt über die ganz großen Gefühle: Verlust und Leere auf der einen Seite, und wie Liebe diese Leere wieder füllen kann auf der anderen. Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis: Wir sind alle auf uns allein gestellt.

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Diese Bücher empfiehlt die Redaktion für den Herbst.
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Sinah: "Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini

Liebesgeschichten folgen oft ähnlichen Mustern. Zwei Menschen verlieben sich, können aber aus unterschiedlichen Gründen nicht zusammen sein. Je nach Plot finden sie am Ende zueinander oder alles endet in einer Katastrophe. Großes Glück oder großes Drama. Die Liebesgeschichte von Laila und Tarik in "Tausend strahlende Sonnen" ist ein bisschen von beidem.

Laila und Tarik kennen sich aus ihrer Kindheit im von den Sowjets besetzten Kabul. Was als Freundschaft beginnt, entwickelt sich über die Jahre zu einer tiefen Liebe. Bevor sie einander heiraten können, reißt der Krieg alles auseinander und verändert das Leben einer ganzen Nation. Viele Jahre lang quält sich Laila durch eine brutale Ehe, während sie um den verschollenen Tarik trauert. Bis er eines Tages plötzlich an ihre Tür klopft.

Laila und Tarik finden wieder zueinander, unbeschwert glücklich werden sie trotzdem niemals sein. Wie auch? Die Heimat ist zerbombt, die Familien ausgelöscht, der Körper ruiniert. Das Leben der beiden wird nicht leichter, nur weil sie es gemeinsam verbringen. Lediglich der Schmerz verringert sich ein wenig, weil sie ihn teilen. Die Liebesgeschichte von Laila und Tarik ist nicht einmalig, sondern das Schicksal von vielen in Afghanistan. Vielleicht ist sie darum auch die größte.


Kendra: "S. – das Schiff der Theseus" von J. J. Abrams und Doug Dorst

Jeder, der schon einmal geliebt hat, weiß, dass Worte allein selten reichen, um Liebe zum Ausdruck zu bringen. Es sind die kleinen Dinge, in denen sie sich zeigt: eine handgeschriebene Notiz, eine sinnliche Berührung, eine Postkarte aus der Ferne. Was dabei herauskommen kann, wenn Autoren beschließen, sich nicht mehr länger auf das Wort allein zu beschränken, um Liebe zu beschreiben, zeigen J.J. Abrams und Doug Dorst mit "S. - das Schiff des Theseus".

"S.", eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, ist so verworren wie die Liebe selbst. Dabei sind die Geschichten selbst nahezu nebensächlich. Es ist ihre Form, die das Buch einzigartig macht. "S." kommt als altes Bücherei-Buch daher, mit Ausleih-Stempel und Sticker auf dem Buchrücken. Der Titel des Buches: "Das Schiff des Theseus", der letzte Roman des mysteriösen Schriftstellers V. M. Straka. Und wie es sich für ein Bücherei-Buch gehört, finden sich auf den Seitenrändern handgeschriebene Notizen.

Sie erzählen eine neue Geschichte: die der Studenten Jennifer und Eric, die sich in ihren Anmerkungen kennenlernen und versuchen, dem Autoren und seiner ganz persönlichen Geschichte auf den Grund zu kommen. Ihre gekritzelte Korrespondenz führt vor und zurück, über Monate hinweg. Zwischen den Seiten: Briefe, Fotos, Postkarten, Servietten – Zeugnisse einer vermeintlich realen Welt jenseits des Papiers. Diese Welt zu erschließen und all die Ebenen zu entschlüsseln, kostet den Leser viel Zeit und mehrmaliges Lesen.

Ja, in "S." versteckt sich eine Liebesgeschichte. Doch vor allem ist das Buch selbst eine unfassbar romantische Liebeserklärung – an nichts geringeres als an die Literatur selbst.

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Annika: "P.S. Ich liebe dich" von Cecilia Ahern

Der Liebesroman "P.S. Ich liebe dich" ist kitschig. Und schön. Wunderbar kitschig-schön und perfekt für sentimentale Abende unter der Kuscheldecke.

Holly und Gerry sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet, als Gerry an Krebs erkrankt. Gerrys Tod lässt Holly in eine tiefe Depression verfallen. Keiner kommt an sie heran – bis Briefe von Gerry auftauchen. Für jeden Monat einen, geschrieben kurz vor seinem Tod. Kleine Aufgaben zwingen Holly dazu, das Haus zu verlassen und wieder am Leben teilzunehmen. Dabei trägt sie Gerry durch die Briefe ständig bei sich.

Die irische Schriftstellerin lässt in ihrem Roman Liebe über den Tod hinaus weiter leben. Berührend und ergreifend zeigt sie, dass Liebe neue Kraft geben kann, wenn man eigentlich schon aufgeben will.

