Bild: Nicholas Hunt / Staff / Getty Images
Die Autorin hat jetzt einen einfühlsamen Text darüber geschrieben.

"Hmm, Ihr Blutdruck ist niedrig. Wir kontrollieren das nochmal in einer halben Stunde. Könnte es sein, dass Sie schwanger sind? Warten Sie, natürlich nicht; Sie hatten ja gerade eine Hysterektomie!"

So beginnt ein Text von Lena Dunham in der aktuellen US-Ausgabe der Vogue. 

Darin erzählt die Drehbuchautorin, Regisseurin und Schauspielerin, warum sie sich ihre Gebärmutter entfernen ließ. 

Dunham ist bekannt für ihr Selbstbewusstsein. In ihrer Serie "Girls", in der sie eine der Hauptrollen spielte, zeigte sie sich regelmäßig nackt und lieferte Trollen immer wieder Konter, die sie wegen ihres Gewichts anfeindeten.

Dieser Text aber klingt ungewohnt verletzlich – und erzählt von einem langen Leidensweg: 

"Trotz der guten Vorbereitung durch meine Ärzte, will ich noch mal herausfinden, was sie mit meiner Zervix [dem Gebärmutterhals] machen, wenn sie sie entfernt haben, wie sie geformt ist, was ihre Aufgabe sein wird und, ob sie ein Loch darin hinterlassen (die Antwort: nein).
Am Ende frage ich nach der Wahrscheinlichkeit, mit der meine Eier sterben, bevor ich sie ernten kann und ob die Menopause einsetzen wird. Die Wahrscheinlichkeit, alles zu verlieren."
Sie habe immer gewusst, dass etwas mit ihrem Uterus nicht stimmte, schreibt Dunham. Sie habe gewusst: Ihr Uterus sei defekt.

Die 31-Jährige leidet seit Jahren an Endometriose. Bei der chronischen Unterleibserkrankung siedelt sich meist gutartiges Gewebe außerhalb der Gebärmutter an und blutet ab. Das Gewebe kann sich aber auch weiter ausbreiten, zu Zysten und Unfruchtbarkeit führen. Im Schnitt jede zehnte Frau in Deutschland leidet an der Krankheit und in Folge an starken Unterleibsschmerzen während der Periode. 

Aber die Schmerzen können auch bleiben, fressen sich durch den Unterleib und in den Alltag. Manche Frauen überstehen ihn nur noch unter starker Medikation, fühlen sich missverstanden, müssen ständig operiert werden, um die Gewebe-Herde zu entfernen. 

"Mit Schmerzen wie diesen werde ich nie irgendjemandes Mutter sein können. Selbst wenn ich schwanger werden könnte, ich hätte nichts zu geben."

Diagnose und Folgen von Endometriose

Weil Schmerzen während der Periode geläufig sind, wird eine Endometriose häufig erst spät erkannt. Sie wird mithilfe einer Bauchspiegelung diagnostiziert und manchmal können erst bei einer Operation alle Herde gefunden werden. 

Viele Frauen berichten von jahrelangem Leiden, bevor sie eine Diagnose gestellt bekommen. Warum eine Endometriose entsteht, ist weitgehend unbekannt.

Endometriose ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. (Endometriose Vereinigung)

Von August bis November wurde der Schmerz so unerträglich, schreibt Dunham, dass das Ertragen zu ihrem zweiten Job wird. Sie geht zur Massage-Therapie, zur Schmerztherapie, Akupunktur, Yoga, sogar eine Vagina-Massage probiert sie aus. Letztlich habe sie sich selbst ins Krankenhaus eingeliefert und gesagt: 

"Nehmt meinen Uterus raus. Nein, wirklich. Nehmt ihn raus."

Die Entscheidung war richtig, das weiß Dunham, das bestätigen ihr die Ärzte. Blut war in ihren Bauchraum gelaufen, ihre Eierstöcke mit Muskeln verwachsen, die wichtige Nervenbahnen berührten. Die Ärzte entfernten ihre Gebärmutter.

"Das einzige schöne Detail ist, dass das Organ – das eigentlich wie eine Glühbirne geformt sein sollte – die Form eines Herzens hatte."

Im Text erzählt Dunham von den körperlich Schmerzen, die sie zu dem Schritt bewegten, aber auch von dem Verlust, der bleibt.

"Fakt ist, ich habe nie bezweifelt, Kinder zu kriegen. Nicht einmal, seit ich verstanden habe, wie Familien entstehen. Schwangerschaft war für mich der glorreiche Anfang dieser Vision. Als Kind habe ich mir noch warme Wäsche unters T-Shirt gesteckt und bin strahlend durchs Wohnzimmer marschiert.
Ich wollte diesen Bach. Ich wollte wissen, wie sich neun Monate vollständigen Zusammenseins anfühlen."

Das alles sei nun schon ein paar Monate her. 

"Ich heile wie eine Heldin", schreibt Dunham. Körperlich. Mental, das sei eine andere Sache. 

Weil sie so hart dafür arbeiten musste, mit ihrem Schmerz ernst genommen zu werden, habe sie keine Zeit gehabt, sich zu ängstigen, zu trauern. Sich zu verabschieden.


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Waffenfirma postet ein Herz aus Patronen – nach Schulmassaker in Florida

Es ist Valentinstag. Ein 19-Jähriger stürmt mit einem halbautomatischen Gewehr eine Highschool in Florida. Er tötet 17 Menschen, viele weitere werden verletzt. Das Massaker an der Marjory Stoneman Douglas Highschool ist eines der schlimmsten der vergangenen Monate in den USA. (SPIEGEL ONLINE)

Es ist Valentinstag. Der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch möchte zum Tag der Liebe auch ein bisschen Liebe verbreiten. Das Social-Media-Team teilt auf Twitter ein Foto, das eine von Patronen eingerahmte Pistole zeigt. Die Patronen bilden ein Herz.

Das Zynische: Der Tweet von Heckler & Koch wurde mehrere Stunden nach den ersten Medienberichten über das Schulmassaker gesendet.