Bild: Ariel Lustre / Unsplash

Anna* hat gern Sex. Und viel. Aber bis sie Jessi* kennenlernte, hatte sie nur Sex mit Männern. Mal war er besser, mal war er schlechter, mal war es Sex in langen Beziehungen, mal Sex in Single- und Dating-Phasen.

Und trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, findet Anna, dass sie vom Sex mit Jessi verdammt viel gelernt hat. "Weil manche Sachen beim lesbischen Sex einfach anders funktionieren", sagt sie und lacht.

Lesbischer Sex. Um wenig ranken so viele Mythen, Fetischisierungen und Fantasien.

Wie genau haben zwei Frauen Sex? Welche Wege führen zum Orgasmus ohne den Akt der Penetration? Haben lesbische Frauen gar mehr Spaß im Bett, weil sie öfter kommen?

Zu dem Ergebnis kommt zumindest eine Studie zum Sexualverhalten, die ein Forscherteam 2017 publizierte: 52.000 Amerikaner verschiedener sexueller Orientierung wurden zu ihren Orgasmus-Erfahrungen befragt.

Das Ergebnis: Frauen in lesbischen Beziehungen kommen am öftesten, Frauen in heterosexuellen Beziehungen am seltensten. 

Penetration scheint für Frauen nicht unbedingt der beste Weg zum Orgasmus zu sein.

 Eine These, die zumindest Anna bestätigt. Mit Jessi erlebte sie eine völlig neue Art von Sex:

Anna hatte zum ersten Mal einen Orgasmus während des Akts: "Jessi sagte mir, das Ziel ist nicht, dass wir beide kommen, sondern, dass wir beide gemeinsam kommen. Das hatte ich noch nie vorher."

Dabei wusste sie vor ihrem ersten Mal mit Jessi nicht wirklich, was man wie genau macht. Sie dachte, man leckt sich halt irgendwie, nacheinander – was in ihrer Vorstellung nicht so erotisch war. 

Jessi zeigte ihr alles. Und wie bei heterosexuellem Sex sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Der große Unterschied war für Anna: Im Bett mit Männern galt erst der Akt der Penetration als "richtiger Sex". Für sie ist das eines der größten Missverständnisse, zumindest im Hinblick auf den Orgasmus einer Frau: "Für einen Mann ist die Penetration toll, weil bei ihm die Eichel das Lustorgan ist, die bei ihm auf dem Penis sitzt und beim Penetrieren gut stimuliert wird. Bei Frauen ist die Klitoris das Lustorgan, und die sitzt nicht in der Vagina drin, sondern am Eingang, wo die Schamlippen zusammenkommen. Deswegen führt Oralsex und leichter Druck an die richtigen Punkte eher zum Orgasmus als Penetration."

Die Vagina ist bei weitem nicht so empfindsam wie die Klitoris. Und das ist ja auch klar: 

Wäre sie es, wäre die Geburt eines Kindes für eine Frau viel zu schmerzhaft.

Das Wort “Vorspiel” beinhaltet für Anna ein weiteres Missverständnis. Mit einigen Männern machte sie die Erfahrung, dass sie das Vorspiel nur als Vorgeplänkel zum eigentlichen Akt sehen: "Allein das Wort ist irreführend und führt zu einem falschen Verständnis von Sex“, erzählt sie. Wer sich nicht für die Klitoris interessiert und so tut, als ob das nur "Vorspiel" wäre, weil es nicht der eigentliche Akt ist, macht was falsch.

“Viele Männer, die ich hatte, wussten nicht, wie man es einer Frau richtig schön macht: einige waren egoistische Sexpartner, die dachten, es sei nicht ihre Aufgabe, dass ich komme. Mit anderen bin ich beim Oralverkehr gekommen, aber nie beim Sex", erzählt Anna.

Jessi wusste, dass all das Reiben, Streicheln und Küssen nicht nur dazugehört – sondern dass es alles ausmacht. 

Deswegen konnten sie sehr gut aufeinander eingehen, niemand kam zu kurz. Anna glaubt, es passiert viel seltener, dass man mit einer Frau zu kurz kommt.

Trotzdem schläft Anna zur Zeit wieder mit einem Mann: Kurz nach der Affäre lernte sie ihren aktuellen Freund kennen: "Mit jemandem zu schlafen, nach dem du ganz verrückt bist, ist einfach das Schönste, was es gibt."

*Anna und Jessi gibt es wirklich. Wir haben ihnen aber andere Vornamen gegeben.

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