Einiges spricht gegen "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", zum Beispiel, dass es ein Jugendbuch ist, noch dazu ein Krebsbuch. Dass junge Menschen sterben – und ihre Eltern deswegen leiden ("Es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit 16 an Krebs zu sterben, und das ist ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt."). Und trotzdem: Wer es noch nicht längst getan hat, der sollte jetzt dieses Buch lesen, egal, wie alt er ist.

Hazel, 16, und Augustus "Gus", 17, beide angenehm intelligent und ironisch, lernen sich in einer Selbsthilfegruppe kennen, sie verlieben und lieben sich. Eine Liebe, die vor allem vom gemeinsamen Lachen lebt, vom Philosophieren, Unterstützen, vom Hoffen und Träumen.

Neun Jahre hat der Amerikaner John Green an dem Buch gearbeitet. Bereits vor dem Erscheinen wurde es 150.000-mal vorbestellt. Als es Anfang 2012 erschien, landete es sofort oben auf der Jugendbestsellerliste der "New York Times".

Einen Film gibt es inzwischen auch. Ebenfalls sehr gut, aber – wie so oft – ist das Buch empfehlenswerter. Schon allein, weil man beim Lesen viel mehr Zeit mit Hazel und Gus verbringt.

Miriam: "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen

"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens sich nichts mehr wünschen muss als eine Frau."

Wer den ersten Satz von Jane Austens berühmten Liebesroman liest, wird erst einmal nicht glauben, dass es in "Stolz und Vorurteil" eben nicht nur darum geht, dass ein reicher Mann eine schöne Frau heiratet.

Weil's so schön ist, hier der Trailer zum Film:

Stattdessen geht um die mutige und emanzipierte Elizabeth Bennet, die ihrer Zeit, dem 19. Jahrhundert, mit ihrem Witz, ihrer Eigensinnigkeit und ihren Ansichten lange Voraus ist. Das ist auch der Grund, wieso Lizzy sich schwört, den überheblichen und reichen Mr. Darcy niemals zu heiraten. Bis es dann eben doch anders kommt.

In "Stolz und Vorurteil" geht es letztendlich um die Fehlerhaftigkeit der beiden Protagonisten und warum Lizzy und Mr. Darcy gerade deshalb so perfekt füreinander sind.

Die größte Liebesgeschichte schrieb Milan Kundera in "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"auf. Größte Geschichte deshalb, weil sie völlig unvollkommen ist, wie jeder Mensch und jede Beziehung.

Der tschechische Schriftsteller erzählt, eingebettet in die Ereignisse um den Prager Frühling, von der Liebe zwischen Teresa und Tomas. Und Tomas und Sabina. Und Sabina und Franz. Er zeigt, dass Liebe nie nur zwischen zwei Menschen passiert, dass sie sehr viel mit Freiheit zu tun hat. Dass die Art, wie man liebt, etwas sehr Persönliches ist.

Dass ein besonderer Abend mit einem Menschen genauso viel Wert sein kann, wie eine jahrelange Beziehung. Und dass Liebe nicht immer gleich Liebe ist – die eine wahre romantische Liebe zwischen zwei Menschen – sondern in den unterschiedlichsten Beziehungen auf ganz unterschiedliche Arten geliebt wird.

Anna: "Romeo und Julia" von William Shakespeare

Fünf Tage, zwei verfeindete Familien und eine Liebe, die nie hätte sein dürfen – alles verwoben in einer malerischen Kulisse, der norditalienischen Stadt Verona: William Shakespeares "Romeo und Julia" lässt einen begreifen, was es heißt, bedingungslos und unerbittlich zu lieben, so war es jedenfalls bei mir. Gegen den Willen der eigenen Familie kämpfen Romeo Montague und Julia Capulet für ihr gemeinsames Schicksal – bis dieses entscheidet, sie in den Tod zu reißen.

Das ist tragisch, genauso wie das Ableben all der anderen Protagonisten in dieser Liebestragödie. Noch dramatischer macht es die Semantik in den Zeilen: "Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, Wie es auch hieße, würde lieblich duften", jauchzt Julia ihrem Romeo entgegen, der wenig später erwidert: "Nenn Liebster mich, so bin ich neu getauft Und will hinfort nicht Romeo mehr sein." Hach, in Zeiten von "yolo", "lw" und "lmfao" wäre das in unserem sprachlich verrohrten digitalen Alltag mal eine angenehme Abwechslung.

Und dann das Ende, zwischen Tod, Kampf und Verzweiflung, bringt die Liebe den lang ersehnten Frieden zwischen den verfeindeten Capulets und Montagues. Die Liebenden scheiden davon, finden ihr glückliches Ende im Jenseits und alles endet mit den schmerzlichen letzten Zeilen des finalen Sonetts (an dieser Stelle auf englisch, weil es einfach so viel schöner als auf deutsch klingt!): "For never was a story of more woe / Than this of Juliet and her Romeo."

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