Die Sängerin erzählt von Ängsten, Zweifeln und Selbstbewusstsein.

Auf ihrem letzten Album "Crystal Sky" wirkte Lena Meyer-Landrut kühl und ernst. Gut drei Jahre später meldet sich die 27-jährige Sängerin zurück: Ihre neue Single "Thank You" klingt nach Gute-Laune-Pop à la Ed Sheeran – wenn auch längst nicht mehr so unbeschwert und ungebrochen wie zu Beginn ihrer Karriere. Seit Meyer-Landrut 2010 den Eurovision Song Contest gewann und schlagartig zur öffentlichen Figur wurde, hat sie die Schattenseiten des Ruhms kennengelernt. Nun wehrt sie sich gegen Mobbing und Hasskommentare – und schwört auf die Liebe.

Frau Meyer-Landrut, Lena...

...gerne du, wenn das okay ist. Ich muss nicht gesiezt werden.

Noch nie darauf bestanden?

Ich fand das Duzen mit Anfang, Mitte 20 etwas komisch und dachte, jetzt könnte man aus Höflichkeit auch mal Sie zu mir sagen. Aber mittlerweile freue ich mich über das Du, dann ist es entspannter.

Auch deine neue Single "Thank You"klingt nach entspanntem Sommer und Urlaub. Doch in dem Song thematisierst du Angriffe und Hass. Warum gerade jetzt?

Es geht mir nicht nur um Mobbing und Hass im Internet, sondern generell darum, aus etwas Negativem etwas Positives zu machen. Bei der Arbeit am neuen Album hatte ich einen Moment, in dem ich mich neu fokussieren und sortieren musste und mich viel mit diesen Themen auseinandergesetzt habe. Jetzt kann ich endlich darüber sprechen.

Anfang des Jahres hast du dich etwas zurückgezogen.

Es war viel los, viel Lärm. Viele Dinge prasselten auf mich ein, ich habe viel reagieren müssen. Ich habe den Fokus auf mich und meine Mitte verloren. Ich musste alles einmal reflektieren und aufarbeiten, das war der Grund, warum ich mir dann auch eine kleine Auszeit genommen habe, die breit als Krise diskutiert wurde. Dabei war es gar keine Krise im eigentlichen Sinne, sondern der Moment, in dem ich mir gesagt habe, jetzt ändere ich etwas.

Was denn?

Ich habe alles ausgeschaltet und kann mich nun selbst wieder besser hören. Ich habe mich viel mit Ängsten, Zweifeln, Selbstbewusstsein und der Art, mit den negativen Dingen umzugehen, befasst, aber auch damit, wie ich es schaffe, mich auf das Positive zu konzentrieren.

Direkt vor der Veröffentlichung des Liedes hast du noch eine Auswahl an Anfeindungen gegen dich auf Instagram veröffentlicht. Gab es dafür einen konkreten Anlass?

Für mich sind das nicht nur Begriffe, die mir online entgegengeworfen werden, sondern zum Teil auch durch die Medien oder direkt ins Gesicht. Teilweise bekomme ich das tagtäglich zu hören. Mir ist es wichtig, mich dazu zu äußern, gerade weil ich etwa von jüngeren Fans weiß, dass denen das auch passiert.

Was rätst du Menschen, die solchen Anfeindungen ausgesetzt sind?

Das kann man nicht pauschal sagen. Ich weiß nur, was auch für mich wichtig ist: mit Leuten zu sprechen, denen man vertraut, sich selber die Zeit zu nehmen, sich zuzuhören. Jeder hat auf seine eigene Art, damit zu kämpfen, und es ist egal, ob jemand wahnsinnig viel Feedback bekommt wie ich oder ob das nur im Freundeskreis, im Job oder im Dorf passiert. Jeden trifft das am gleichen Fleck.

Gab es Anfeindungen auch schon zur Zeit deines ESC-Erfolgs – oder hat sich das erst später entwickelt, als einige Leute sagten, Lena, schön war's – und dich dann angegriffen haben?

So extrem habe ich das erst nach dieser ganzen ESC-Euphorie mitbekommen. Das war aber auch eine sehr laute Zeit für mich, und ich habe es geschafft, mich von Vielem fernzuhalten. Später gab es den Moment, an dem man sich daran gewöhnt, einfach weil viele Leute eine Meinung über mich haben. Das geht aber auch nicht spurlos an mir vorbei.

Hast du dich auch rechtlich gegen die Anfeindungen gewehrt?

Juristische Schritte gehören in meinem Job mit dazu, aber das steht nicht vorne an. Das ist für mich auch kein Umgang, der mir geholfen hätte. Mir geht es nicht darum zu sagen, der oder der ist schuld, sondern eher darum, wie ich selbst damit umgehe.

Mit Musik.

Genau. Im Album geht es um Selbstliebe, um romantische Liebe und um Nächstenliebe. Es geht darum, wie ich leben möchte. Deshalb heißt das Album auch "Only Love L". Das ist meine Unterschrift unter jedem Brief, einfach weil ich es schön finde, Dinge mit Liebe und einem guten Gefühl zu beenden.

Wenn es in dem Album um Liebe gehen soll: Ist es nicht schwierig, das zu predigen, wenn einem das Gegenteil entgegenschlägt?

Klar, kalt lässt einen das nicht. Aber wenn man Bewusstsein für sich selber hat, fällt es auch leichter, sich von dem Bewusstsein der anderen nicht so abhängig zu machen. Selbstliebe hat auch etwas damit zu tun, etwas Gutes für sich zu tun und auch aus schlechten Dingen etwas Gutes für sich zu ziehen. Das heißt nicht, dass von vornherein alles gut ist.

In "Thank You" heißt es, man solle durch Widerstand wachsen.

Ich glaube, man wächst durch Widerstand, weil man viel Kraft für etwas aufwenden muss und dadurch lernt, Erfahrungen macht und etwas für sich selber schafft.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Haha

9 Momente, in denen Leute besser nichts gesagt hätten – es aber trotzdem getan haben
Das "Sag es nicht"-Meme in neun Tweets.

Manchmal geraten wir in Situationen, in denen wir gerne etwas sagen würden – es aber WIRKLICH lieber nicht tun sollten. Unser Gehirn rät uns in solchen Fällen oft, einfach die Klappe zu halten. Manchmal hören wir auf unser Gehirn, aber manchmal auch nicht.

Auf Twitter erzählen gerade Leute von Situationen, in denen sie einfach nicht die Klappe halten konnten. Das Meme: "Sag es nicht".

Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer haben lustige Situationen aus ihrem Alltag geteilt, die vielen von uns bekannt vorkommen könnten: unangenehme Begegnungen mit ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern, Blamagen an der Kasse oder infantiles Gelächter bei zweideutiger Sprache.

Oder eben solche Momente im Auto: